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Angela Troni, kann man Frauen wirklich verstehen?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Angela Troni, deren Buch Frauen verstehen in 60 Minuten gerade auf der Buchmesse als „Kuriosester Buchtitel“ [mehr…] ausgezeichnet wurde.

Angela Troni, geboren 1970 in Offenbach am Main, lebt als freie Lektorin und Autorin in München. Nach dem Abitur in Kaiserslautern studierte sie in Düsseldorf Italianistik, Anglistik und Germanistik als Literaturübersetzerin. Sie arbeitete zuerst beim [Econ Verlag in Düsseldorf und ist seit 1999 als Übersetzerin und Lektorin selbstständig.
Seit einiger Zeit setzt sie zunehmend eigene Ideen um und „schreibt Bücher zu verschiedenen Themen, die sie interessieren und die ihr Spaß machen“.

Michael Lemster: Frau Troni, wie fühlt sich das an, wenn man für den kuriosesten Buchtitel des Jahres ausgezeichnet wird?

Angela Troni:
„Weibliche Logik wird ein
Mann nie verstehen“
©eckhard waasmann

Angela Troni:] Keine Frage: wunderbar! Die Freude war – und ist es noch – sehr groß. Was kann mir Besseres passieren, als dass meine ironisch-humorvollen Texte mit einem humorvollen Preis gekrönt werden? Nun haben all jene, die jedes von mir geschriebene Wort partout ernst nehmen und missverstehen wollen, endlich keine Chance mehr! Zum anderen freut es mich auch für den Thiele Verlag, ein engagiertes Haus, dem die mit dem Preis verbundene Aufmerksamkeit ganz sicher nicht schadet.

Wie sahen die Reaktionen auf den Preis aus?

Ich war ehrlich gesagt total überrascht über die vielen Glückwünsche, die mir gezeigt haben, wie aufmerksam die Preisverleihung und die anschließende Berichterstattung verfolgt werden. So hat sich nicht nur der Ullstein-Verlag, bei dem im Frühjahr mein erster Roman Risotto mit Otto erschienen ist, mit mir gefreut, sondern auch viele Buchhändler, die mich von meinen Lesungen kennen, sowie Journalisten und Verlagskollegen. Es ist sehr schön und tut gut, diese Unterstützung zu spüren; sie gibt Kraft und setzt Energie frei für weitere Projekte, die im nächsten Jahr folgen sollen – sowohl im Romanbereich als auch auf der humorvollen Schiene.

Wem verdanken Sie eigentlich die Nominierung?

Einer jungen Österreicherin, die sich an dem Tag bei mir gemeldet hat, als die sechs Titel für die Shortlist bekanntgegeben wurden. Sie schickte mir eine Mail, um mir zu gratulieren, und erwähnte nebenbei, dass sie sich das Buch kaufen werde, sollte ich gewinnen. Sie hatte Frauen verstehen in 60 Minuten also getreu dem Motto der Juroren nominiert, ausschließlich den Titel und keineswegs den Inhalt des Buches zu bewerten. Ich schrieb zurück, dass sie selbstverständlich ein signiertes Exemplar bekomme, falls ich tatsächlich den ersten Preis abräumen sollte. Das Buch ist inzwischen hoffentlich gut in Österreich eingetroffen.

Die meisten Männer versuchen Frauen ein Leben lang zu verstehen – oft erfolglos. Sie versprechen, dass es in 60 Minuten möglich sei. Kann man Frauen wirklich verstehen?

Ich könnte ja jetzt sagen: Weil man 60 Minuten braucht, um mein Buch zu lesen, und da steht alles Wichtige drin – aber das wäre zu einfach. Und Frauen mögen ja viel sein, aber ganz bestimmt nicht einfach. Selbst Freud hat mal gesagt, dass er die Frauen 30 Jahre lang studiert hat und trotzdem keine Antwort auf die Frage weiß: Was will eine Frau eigentlich?

Ja, was wollen Frauen denn?

Das Problem mit Frauen ist ja: Sie nörgeln oft an ihrem Partner herum, aber je mehr ein Mann versucht, es ihnen recht zu machen, desto weniger recht ist es ihnen. Ein Mann würde dazu jetzt sagen: Das ist doch schizophren. Von wegen! Das ist weibliche Logik – und die wird ein Mann nie verstehen.

Ihr Rat deshalb in 60 Sekunden?

Daher gibt es für den Mann nur eine Möglichkeit, wenn er mit einer Frau dauerhaft glücklich werden will, nämlich sie sehr zu lieben und gar nicht erst zu versuchen, sie zu verstehen.

Wie ist denn der Titel des Buches entstanden?

Das war – ausnahmsweise – gar nicht schwer, denn das Buch war von Anfang an konzipiert für eine Reihe des Thiele-Verlags, und die heißt Die Welt in 60 Minuten. „Staunen im Stundentakt“ lautet das Motto dieser Buchreihe, die auch Titel wie Philosophie in 60 Minuten, Freimaurer in 60 Minuten oder James Bond in 60 Minuten im Programm hat. Die Titel sollen nicht belehren, sondern unterhalten, sie wollen eine Anstiftung zum Denken sein und zugleich eine Erfrischung für Geist und Laune.

Ihre Erinnerung an die Ehrung?

Das Tolle bei der Preisverleihung war ja, dass die Juroren heftig über den Titel debattiert haben. Zum einen weil Luzia Braun der Ansicht war, dass dieses Buch niemals von einer Frau hätte geschrieben werden dürfen, sondern NUR von einem Mann, zum anderen weil Eckart von Hirschhausen den Titel so schön doppeldeutig fand. Ist die Frau denn nun Subjekt oder Objekt? Geht es darum, in 60 Minuten zu verstehen, wie Frauen ticken? Oder darum, dass Frauen generell 60 Minuten brauchen, um etwas zu verstehen? Damit ist mir die Anstiftung zum Denken mit diesem Bändchen doch allemal geglückt!

Männer sind aber auch nicht immer leicht zu verstehen, werden jetzt viele Frauen sagen. Was möchten Sie denen abschließend mit auf den Weg geben?

Ich hab da noch so ein Buch geschrieben. Es heißt Männer verstehen in 60 Minuten und ich kann es Ihnen nur wärmstens empfehlen.

Ich glaube Ihnen nicht, dass man dafür sechzig Minuten braucht.

Das haben Sie gesagt! Lesen Sie mein Buch.

Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.

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