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Grimmelshausen. Eine Spurensuche

Hans Sarkowicz, Heiner Boehncke

Seit Reinhard Kaisers Neuübertragung von Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch, erschienen im August 2009 als Band 296/297 in Die Andere Bibliothek im Eichborn Verlag ist Grimmelshausen wieder ein Begriff [mehr…]

Da ist es eigentlich logisch, die kleine Grimmelshausen-Reihe, zu der außerdem Band 310 Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courage/Der seltsame Sringinsfeld, ebenfalls von Reinhard Kaiser übertragen und im September 2010 erschienen [mehr…], mit einem Blick auf den Autor abzuschließen. Vorerst.

So wurde dann auch gestern Abend in der Nikolauskapelle in Bergen der Band 323, Grimmelshausen. Leben und Schreiben. Vom Musketier zum Weltautor von den Autoren Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz präsentiert. Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatte die Berger Bücherstube in Kooperation mit der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim.

Unter den Gästen in der ausverkauften Nikolauskapelle befanden sich sowohl Reinhard Kaiser als auch Mitarbeiter des Eichborn Verlags.

„Reinhard Kaiser hat mit dem Simplicissimus eine hervorragende Arbeit geleistet. Ohne ihn würde es unser Buch nicht geben“, würdigte Heiner Boehncke zu Beginn der Buchpräsentation den Autor. Zum Grimmelshausen sagte Heiner Boehncke, dies sei der Versuch einer Rekonstruktion, das Wort Biografie möchte er nicht verwenden.

Eine zentrale Frage stellte sich Boehncke und Sarkowicz: Wie verläuft ein Lebensweg, der vom Schulabbrecher zum Schultheiß, ja Weltautor führt? Eine Vermutung steht am Anfang: Es müssen die Bilder am Lettner der Marienkirche in Gelnhausen gewesen sein, die den kleinen Hans Jacob um 1628 prägten. Damit beginnt das Buch.

Hans Sarkowicz, selbst in Gelnhausen geboren, schilderte die Ausgangslage für die Spurensuche; sie war denkbar schlecht, kaum Dokumente, keine Beweise. Also musste die Geschichte vom Rand her aufgedröselt werden. Die Rede kam auf den Ort Grimmelshausen in Thüringen, wohl Ursprung der Familie; auf den Großvater Melchior Christoffel, der als Bäcker einen angesehenen Beruf in Gelnhausen, damals freie Reichsstadt, ausübte. Hans Sarkowicz erinnerte auch an Gustav Könnecke, der 1926 bis 1928 eine Grimmelshausen-Biografie herausgebracht hatte, in der er den Simplicissimus und seinen Autor akribisch vergleicht. Grimmelshausen ist nicht Simplicissimus – aber es gibt jede Menge Parallelen, das wird im nun vorliegenden Band noch deutlicher.

Immer weiter auf Spurensuche, stießen Boehncke und Sarkowicz auf erstaunliche Akten, die es noch gibt. Sie zeugen von Familienstreitigkeiten und Prozessen. „Schuldverschreibungen wurden wohl ganz besonders gut aufgehoben und sind am besten erhalten“, bemerkte Hans Sarkowicz.

Auch ein Buchhändler respektive Verleger wird sichtbar; Leonhard Burck – hierzu gibt es neue Funde. Er war der Stiefgroßvater von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen.
Der Autor des Simplicissimus also kein schreibender Musketier, sondern vielmehr ein äußerst belesener, interessierter und erfolgreicher Schriftsteller, der schließlich Weltruhm erlangt? „Vielleicht sollte man Simplicissimus als neues Vorbild in die Leseförderung einbauen“, schlägt Heiner Boehncke vor.

Ein „Grundschmunzeln“ beim Lesen der Abenteuer gab es von Anfang an. Eine weitere Dimension erhalte der Erkenntnisgewinn, wenn man den Simplicissimus und den Grimmelshausen nebeneinander liest.

Und Die Andere Bibliothek? Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz bekräftigten: Es wird weiter gehen. Hoffnungsfroher Abschluss eines erlebnisreichen Abends.

JF

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