
Dr. Lothar Schröder (Rheinische Post) gratuliert seinem ehemaligen Kollegen und heutigen Chefredakteur des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels zum runden Geburtstag:
Irgendwann ist es dann auch uns klar geworden. Spätestens, als seine Worte immer fernnerviger wurden, seine Satzkonstrukte komplexer und die Gedanken noch tiefgreifender, war es uns – die wir mit ihm den Tisch der Redaktionskonferenzen wie auch dessen karge Resopalvariante in der Kantine teilen durften, als habe sich mit ihm und in ihm eine bedeutende Metamorphose vollzogen: jene geistige Formung im übenden Leben, die im Volksmund mit der anthropotechnischen Wende ein wenig oberflächlich beschrieben wird.
Mit anderen Worten: Irgendwann ist Torsten Casimir also Peter Sloterdijk geworden, und es gibt nicht wenige unter uns freigeistigen Alltagsexegeten, die sich zu behaupten erdreisten, dass Sloterdijk auch Casimir geworden sei. Es begann damit, dass Torsten Casimir den wohltönenden Denker zum Gastvortrag bei der Rheinischen Post bat, dass er ihm nach Schloss Elmau folgte, ihn daheim in Karlsruhe aufsuchte und ihn immer wieder sprach und las und las und sprach, bis sein Gehirn austrocknete und er darüber den Casimirschen Verstand verlor (an dieser ungewöhnlich, möglicherweise etwas harsch klingenden Stelle sei angemerkt, dass es sich um ein leicht abgewandeltes Zitat der Weltliteratur handelt). Es war eine bedingungslose Adaption fremder Gedanken, wie sie in der Regel nur bei Ehemännern nach langjähriger Einübung zu beobachten ist.
Fortan jedenfalls dachte Torsten wie Peter auf so innigliche wie kongeniale Weise, dass dies auch in Karlsruhe nicht ohne Folgen bleiben konnte. So wollte Sloterdijk in der philosophischen Debatte um Steuern angeblich für eine Erhöhung der fiskalischen Zwangsabgabe eintreten, wobei ihm aber bei der Niederschrift die Casimirsche Empathie in die Quere kam und seine Feder führte. Wobei in diesem besonderen Fall das Phänomen des doppelten Casimirs wirksam wurde.
Denn Torsten Casimir selbst soll bei seiner Eingebung von einer generellen Befreiung aller Steuern und dem Übergang hin zu einer sozialpsychologisch wie auch ethisch weit günstigeren Kultur der freiwilligen Gabe maßgeblich von der lieben Lebensfrau an seiner Seite (aus vielleicht dem Eigennutz geschuldeten Interesse) inspiriert worden sein. Ob es stimmt? Ob es vielleicht nicht doch ganz anders gewesen ist? Wer das Leben kennt, wird sich hüten, darauf eine Antwort finden zu wollen. Ein letztes Mysterium: Warum erscheint Peter Sloterdijk eigentlich nicht zum glorreichen 50. Geburtstag? Weil er vielleicht schon unter uns weilt und vieles eine Täuschung und alles ein Spiel ist? Umberto Eco, bitte recherchieren Sie!
Kontakt: t.casimir@mvb-online.de
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