Es war ein Abend der großen Inszenierung und der großen Worte. Das Publikum dafür war vorhanden: Immerhin 500 Gäste waren zur großen Jurion Gala nach Köln gekommen und wollte wissen, was hinter dem Start eines großen Versprechens aus dem Hause Wolters Kluwer steckt.
Auf der großflächigen Bühne zählte ein Countdown die Zeit herunter. Um Punkt 21:00 sollte die neue Datenbank-Lösung Jurion freigeschaltet werden. Doch bevor es soweit war, begrüßte Wolters-Kluwer-Deutschland-Chef Dr. Ulrich Hermann seine Gäste. „Wir beginnen eine neue Zeit“, „Wo das Buch und die Datenbank enden, da machen wir weiter“ und „Wir nehmen die Anwender ernst“, lauteten einige seiner Sätze, die die Bedeutung dieses Neustartes verdeutlichen sollten. Mit Jurion sei der Jurist nicht nur Nutzer, sondern werde zum Gestalter. Seine Schriftsätze könnten nun über die neue Plattform auch anderen Juristen als Vorlage dienen. In diesem Zusammenhang prägte Hermann den Begriff „Tertiärinhalt“ (nach Primärinhalt = Gesetzestexte und Urteile, Sekundärinhalte = Kommentare und Handbücher).
Hermann lobte die mittelständische Verlagswelt in Deutschland mit seinen vielen spezialisierten Verlagen. Um diese warb er indirekt, ihre Daten zur Verfügung zu stellen. „Eine Konsolidierung kann nicht im Interesse der Verlage sein“, sagte er. Mit Jurion stehe dem Anwalt wieder eine „Buchhandlung am Arbeitsplatz“ zur Verfügung. Denn die Verlage sollen auf der Plattform weiterhin sichtbar bleiben.
Bereits seit Mai lief der Contdown auf www.jurion.de. Da hatte Hermann den Termin 24. November 2011 um 21:00 Uhr angekündigt. Das Team hat ihn exakt eingehalten. Dafür gab es Dank und Applaus. Um 21:00 Uhr begann auf der Bühne dann die große Lichtershow und das Portal war zu sehen. Was nach außen erst einmal wie eine neue Website aussieht, bedurfte einer Erklärung und die gaben Hermann, Chefverleger Burkard Schulz und Prokurist Ralph Vonderstein, Geschäftsbereichsleiter Software + Services Legal, in Filmbeiträgen und dann auch noch einmal live.
„Wenn man das historisch betrachtet, dann bedeutet Jurion einen weiteren Schritt in der Emanzipierung der Rechtsliteratur“, sagte Schulz gegenüber buchmarkt.de. Denn nun könne auf der Plattform jeder Anwalt Schriftsätze sammeln und zur Verfügung stellen, Sozietäten könnten eigene kleine Kommentare verfassen, anderen zur Einsicht geben oder sogar bepreisen und verkaufen. Auf der Bühne nannte er die Schlagworte, die Jurion leiten sollen: „schnell, sicher, produktiv“ und „Jurion macht sinnlich“.
Vonderstein erläuterte die Funktionen der Plattform und begann mit dem Einlaufen eines Faxes in der Anwaltskanzlei. Das wird mit Jurion automatisch erkannt und in eine bearbeitbare Datei umgewandelt. Aktenzeichen werden ohne Zutun mit der Rechtsprechung verknüpft, diese ist dann per Maus ansteuerbar. Bei der Bearbeitung des Falles werden mit Hilfe der Suche Textpassagen in vorhandenen Werken angezeigt, aber auch in Titeln, die nicht in der Bibliothek des Anwaltes stehen. Der Anwalt kann Textpassagen kopieren und in seinen Schriftsatz einfügen (die Quelle wird automatisch angezeigt) oder auf eine Pinwand heften, klickt er den Text an, kommt wieder direkt auf die Quelle. Anschließend kann er seinen Text seinen Partnern oder einer Community zur Verfügung stellen. Sollte der Text veralten, werden Änderungen in der Rechtsprechung automatisch an den entsprechenden Textstellen angezeigt. „Dafür haben wir den Buchstaben j (sprich englisch Jey) eingeführt“, so Vonderstein, „j steht für Jurist oder für Jurion. Sie arbeiten mit Jurion auf einem jdesk und können ihre Texte in die jcloud stellen. Diese sind dann von überall abrufbar.“
Das Publikum zeigte sich beeindruckt. Nomos-Geschäftsführer Dr. Alfred Hoffman zollte seinen Respekt für die Neuentwicklung. Martin Huff, Geschäftsführer der Rechtsanwaltkammer Köln und Ex-Wolters Kluwer-Mann sagte: „Junge Anwälte haben nun die Chance ohne ein großes Büro auszukommen und sich umfassend zu informieren.“ Der Buchhandel zeigte sich noch zurückhaltend. Soldan-Chef Hans Jürgen Richters will nun sehen, wie die Datenbank bei seinen Kunden ankommt. Ein umfassendes Vermarktungskonzept für den Buchhandel soll noch vorgestellt werden, ist zu hören. Im buchmarkt.de-Interview hat Hermann angekündigt, mit dem Handel kooperieren zu wollen [mehr…].







