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Judith und Michael Haentjes über 25 Jahre Edel

Die Festschrift „Jubelare!“

Judith Haentjes im Gespräch mit ihrem Vater Michael über 25 Jahre Edel und die passenden Autos. Mit der Festschrift zum Jubiläum „Jubelare!“ (Foto) für Mitarbeiter, Kunden und Freunde des Hauses werden auch 20 Jahre optimal gefeiert. Ab der Weihnachtswoche kann in der Festschrift auch online geblättert werden.

25 Jahre Edel, Papa – welche Zeit war für dich die schönste?

Michael Haentjes
Judith Haentjes

Die schönste Zeit für mich ist immer jetzt. Und wenn ich zurückdenke an das Vierteljahrhundert: Mit Edel war es oft ganz schön aufregend – aber immer interessant. Gerade jetzt, wenn man es so betrachtet und nacherlebt. Am familiärsten war es in den ersten Jahren, das war schon eine einzigartige Sache damals, aber heute bin ich mit Edel ganz besonders zufrieden.

Was machte das Familiäre am Anfang? Kam das, weil Edel damals noch klein war?

Ja, genau. Bis wir um die 30 Mitarbeiter waren; ich empfand uns bis dahin als eine große Familie, und ich durfte sozusagen der Papa sein.

Welche Künstler lagen dir zu der Zeit besonders am Herzen?

Natürlich mochte ich alle meine Kinderchen gleich gern! Das gilt für alle Künstler, für die Gruppen wie auch die Einzelkünstler. Wenn man seinen Beruf in der Musikbranche ernsthaft betreibt, geht es ja darum, alle Künstler ihrem Potenzial entsprechend richtig zu platzieren – und da macht man keinen Unterschied.

Hast du die Künstler am Anfang selbst ausgesucht, nach deinem persönlichen Geschmack, oder nach den Erfolgsaussichten?

Die Auswahl der Künstler war und ist die Aufgabe der A&R-Mitarbeiter. Das steht für Artist & Repertoire und heißt, dass es hier nicht um den persönlichen Geschmack geht, sondern darum, was der Markt gerade aufnimmt und was nicht. Es kann natürlich sein, dass die Einschätzung des Marktes mit seinen verschiedenen Musikbereichen hier und da übereinstimmt mit dem persönlichen Musikgeschmack. Anfangs war ich mein eigener A&R Chef.

Gab es auch Künstler, die du gerne bei Edel gehabt hättest, was aber nicht geklappt hat?

Na ja, in dem Augenblick, in dem man mit einem Künstler verhandelt, will man den schon unbedingt haben. Aber wenn das mal nicht geklappt hat, dann hatte ich immer die Gabe zu sagen: Nun, dann wollte ich den wahrscheinlich auch nicht so besonders gern haben. So habe ich dem Verlust eines Deals nie hinterhergetrauert.

Hast du, wenn es zu einem Abschluss gekommen ist, auch nie einen Deal bereut?

Nein, hab’ ich nicht. Natürlich ist nicht alles immer glattgegangen, und immer wieder haben wir auch Geld verloren. Aber auch da hatte ich offensichtlich die gnädige Anlage, mir selbst oder den Mitarbeitern, die den schlechten Deal gemacht hatten, weitgehend zu verzeihen. Darum gibt es auch nichts zu bereuen.

Du hast ja vor Edel auch schon im Musikbusiness gearbeitet. Wann hast du eigentlich entschieden, dich selbstständig zu machen – wieso und warum?

Diese Entscheidung ist nicht so ganz freiwillig gewesen. Ich hatte vorher einen Job verloren, dein ältester Bruder war schon geboren, und ich wollte nicht lange nach neuer Arbeit suchen. Ich hatte auch gar keine Lust mehr, mich anstellen zu lassen. Als dann auch die Dame vom Arbeitsamt meinte, dass ein Job als Angestellter wohl nicht zu mir passen würde, wurde mir klar, dass ich besser etwas Eigenständiges machen sollte. So probierte ich verschiedene Dinge aus – und der Musikversandhandel war das, was auf Anhieb am besten funktionierte.

Und wie ging es dann am Anfang, während der ersten Edel-Tage, so zu?

Die ersten Tage bei Edel? (lacht) Also, das ging damit los, dass ich erst mal gucken musste, was ich überhaupt machen wollte. So bin ich als Erstes zur Musikmesse Midem gefahren, um mich dort umzuschauen. Weil damals gerade das Geschäft mit CDs losging, hatte ich die vage Idee, CD-Ständer zu entwickeln und zu verkaufen, auch an Plattenfirmen. Also bin ich mit solchen Entwürfen nach Cannes gefahren und dachte, dass irgendeine Firma, in Form eines Vertriebsvertrages, solche Ständer für mich in den Handel bringen will. Hat aber keiner machen wollen. Aber Anfang 1986 hatte ich ja auch schon die Idee mit dem Filmmusikversand.

Und wann hast du die ersten Geschäfte damit gemacht?

Den ersten Umsatz? Knapp drei Monate später, im März 1986. Ich weiß nicht mehr, wer der Kunde war. Auf jeden Fall waren es ein paar Filmmusikschallplatten. Ich denke, der Umsatz war so in der Größenordnung um die 25 Mark.

(lacht) Vor 25 Jahren: 25 Mark?

Ja, aber das war nur die erste Rechnung. Im ersten Monat hatte ich schon einen Umsatz von vielleicht 15.000 Mark, und im Monat darauf war es schon mehr. Im ersten Geschäftsjahr habe ich 600. D-Mark Umsatz gemacht – aber kein Geld damit verdient. Eher Geld verloren, muss ich sagen.

Aber im Endeffekt hat es sich ja ausgezahlt …

(lacht) Ja, es sieht so aus, als hätte es im Endeffekt dann geklappt.

Hast du denn, als Andenken, noch die erste Rechnung?

Ich glaube nicht. Aber ich habe noch die Buchhaltung vom ersten Jahr. Die hat dein Großvater, Opa Bär, nämlich für mich erledigt, in so einem großen Journal. Er hat einfach nur die Tagesumsätze gebucht – nein, noch einfacher: Er hat einfach die Geldeingänge als Umsätze verbucht, also er hat das schon in sehr vereinfachter Form gemacht, so, wie ich es heute wahrscheinlich nicht mehr akzeptieren würde.

Okay, mal weg vom Finanziellen, zu einem anderen Thema: Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, selbst CDs herzustellen?

Das war 1990. Da lief das Geschäft schon sehr gut, wir haben irrsinnig viele CDs verkauft. 1990 war so ein Boom-Jahr, und die Firma Sonopress war mein Lieferant für Tonträger. Die gehört zum Bertelsmann-Konzern, und man hatte uns die bestellte Ware nicht in ausreichender Menge und nicht so schnell geliefert, wie ich sie brauchte. Und weil wir uns damals sehr schnell im Markt breitgemacht hatten, brachte mich das ziemlich auf die Palme. Na ja, wir haben auch gewisse Dinge gemacht, die den Bertelsmännern wohl nicht gefallen haben. Zum Beispiel hatten wir eine Kooperation mit RTL, und die gehörten nun mal zum Bertelsmann-Konzern. RTL hat unsere Platten promoted, aber wir und nicht die Bertelsmannfirma Ariola haben eben dann die Platten verkauft. Anfang der Neunzigerjahre waren das sehr gute Geschäfte, viel Umsatz, so um die 20 Millionen. Und als das mit den CD-Lieferungen nicht mehr so gut funktionierte, da habe ich beschlossen, dass jetzt ein eigenes Presswerk hermuss.

Jetzt, das heißt, dann ging es sehr schnell?

Ja, schon im Frühjahr 1991 haben wir den ersten Spatenstich getätigt, und am 13. Dezember 1991 hatten wir die erste CD aus eigener Produktion in den Händen. Also von der Idee über ein neu zu errichtendes Fabrikationsgebäude mit den nötigen Maschinen bis zur ersten fertigen CD: ein knappes Jahr. Das war wirklich gut.

Ja, das klingt echt gut, aber woher kam eigentlich das Know-how?

Von der CD-Fertigung verstanden wir am Anfang gar nichts. Wir brauchten also Leute, die sich erst mal in diese Idee einarbeiten. Und ich hatte das Riesenglück, Jörg Hahn zu treffen, den ersten Mitarbeiter von optimal und heute immer noch Geschäftsführer der Firma. Am 1.1.1991 hat er angefangen, und innerhalb kürzester Zeit hat er das Unternehmen projektiert – vom ersten Spatenstich bis hin zur ersten CD.

Hast du damals gedacht, dass optimal jemals so groß werden würde?

Nee, hab’ ich nicht, aber das gilt ja für die ganze Firma Edel: Das konnte sich zuerst keiner vorstellen, dass wir mal so groß werden. Aber als mir dann klar wurde, dass man gewisse Dinge erreichen kann, habe ich mal ein paar Jahre lang sehr, sehr gepusht, um das Ganze riesig zu machen. Aber das war vielleicht nicht so optimal …

Gab es irgend etwas in der ganzen Edel-Zeit, was so richtig absurd war? So, dass du dachtest: Das kann doch jetzt nicht wahr sein …

Ja, das gab es! Das war, als ich zwei, drei Mal nach Minneapolis gereist bin, um den Deal mit Prince zu machen. Ich stand dem Mann zwar von Angesicht zu Angesicht gegenüber, aber wenn es zu den Verhandlungen kam, ist er in ein Nebenzimmer gegangen und hat seine Mitarbeiterin mit mir reden lassen. Er war nur runde 1,50 Meter von mir entfernt, mit einer Tür dazwischen. Und diese junge Frau ist dann immer abwechselnd zu Prince und zu mir gegangen und hat uns übermittelt, was gesagt worden war. Das war wirklich absurd, dass wir uns zwar getroffen, aber nicht direkt miteinander gesprochen haben.

Das klingt wirklich verrückt. Nun zu etwas Positivem: Du bist ganz schön verrückt nach alten Autos. Wann hast du deine Liebe zu Oldtimern eigentlich entdeckt?

Ich glaube, schon als Kind. Ich wollte immer viele schöne Spielzeugautos haben, aber ich habe nie so viele bekommen, wie ich wollte. So kam es wohl dazu, dass ich später im Leben alle die Spielzeugautos, die ich nicht bekommen hatte, in Echt, also in Groß haben wollte. Und dann kam noch dazu, dass dein Großvater sich immer diese blöden Fords gekauft hat, zum Beispiel den 17 M, 20 M oder den Granada, und das fand ich nicht so toll. Ich wollte damals schon einen ordentlichen Mercedes, den Citroen DS oder einen Jaguar, zum Beispiel einen S-Type oder den Marc II – aber mit diesen Wünschen bin ich beim Vater nicht weit gekommen. Er fuhr immer nur mit diesen Mittelklasse-Limousinen von Ford durch die Gegend. Und ich weiß noch genau, wie ich damals, so mit neun Jahren, wirklich geheult habe, weil er sich keinen Citroen DS kaufen wollte. Und das alles habe ich dann später wohl kompensieren müssen.

(lacht) Du wusstet also schon immer recht genau, was du wolltest …

Meistens: ja. Da weiß ich genau, was ich will. Aber es gibt auch ein paar wenige Bereiche, da weiß ich es nicht so genau, leider.

Aber du kaufst dir immer noch die Autos in Groß und in Klein.

Ja, klar, denn es kommt darauf an, dass man immer das passende Auto für die richtige Gelegenheit hat.

Das Gespräch wird in voller Länge in dem Jubiläumsband abgedruckt

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