
Seit Nikolaustag fragen wir bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Vito von Eichborn unseren „anderen Fragebogen.“
1
Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Jeder zweite. Weil das Leben endlich ist – ist es mein Job, dafür zu sorgen, daß der Eimer immer halb voll ist.
2
Worüber haben Sie sich 2011 am meisten geärgert?
Über meine eigene Blödheit, weil ich es mir verboten habe, mich über andere zu ärgern.
3
Was war 2011 Ihr schönster Erfolg?
Dass mir nach 25 Jahren gemeinsamer Berg-und-Talfahrt meine Frau gesagt hat: Sie liebt mich.
4
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Es gab viel Trauriges und Mißerfolge nicht zu knapp – doch Trauriges geschieht und für Misserfolge sorgt man selbst. Ich wüßte nichts, wo beides zusammentraf.
5
Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Lübbe, weil die Geschäftsleitung bereit ist, in eine neue Zukunft des Eichborn Verlags zu investieren.
6
Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Das Geschrei und die gutgemeint-undifferenziert-eindimensional populistisch-wohlfeilen Tiraden gegen Rechtsradikale gehen auf den Geist – weil dies nicht aufklärt, sondern zur so dummen wie wirksamen Werbung für diese Idioten wird. Es gibt genügend Gesetze, um ihre Straftaten zu verfolgen. Ansonsten: Schweigt sie tot.
7
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Über die zahllosen konkreten und realistischen Eigeninitiativen allüberall, die geeignet sind, uns alle zum Mitmachen und Nachahmen zu reizen. Statt Kerzen und Caritas und Klugscheißerei gibt es zahllose Unternehmungen, die – ja, trotz allem und pathetisch – für eine bessere Welt Perspektiven bieten.
8
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Wie immer zuviel auf einmal zu wollen.
9
Und welchen Fehler werden Sie wiederholen?
Wie immer zuviel auf einmal zu wollen.
10
Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Ken Follett „Sturz der Titanen“. Ihm gelingt es, das Triviale in den Dienst der Volksaufklärung zu stellen. Alltag und Gebräuche, Politik und Kriegsführung, Ideologien, Revolution und ökonomische Zusammenhänge, kurz: die Weltgeschichte vor knapp 100 Jahren wird so gründlich zusammengefasst und spannend verpackt, dass wir Halbgebildeten auch unsere Gegenwart besser verstehen.
11
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Das selbst geschriebene: „Mein Mallorca“ für den Mare Verlag.
12
Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von meinem Lieblingshelden des sowohl ersten wie bedeutendsten Romans der westlichen Weltliteratur: Don Quijote.
13
Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Warum passt ein Kamel durchs Nadelöhr?
14
Hier können Sie die auch beantworten.
Weil ich es will.
Morgen fragen wir Katja Böhne; gestern antwortete Andreas Wallentin [mehr…].