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Josef Škvorecký

Josef Škvorecký
Foto: Ulrich Faure

Der Schriftsteller und Verleger Josef Škvorecký (Foto) ist tot. Er starb heute morgen im Alter von 87 in Toronto.

Škvorecký wurde 1924 in Nachod geboren. Da er zur „Protektoratszeit“ nicht studieren konnte, wurde er zwangsweise zum Arbeitseinsatz in eine Filiale der Messerschmittwerke eingezogen. Davon erzählen seine Romane immer wieder: Der Seeleningenieur, Feiglinge oder Eine prima Saison – längst ist aus seinem umfangreichen Werk nicht alles ins Deutsche übersetzt. Besonderes Kennzeichen seiner oft humoristischen Prosa: Mit seinem Protagonisten und Alter Ego Danny Smiřický hat Škvorecký eine Figur geschaffen, die in zahlreichen seiner Romane auftaucht.

Nach dem Kriegsende begann er ein Medizinstudium in Prag, wechselte aber bald ins Philosophische Fach. 1951 wurde er an der Prager Karls-Universität promoviert.

Danach arbeitete er als Redakteur, mußte den Job aber nach seinem Debütroman Feiglinge (auf Deutsch in der Anderen Bibliothek) aus politischen Gründen aufgeben. 1969, nach dem „Prager Frühling“, erhielt er als unerwünschter Autor ein einjähriges Stipendium für einen Aufenthalt in Kalifornien. Danach ließ er sich gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Zdena Salivarová, in Toronto nieder, wo er an der Universität Literatur unterrichtete und den bedeutenden Verlag 68 Publishers gründete, der zum Sammelbecken für tschechische Exilliteratur mit Autoren wie Václav Havel, Milan Kundera, Ivan Klíma oder Ludvík Vaculík avancierte – Jürgen Serke hat darüber in seinem Buch Das neue Exil berichtet. Die Manuskripte wurden unter abenteuerlichen Bedingungen nach Toronto geschmuggelt.

Škvorecký übersetzte auch Ernest Hemingway, Raymond Chandler, Henry James und William Faulkner. 1982 war er für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen. Vor drei Jahren wurde er mit dem Angelus-Preis für mitteleuropäische Literatur ausgezeichnet.

Deutsche Kritiker stellen seit Jahrzehnten immer wieder fest, daß Škvorecký ein großer europäischen Autor ist, den es noch zu entdecken gele – und zu entdecken gäbe es da in der Tat noch zahlreiche Bücher. Vor ein paar Jahren wenigstens hat Deuticke einige seiner Hauptwerke veröffentlicht.

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