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Ruedi Bienz zum Umbau der Geschäftsleitung im Schwabe Verlag

Mit der Ankündigung im Neujahrsschreiben, die Geschäftsführung im Schwabe Verlag umzubauen, hat Alleinaktionär Ruedi Bienz viele überrascht – und gleichzeitig viele Fragen offen gelassen. Im Gespräch mit buchmarkt.de erläutert Bienz Näheres.

buchmarkt.de: Die Personalmeldung aus Ihrem Hause klingt, als ob Sie den ganzen Verlag umgekrempelt haben.

Ruedi Bienz

Ruedi Bienz: Ich habe das für nicht so spektakulär gehalten. Aber offenbar sind Irritationen entstanden. Man billigt einem Unternehmen heute scheinbar auch nicht mehr unvoreingenommen zu, die Zukunft aktiv, positiv gestalten zu wollen, sondern sucht zuerst in jeder Mitteilung nach etwaigen Problemen und Negativpunkten.

Das ausgiebige Lob an David Hoffmann nährt allerdings Spekulationen, als ob er nur noch für eine Übergangszeit amtieren soll.

Das ist überhaupt nicht der Fall. Das Lob ist aufrichtig gemeint und der zweite Teil des Satzes, die Freude und der Dank für das Engagement in der neuen Verlagsleitung, werden einfach ausgeblendet. Wir sind stark gewachsen in den letzten Jahren und hatten bisher keine klar definierten internen Strukturen, die der neuen Grösse und den neuen Anforderungen entsprachen. David Hoffmann hat gute Arbeit geleistet. Die Anforderungen durch eine zunehmende Programmausdifferenzierung, neue Publikationsformen, neue Arbeitsabläufe und neue Marktstrukturen werden immer größer, so dass man sie auf mehrere Schultern verteilen muss. Ich möchte den Verlag mit einem Leitungsteam in die Zukunft führen, das aus Menschen besteht, die alle schon lange in unserem Hause tätig sind, die sich Verdienste erworben haben und die sich gegenseitig kennen und schätzen.

Gibt es denn eine Notlage für einen derartig dramatischen Schritt?

Es gibt überhaupt keine akute Notlage. Wir werden 2011 mit einem klaren Gewinn abschließen. Und wenn spekuliert wird, wir würden die Druckerei mit eigenen Aufträgen am Leben erhalten, dann kann ich nur sagen, dass wir, auch wenn man höchstmögliche Verrechnungspreise ansetzt, weniger als 20 Prozent Umsatz in der Druckerei mit Aufträgen aus dem Schwabe-Verlag generieren. Es geht jetzt darum, uns für die Zukunft aufzustellen, solange wir so viel Handlungsfreiheit haben. Wir investieren 2012 auch aus eigenen Mitteln. So haben wir ein Redaktionssystem gekauft, das uns modernere und effizientere Produktionsmöglichkeiten für unsere Verlagswerke bietet. Die Buchhandlung „Das Narrenschiff“, die wegen Neubauprojekten den Schmiedenhof verlassen muss, schliessen wir nicht. Sie zieht näher zu unserem Verlagsdomizil in Basel und wird im Frühjahr grösser und attraktiver als heute neu eröffnet.

Wie soll denn die Führung strukturiert sein? Wird es einen Hauptverantwortlichen geben?

Nein, einen Hauptverantwortlichen wird es auch in der Verlagsleitung nicht geben. Jeder ist für seine Bereiche verantwortlich. Ich werde mich aus den Programm-Fragen weiterhin heraushalten, das ist nicht meine Kernkompetenz. Erfahrung mit diesem Führungsmodell haben wir seit Jahren in der Geschäftsleitung von Schwabe gesammelt. Jeder Bereich des Unternehmens (Verlag, Druckerei, Informatik, Gesamtmarketing, Finanzen) ist in dieser Geschäftsleitung mit einer Bereichsleiterin, einem Bereichsleiter vertreten. Wir führen die Schwabe AG mit einem Team von Menschen, die sich für das Unternehmen und für die Sache engagieren. Diskussionen werden geführt, anstehende Entscheide diskutiert, gefällt und gemeinsam getragen.

Wie lautet denn die Bereichsverteilung in der Verlagsleitung?
Wie gesagt, jeder soll in jedem Gebiet seine Meinung äußern. In einer guten Gruppe diskutierte Entscheide sind größtenteils bessere Entscheide als die einsam und allein gefällten. Trotzdem wird es Zuständigkeiten geben, so wird Dr. David Hoffmann programmlich für Philologie, Musikwissenschaften und die Reihe „schwabe reflexe“ zuständig sein. Lic. phil. Marianne Wackernagel für Geschichte und Kunstgeschichte, Prof. Wolfgang Rother für Philosophie und Wissenschaftsgeschichte, Anne Fischer für Marketing und Vertrieb sowie ich für die Finanzen.

Muss sich David Hoffmann jetzt nicht beschnitten vorkommen?

Wir haben viel miteinander besprochen und mir ist klar, dass dieser Entscheid David Hoffmann nicht nur Freude bereitet. Aber nach allen Diskussionen glaube ich, dass er mit viel Freude und Begeisterung im neuen Team dabei sein wird und an die neuen Aufgaben herangehen wird. Wir werden in einigen Wochen auch in eine Klausur gehen, um die vielen Detailfragen zusammen zu regeln und die Aufgaben konkret zu verteilen.

Welche Zukunft sehen Sie für den Schwabe Verlag?

Wir sind gut aufgestellt. Wir müssen im Umgang mit den elektronischen Medien unsere Strategie klar formulieren. Unsere Stärke sind die Inhalte. Wir wollen und müssen Inhalte in bestmöglicher Qualität, dafür steht unser gut ausgebautes akademisches Lektorat, in allen Formen greifbar haben, egal wie sie abgerufen werden. Dazu braucht es Geschäftsmodelle, die der Sorgfalt, die wir für die Veröffentlichung der Texte aufwenden, gerecht werden. Wir haben nun in der Verlagsleitung Ressourcen geschaffen, diese auf breiter Ebene zu entwickeln.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

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