Ein erstaunlicher Erfolg auf der didacta in Hannover war der Fachtag „KinderSprachen stärken in mehrsprachigen Krippen, Kitas und Schulen“, organisiert vom Verein Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen e.V.“ (fmks). Stephan Trudewind berichtet:
Mit mehr als 400 Anmeldungen für dieses Fortbildungsangebot bei einem Kostenbeitrag von 39,00 EUR hatte keiner gerechnet und so zieht Dr. Annette Lommel, die Vorsitzende des Vereins fmks auch eine positive Bilanz: „Dieser Tag ist ausgezeichnet gelungen und bleibt hoffentlich vielen in guter Erinnerung.“ Die didacta hatte mit diesem Fachtag einen Trend erkannt und unterstützt. Bildungsnotstand hier und dort, Leseförderung allerorten, frühe Fremdsprachenkenntnisse gewünscht, Immersion – wie umgesetzt?, Literacy und Integration von Migranten lauten die Schlagworte, die von Bildungsforschern und Politikern bemüht werden. Auf dem letzten Integrationsgipfel Ende Januar wurde Thüringens Ministerpräsidentin Christine Liebknecht mit den Worten zitiert, dass Mehrsprachigkeit auch eine Chance sei und eine Aufgabe, der sich die Gesellschaft annehmen müsse.
Während des tagesfüllenden Programms wurde jedoch auch offensichtlich, dass die Nachfrage von Pädagogen nach mehrsprachigen Materialien bisher nur ungenügend befriedigt wird. Teilnehmer des Fachtags beklagten vehement, dass es zu dem Thema nichts gibt oder dass endlos recherchiert werden muss, um Entsprechendes zu finden. Um so größer dass Erstaunen, wieviel Material zu dem Thema inzwischen vorliegt: Von wissenschaftlichen Erhebungen über pädagogische Ratgeber bis hin zu mehrsprachigen Kinderbüchern und Spielen – auch wer nicht nur englisch-deutsche Materialien sucht, wird fündig! So waren von den Teilnehmern eines Messerundgangs viele „Ohs“ und „Ahs“ und „Danach-habe-ich-schon-lange-gesucht“ zu hören. Außerdem: „Im Buchhandel kann man diese Bücher ja nirgendwo ansehen!“ Denn im Rahmen dieses Fachtags hatte das Netzwerk Mehrsprachigkeit einen Messerundgang als 90-minütigen Workshop organisiert. Fazit von Patricia Hahne-Wolter, der 1. Vorsitzenden: „Erst bei dieser Veranstaltung wurde mir endgültig klar, dass Anbieter und Kunden nicht recht zueinander finden. Eine substantielle Nachfrage ist da, aber offensichtlich nicht groß genug, als dass Buchhändler ein entsprechendes Sortiment vorrätig halten können.“
Der noch junge Verein Netzwerk Mehrsprachigkeit hat dieses Thema aufgegriffen, so mancher Verlag und manche Buchhandlung zählt bereits zu seinen Mitgliedern. Patricia Hahne-Wolter in einem nachdrücklichen Plädoyer: „Die Buchbranche ist gefordert, darauf zu reagieren, es ist an der Zeit, nach neuen Modellen der Kooperation zu suchen. Von einer Wanne Mehrsprachigkeit über einen Bücherbus, von Aktionstagen bis hin zu ausleihbaren Bücherkisten kann ich mir alles vorstellen.“ Sie ruft interessiere Buchhändler dazu auf, sich zu melden, um gemeinsam nach geeigneten Modellen zu suchen. „Auf Seiten des Vereins steht bereits eine kleine Aktionstruppe bereit, um mit temporären Aktionen dieses Thema aufzugreifen. Wir sehen eine Zusammenarbeit mit Buchhändlern als große Bereicherung!“ Vielleicht ein kleines Thema, aber bestimmt ein Thema, mit dem der Buchhandel seine Beratungskompetenz darstellen kann.
Kontaktaufnahme mit dem Netzwerk Mehrsprachigkeit: info@verein-mehrsprachigkeit.de oder 02238/474826