Der ein oder andere deutsche Aussteller war noch ganz schön müde von der Leipziger Buchmesse – doch bei schönem Wetter sowie ruhiger und konzentrierter Arbeitsatmosphäre war die Fachbesucher-Messe in Bologna erneut ein Highlight im Arbeitsalltag der Kinder- und Jugendbuchszene. Von Montag bis Donnerstag präsentierten rund 1.200 Aussteller aus 66 Ländern ihre Programme.
Der Bilderbuch-Frühling kann kommen
Wie immer das Entrée der Bologna-Messe: Die Illustratoren-Ausstellung, die 360 Bilder von 72 Illustratoren aus 20 Ländern zeigte. Einige Experten, die wir trafen, waren mit der Jury-Auswahl in diesem Jahr recht unzufrieden. Die Bilder hingen in Kopie noch mal im Zentrum, im Palazzo D’Accursio, in dem im vergangenen Jahr die schöne Ausstellung mit Nikolaus Heidelbachs Originalen zu sehen gewesen war … Und natürlich kann man im „Illustrators annual 2012“ nachsehen, was in Bologna hing. Interessant: Von den sechs Illustratorinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ausgewählt wurden, stammen vier von der HAW in Hamburg: Louise Heymans, Elsa Klever, Barbara Lüdde und Katie Oberwelland. Außerdem sind vertreten: Anja Rieger aus Berlin mit Gesticktem, Katrin Stangl aus Köln, Evelyne Laube & Nina Wehrle aus der Schweiz, Kathrin Osinger aus Österreich sowie Kristina Brassler aus Würzburg, der wir später mit den Künstlerinnen des Atelier Flora noch begegnen werden.

Sehr schön die Präsentation von Ehrengast Portugal: „Como as Cerejas“ (Wie Kirschen) zeigte die Bilder von 25 Künstlern in Koffern auf Gestellen. Die Kofferanhänger waren mit dem jeweiligen Namen des Künstlers versehen – ein witziges Ausstellungs-Konzept, das auch auf der Illustrarte 2009 in Lissabon eingesetzt wurde. Zahlreiche Veranstaltungen mit den Portugiesen boten interessante Einblicke, genannt sei stellvertretend Alfonso Cruz, der über 40 Titel veröffentlicht hat und über „A contradição humana“ (Caminho) sprach. Wer die portugiesischen Aktivitäten nacherleben möchte, schaut unter www.portugalbologna2012.com nach. 2013 wird Schweden Ehrengast in Bologna sein.
Was erwartet die Leser in den deutschsprachigen Bilderbuch-Programmen des Herbstes? Zum Beispiel ein neuer „Regenbogenfisch“ von Markus Pfister bei NordSüd. Der neue Verlagsleiter Herwig Bitsche ist außerdem stoltz auf das minimalistisch-witzige Buch des Amerikaners Jon Klassen, „Ich will meinen Hut“. Auf italienisch haben wir es in der Bologneser Kinderbuchhandlung Stoppani entdeckt, dort hat es ein eigenes kleines Schaufenster bekommen. Einen Youtube-Film für den Vorgeschmack gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=TYYQW_uCdzM.
Petra Albers, Leiterin von Beltz & Gelberg, freut sich über den Zukauf von Bajazzo. Die bisherigen Leiter des Schweizer Verlags, Ingrid Rösli und Thomas Minssen, sind in diesem Jahr nicht nach Bologna gefahren. Der Name Bajazzo wird nun nach und nach verschwinden, Neuauflagen werden auf Beltz & Gelberg umgelabelt. Einzelne Projekte, die bereits in Vorbereitung waren, sollen in kommenden Programmen gleich unter dem Namen der Weinheimer erscheinen.
Zum Beispiel Martin Baltscheits „Die Geschichte vom Löwen, der nicht bis Drei zählen konnte“, die gut zehn Jahre nach Erscheinen des Bajazzo-Titels „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ herauskommt. Die Bajazzo-Bücher würden einfach gut zu Beltz & Gelberg passen, meint Barbara Gelberg, Programmleiterin Literatur. Es gibt aber auch einen neuen Axel Scheffler – der Illustrator war wieder nach Bologna angereist –, er hat den „Superwurm“ nach einem Text von Julia Donaldson ins Bild gesetzt.
Autoren und Illustratoren, die wir treffen, bedauern das Verschwinden des Namens Bajazzo. Verunsicherung herrscht außerdem über die Zukunft des Aufbau-Bilderbuchprogramms. Gespannt sind alle auf das Auftauchen von Aladin, dem neuen Verlag von Klaus Humann [mehr…]. Ab Frühjahr 2013 sollen jährlich 40 Titel erscheinen, etwa hälftig Bilder- und Kinderbücher. Mit Peter Sís hat man einen hochdotierten Künstler im ersten Programm, der eben erst mit dem Hans Christian Andersen-Preis ausgezeichnet wurde [mehr…]. „Eher schräg“ solle das Aladin-Bilderbuch werden, das von Nina Horn lektoriert wird, kündigt Humann an.
Oetinger bringt das zweite Bilderbuch von Dirk Steinhöfel, „Jakob und der große Wagen“, diesmal für Kinder ab fünf Jahren und 80 Seiten stark. Boje-Programmleiterin Paula Peretti hat noch mehr Seiten zu bieten: Die „Unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“ ist ausgedacht, erzählt und gezeichnet von dem Dänen Jakob Martin Strid. „Es ist sein erstes Bilderbuch auf Deutsch, und auch gleich rekordverdächtig, denn mit fast 100 Seiten ist es das dickste Bilderbuch der Saison über die größte Birne aller Zeiten“, so Paula Peretti.
Einen Promi hat Eva Kutter, Programmleiterin der Fischer Schatzinsel eingekauft: Im Herbst kommt ein Bilderbuch von Rangar Yogeshwar mit Bildern von Nina Dulleck über zwei Hunde in einem indischen Tempel. Der Ravensburger Buchverlag bringt Ali Mitgutschs „Hexe und die sieben Fexe“ neu, Programmgeschäftsführerin Ulrike Metzger weiß, dass noch mehr Schätze im Archiv ruhen, die wiederbelebt werden sollten und möchte dem Bilderbuch bei Ravensburger wieder mehr Profil geben, auch mit besonderen neuen Büchern.
Ulla Behrendt-Roden ist zufrieden mit der Entwicklung des Kinder- und Jugendbuchs beim Bibliographischen Institut. Sauerländer sei die ideale Ergänzung zu Meyers und Duden, und Sauerländer-Programmleiterin Almut Werner kündigt u.a. eine neue Folge des Bilderbuch-Erfolgs „Lieselotte“ an. Diesmal wird Alexander Steffensmeiers Kuh Verstecken spielen.
Lena Frenzel, mixtvision-Programmleiterin, fiebert den Erzählbildern von Einar Turkowski entgegen – vier seien schon fertig, der Künstler schafft seine unglaublichen Bilderwelten ausschließlich mit Bleistift. Nach Eva Muggenthalers Buch „Als die Fische spazieren gingen“ soll eine „Erzählbilder-Reihe“ beim Münchner Verlag entstehen.
Bei minedition wird es einen neuen Jonas Lauströer geben, „Reinecke Fuchs“, und ein Buch von Sonja Danowski. Ihre Bilder hatten wir im vergangenen Jahr in der Illustratoren-Ausstellung bewundert. Nun erscheinen sie im Zusammenspiel mit gereimten Texten der Künstlerin und stellen auf jeder Doppelseite ganz besondere Personen vor. Sonja Danowski ist auch in diesem Jahr von Berlin nach Bologna gereist und konnte bereits einen Dummie von „The Beginning“ in den Händen halten. Nach einem Text von Paula Carballeira hat sie eindrucksvoll eine Nachkriegsgeschichte für den spanischen Verlag kalandraka illustriert. Möge der Titel ein gutes Omen für den Beginn einer hoffentlich schönen Karriere sein. Außerdem bei minedition: Die Japanerin Ayano Imai hat Aesops Fabeln ins Bild gesetzt. Einige der hinreißenden Originale hängen – genau – in der diesjährigen Illustratoren-Ausstellung.
Cornelia Hjladej, Leiterin des Programms Nilpferd in Residenz, kann schon Bilder von Jens Rassmus zur Geschichte von Christine Nöstlinger zeigen: „Guter Drache und böser Drache“. Übrigens wie so viele in diesem Jahr auf dem iPad. Ob auf der Bologna-Messe tatsächlich mehr von diesen Geräten im Umlauf waren als auf einer Elektronik-Messe, wie ein Kollege schätzte, sei dahin gestellt. Und dass täglich mehr iPhones verkauft als Kinder geboren würden (378.000 zu 371.000), wie Ulrich Störiko-Blume in seiner Ansprache beim Empfang der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen erklärte, ist eine dieser Statistiken, die sich ebenfalls schwer überprüfen lassen, aber eifrig getwittert werden.
Zurück zu Cornelia Hjladej: Sie arbeitet neben weiteren bemerkenswerten Titeln (Marjaleena Lembcke/Andrea Steffen: „Der Löwenanteil“ und Melanie Laibl/Ina Hattenhauer: „Carlotta und der Muskelmann“) an einem Projekt, das zum Grazer Lesefest bookolino als Heft erscheinen soll: Heinz Janisch – auch er in Bologna präsent – hat das Gedicht „Das Boot“ geschrieben, es wird in verschiedene Sprachen übersetzt und von elf Illustratoren interpretiert.

Wir treffen Judith Drews, die mit ihren Kolleginnen vom Berliner Atelier Flora nach Bologna gekommen ist. Gemeinsam haben sie „Alles Farbe“ bei Beltz & Gelberg gemacht, das hier als Lizenz angeboten wird. Bei Gerstenberg wird eine Pappe von Judith Drews mit Text von Kai Lüftner erscheinen, „Die weltbeste Lilli“. Kollegin Cally Stronk bietet Bilderbuch-Texte an und trifft Kolleginnen von Tulipan wieder, wo sie mal ein Praktikum gemacht hat.
Gerstenberg-Verlagsleiterin Daniela Filthaut freut sich, dass Eric Carle doch noch ein Bilderbuch gemacht hat, obwohl er eigentlich nicht mehr wollte. Aber ein Buch über Franz Marc, das ihm jemand geschenkt hat, inspirierte ihn zu „Der Künstler und das blaue Pferd“. Auch ein Titel von Werner Holzwarth wird bei Gerstenberg erscheinen, aber dazu später mehr.
„Planet Willi“ von Birte Müller ist ein Titel, auf den wir sehr gespannt sind. Erscheinen wird er im Programm von Klett Kinderbuch. Birte Müller hat bereits für die Zeitschrift „a tempo“ Kolumnen über ihren Sohn Willi geschrieben, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam. Nun ist ein Buch entstanden, das laut Klett Kinderbuch-Leiterin Monika Osberghaus „kein Behinderten-Buch“ sei, wie man sie so oft finde: „Das behinderte Kind ist erst ein Außenseiter, dann tut es etwas, das ganz toll ist und den anderen hilft, und plötzlich ist es integriert …“ Bei „Planet Willi“ gehe es vielmehr um den Menschen Willi.

Eva Muszynski, Karsten Teich und
Sonja Danowski
Ein Titel aus den Niederlanden, um den sich wohl einige Verlage bemüht haben, kommt als Spitzentitel bei Ellermann: „Das Mäusehaus. Sam & Julia“ von Karina Schaapman. Es besteht aus Fotos von einem drei Meter hohen, zwei Meter breiten und einem Meter tiefen „Mäusehaus“ mit über 100 Zimmern in Miniaturformat – und alles (z.B. jedes Mini-Mini-Buch im Regal) hat die Autorin selbst gebastelt. In den Niederlanden hat sich das Buch innerhalb kurzer Zeit 65.000 Mal verkauft, einen kleinen Einblick gibt vorab schon mal der Mäusehaus-Blog der Künstlerin: http://the-mouse-mansion.blogspot.de/.
Einblicke in die Entstehung von Bilderbüchern gab übrigens eine schöne Ausstellung im Zentrum der Stadt, in der Sala Borsa. „Ad occhi aperti. Leggere l’alabo illustrado” erklärt, wie Künstler an ihren Werken arbeiten, mit Beispielen u.a. von Rotraut Susanne Berner und Suzie Lee. Die in den Vitrinen ausgestellten Bernerschen Storyboards zu ihren Gerstenberg-Wimmelbüchern zum Beispiel führen dem Betrachter sehr eindrucksvoll die Komplexität ihres Werks vor Augen.
In der Kinderbuchhandlung Stoppani auf der Rückseite der Piazza Maggiore waren in diesem Jahr zumindest gefühlt etwas weniger Titel als sonst vorrätig. Vielleicht lag es am Zelt der Buchhandlung Feltrinelli, das wenige Meter daneben aufgebaut worden war und auf 400 Quadratmetern nach eigenen Angaben 2.500 neue Titel aus aller Welt präsentierte. Der Stoppani-Charme allerdings lässt sich schwerlich übertreffen. Und so haben wir uns erstmal dort die diesjährigen Gewinner des Bologna-Ragazzi-Awards angesehen und weitere Entdeckungen gemacht.
In der Kategorie Fiction gewann François Place mit „Le Secret d’Orbae“ (Editions Casterman), den Non-Fiction-Preis bekamen Anna Czerwinska und Marta Ignerska für „Wszystko Gra“ (Wytwórnia), in der Kategorie New Horizons wurden José Manuel Mateo und Javier Martínes Pedro für „Migrar“ (Ediciones Tecolote) ausgezeichnet und der Preis für das Erstlingswerk ging an Nadine R.L. Touma und Lara Assouad Khoury für „Tabati“ (Dar Onboz).
Uns gefallen von der Empfehlungsliste „Saltimbanques“ (Editions Thierry Magnier) von Marie Desplechin und Emmanuelle Houdart – genau, das ist die Illustratorin von „Die Monster sind krank“ bei Gerstenberg – sowie „Waterlife“ von Rambharos Jha aus dem schon mehrfach gekrönten indischen Verlag Tara Books. Außerdem finden wir in der Buchhandlung Stoppani das beeindruckende „raccontare gli alberi“ (Rizzoli) von Pia Valentinis und Mauro Evangelista], das großformatig Bäume zeigt, mit erklärenden Texten und Gedichten.
In all dem Messe-Trubel haben wir übrigens einige Illustratoren gebeten, in einem Leporello zusammen Figuren zu malen, ohne dass sie wussten, was jeweils ihr Vorgänger gezeichnet hatte. Danke an alle, die mitgemacht haben!
Das Revival des Kinderbuchs
Sie scheint vorbei, die vermeintliche Krise des Kinderbuchs, die vor einer Weile in den deutschsprachigen Verlagen konstatiert worden war. Im Schatten von Jugendbuch/All Age-Bestsellern war die Sparte an vielen Stellen zu kurz gekommen; in Verlagen, Buchhandlungen oder aber in den Medien.
Nun sieht man wieder optimistischer in die Zukunft, auch die Nominierungsliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis wurde so friedlich wie selten aufgenommen. Obwohl: Bei der Bekanntgabe der Kritiker-Nominierungen in der Kategorie Kinderbuch regten sich in Leipzig die Mitglieder der Jugendjury auf. Sie hatten „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (cbj) von Patrick Ness und Jim Kay ebenfalls nominiert – und es war für sie schwer zu verstehen, dass es als Kinderbuch gesehen werden kann.

Vitali Konstantinov und Kristina Andres
Was aber bringt der Herbst? Thienemann feiert das 50-jährige Jubiläum von Otfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz“, indem alle drei Bücher in etwas größerem Format mit neuen, kolorierten Illustrationen von Mathias Weber erscheinen. Das sei, als ob man in den Räumen das Licht angeknipst habe, meint Verleger Klaus Willberg. Bei Planet Girl setzt man auf eine neue Reihe für Leserinnen ab neun Jahren: Die „Zaubermädchen“ werden von mehreren Autorinnen geschrieben und sind auf dem Cover mit Blistern ausgestattet, in denen es ein Armband bzw. die zugehörigen Sammelanhänger gibt.
Ravensburger bringt Nina Blazons Geschichte „Der Drache aus dem blauen Ei“ mit Bildern von Dorota Wünsch sowie Kathi Appelts „Mädchen und das Meer“ mit Illustrationen von Henriette Sauvant. Bei Lappan freut sich Programmleiterin Constanze Breckoff auf ein neues Hausbuch mit Narren- und Schelmengeschichten, bebildert von Gerhard Glück.
Verkaufsstark dürfte ein neuer Band aus der Feder von „Yoda“- und „Darth Paper“-Autor Tom Angleberger bei Baumhaus werden, und wir sind gespannt auf das Marketing der in diesem Jahr fünffach mit dem BuchMarkt-AWARD ausgezeichneten Ricarda Witte-Masuhr und Mathias Siebel [mehr…].
Egmont Balloon freut sich über gute Einverkäufe des ersten Programms, vor allem die Character „Hello Kitty“ und „Der kleine Prinz“ laufen gut, meint Egmont-Verlagsleiter Volker Busch. Bei Schneiderbuch sei man besonders zufrieden mit den Verkaufszahlen der Comic-Romane – und arbeite bereits intensiv an den Vorbereitungen für das 100-jährige Jubiläum der Verlagsmarke.
Alle freuen sich mit dem diesjährigen ALMA-Preisträger Guus Kuijer [mehr…], nur schade, dass er wohl angekündigt hat, keine weiteren Bücher mehr zu schreiben. Auf Deutsch sind seine Geschichten bei Oetinger erschienen, wer sie bislang verpasst hat, dem seien sie dringend ans Herz gelegt.
Skurriles gibt es bei Gerstenberg: Frida Nilssons neues Buch „Die maskierte Makrone“ mit Bildern von Ulf K. sei „völlig durchgeknallt“, jubelt Daniela Filthaut. Der Titel ließ es fast vermuten. Und Carlsen verschickt im Mai das Lese-Exemplar von Emily Jenkins’ „Der unsichtbare Wink“. Dabei geht es nicht um geheime Handzeichen, sondern um einen unsichtbaren kleinen Kerl, der auf der Suche nach Kürbis in der Eisdiele von Hanks Familie gelandet ist, die „Der große runde Kürbis“ heißt.
Fischer Schatzinsel-Lektorin Helga Preugschat freut sich über ihre eben erschienenen, aus dem Lettischen übersetzten „Wilden Piroggenpiraten“ von Maris Putnins, auch ziemlich schräg. In Frankfurt seien ihr andauernd Kinderbücher zum Thema Demenz angeboten worden, erzählt sie, das sei in Bologna nicht mehr so.
Dressler kündigt das erste Kinderbuch von Michael Kleeberg an: „Luca Puck und der Herr der Ratten“. Die elfjährige Luca entdeckt eines Tages, dass ihr Kater Scottie sprechen kann und gerät Hals über Kopf in ein außergewöhnliches Abenteuer. Das Setting, das der Schriftsteller gewählt hat, der auch aus dem Französischen übersetzt: Paris, ein großer Friedhof. Ebenfalls bei Dressler: ein neuer Salah Naoura: „Dilip und der Urknall und was danach bei uns geschah“. Der neunjährige Anton erzählt, wie sein Bruder Dilip, ein Adoptivjunge aus Indien, in die Familie kam und was danach geschah.
Bei Beltz & Gelberg erscheint Tanja Leskes „Meine Oma und ich und der beste Ort der Welt“ mit Bildern von Daniel Napp, in dem es um einen Miethai geht und die Tatsache, dass die Oma nicht lesen kann. Außerdem ist Barbara Gelberg froh über einen neuen Streich mit der Frankfurter Ateliergemeinschaft Labor. Dort arbeitet man an einem „Kinder Künstler Freunde Buch“, in dem sich Schul- und andere Freunde auf eine etwas andere Art verewigen können.
Und es wird poetisch. Wir treffen Autor, Agent und Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn, der sich nicht nur über die erneute DJLP-Nominierung „seines“ Autors Kevin Brooks freut, dessen „iBoy“ er wieder für dtv übersetzt hat. Sondern auch über seinen eigenen Gedichtband „Unsinn lässt grüßen“ mit Radierungen von Erhard Dietl. Bloomsbury Kinder- und Jugendbücher-Leiterin Natalie Tornai wiederum schwärmt von einem Poesie-Band, der von Edward van de Vendel herausgegeben und von Carll Cneut illustriert ist. In den Niederlanden bereits erschienen, wird er für den deutschen Markt neu erfunden – mit vielen neuen Gedichten von deutschsprachigen Autoren. Das wird sicher wunderschön.
Ebenso eine Anthologie, die Renate Raecke bei Boje herausgibt und die von Stefanie Harjes illustriert wird: „Von Meerjungfrauen, Kapitänen und fliegenden Fischen“ mit Geschichten und Gedichten rund ums Wasser.
Das Kinderbuch bleibt also spannend. Und attraktiv. Wir werden sehen, was Aladin draus macht. Und wie man hört, möchte auch Esslinger mit sechs Titeln ins erzählende Kinderbuch einsteigen.
Jugendbuch: Die Fantasy kommt wieder oder war nie weg
Eine sichere Bank dürfte der zweite „Reckless“-Band von Cornelia Funke bei Dressler werden: „Reckless – Lebendige Schatten“. Carlsens Spitzentitel wird das Debut der jungen

Carll Cneut und Ingrid Godon
amerikanischen Autorin Leigh Bardugo: „Grischa – Goldene Flammen“ ist Auftakt einer Trilogie, in deren Zentrum Alina steht, Kartografin in der Ersten Armee des Zaren, die nach einem unbegreiflichen Zwischenfall in die Lehre zu Grischa geschickt wird. Klingt nach einer Mischung aus „Die Beschenkte“ von Kristin Cashore und „Doktor Schiwago“ – und nach guten Chancen im Verkauf.
Loewe setzt auf Marie Lus „Legend“, script5 auf den letzten Band von Maggie Stiefvaters Werwolf-Trilogie, „In deinen Augen“ sowie auf einen Einzeltitel der jungen Amerikanerin, „Rot wie das Meer“.
Und arsEdition startet die Mädchenreihe „Magic Diaries“ von Marliese Arold, ein Spin-off der Magic Girls-Reihe, von der bereits über 480.000 Exemplare verkauft wurden. Während sich die Magic Girls an Leserinnen ab zehn Jahren wendet, zielen die Magic Diaries auf die Zielgruppe ab 14. Band 1 heißt „Geheime Kräfte“, Band 2 „Victorias Geheimnis“. Außerdem bei arsEdition: Der neue Fantasyroman für Jugendliche von Frances G. Hill alias Susanne Gerdom, „Drachenhaut“, der neue Fantasyroman von Gerd Ruebenstrunk, „Der letzte Zauberlehrling“ sowie „Syrenka. Fluch der Tiefe“ von Elizabeth Fama mit dem Thema Meerjungfrauen/Sirenen.
Ob die Fantasy bzw. Romantasy nun auf ihrem Höhepunkt sei oder schon wieder ihr Revival erlebt – das sehen die Programmleiter durchaus unterschiedlich. Was aber eigentlich auch egal ist. Das Resultat lautet schlicht: Ohne geht es nicht.
Aber anders auch: Ravensburger bringt einen neuen Morton Rhue, „Über uns Stille“, Dressler eine neue Grit Poppe: „Abgehauen“ setzt dort an, wo „Weggesperrt“ aufgehört hatte – es ist die Geschichte von Gonzo, für die nach ihrer Dunkelhaft in der Einzelzelle im Jugendwerkhof Torgau feststeht, dass sie so etwas nicht noch einmal durchhalten würde und dass sie sich nie wieder einsperren lassen will.
Und Hanser verspricht einen großartigen neuen John Green, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. „Krebsbücher sind doof“, sagt Hazel, eine der beiden Hauptfiguren, zu Beginn. Doch dieser Roman sei kein doofes Krebsbuch, so Verlagsleiter Ulrich Störiko-Blume]. „Es ist eine zu Herzen gehende Komödie, ein verführerischer Liebesroman und eine intensive Reflexion über die großen Fragen des Lebens und Sterbens.“ Die Begeisterung in den USA sei bereits überwältigend.
Außerdem eindeutig im Trend: Thriller. Da darf man gespannt sein auf einen neuen Zoran Drvenkar. Bei cbj erscheint „Der letzte Engel“, in dem es um einen 16-jährigen Jungen geht, der eine E-Mail erhält, in der sinngemäß steht: Sorry für die schlechte Nachricht, aber wenn du aufwachst, bist du tot. Und so ist es dann auch. Er wacht auf, sein Herz schlägt nicht mehr, von den Menschen wird er bis auf einen Freund nicht mehr gesehen, und es wachsen ihm riesige Engelsflügel.
Seht hin: Sachbücher
Lässt sich beim Bilder- wie beim Kinderbuch eine erfolgreiche Wiederbelebung erkennen, scheint die Mehrheit der Programm-Macher das Jugendsachbuch inzwischen aufgegeben zu haben. Für die Zielgruppe 12+ wirkt das Genre so gut wie erledigt, zumindest was das Angebot angeht. Sollte dort also in absehbarer Zeit doch noch mal jemand einen Verkaufserfolg landen, wäre ihm die ungläubige Bewunderung der Kollegen sicher. Und vielleicht wäre es die einzige Möglichkeit, das Genre zu retten, denn dann würden alle wieder einsteigen.

Was das Kindersachbuch angeht, gibt es nach wie vor Erfreuliches zu beobachten. Dorling Kindersley-Programmleiterin Monika Schlitzer fühlt sich auch durch die erste DJLP-Nominierung für den Verlag bestätigt. Für die „Filmwerkstatt“ hatte sie sich ganz besonders eingesetzt. Im Herbst erscheinen u.a. ein neues Sportlexikon, ein Titel über die digitale Welt sowie „Mein Kunstbuch Tiere“, das schöne Anregungen zum Selbermachen aus bekannten Kunstwerken mit Tiermotiven ableitet.
Gabriel bringt einen Folgeband von Oscar Brenifiers und Jacques Desprès’ nominiertem „Was, wenn es nur so aussieht, als wäre ich da?“ und Bloomsbury-Lektor Malte Ritter betreut ein neues Buch von Reinhard Osteroth, der mit „Holz. Was unsere Welt zusammenhält“ ebenfalls nominiert ist. Das neue Buch zu einem anderen Material wird aber noch etwas brauchen.
Anke M. Leitzgen und Lisa Rienermann wiederum machen nach „Entdecke deine Stadt“ und dem nominierten „Erforsche deine Welt“ gerade das neue Werk „Entdecke wie was schmeckt“ für Beltz & Gelberg fertig. Ebenfalls das Thema Essen nehmen sich Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl derzeit für den Klett Kinderbuchverlag vor, in Manier ihres DJLP-Gewinnertitels „Alles Familie“.
Gerstenberg-Lizenzfrau Ulrike Bastong freute sich in Bologna über die gute Resonanz auf Annika Siems’ „Meister der Tarnung“, ein großformatiges illustriertes Sachbilderbuch, in dem sich gar die Schrift zuweilen tarnt. Vor der Messe habe sie pdfs an ihre potenziellen Kunden verschickt, erzählt Ulrike Bastong, aber als sie Probe-Andrucke aus der Tasche gezogen habe, sei der Effekt ein ungleich größerer gewesen. So ein iPad kann eben nicht alles, auch nicht im Sachbuch.
Und sonst so?
Wie wichtig das Kinderbuch ist, zeigte auch die starke Präsenz der Frankfurter Buchmesse in Bologna. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen waren angereist, nicht nur, um den Deutschen Gemeinschaftstand in Zusammenarbeit mit der avj zu betreuen, unter der Verantwortung von Imke Buhre. Alle gemeinsam waren im direkten Austausch mit Fachbesuchern und Ausstellern auf der Suche nach neuen Ideen. So soll es in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse einen Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuch geben. Und Bärbel Becker, Leiterin der Abteilung Internationale Projekte, hat das Konzept des Auslands-Abos für deutsche Verlage weiter verfeinert. U.a. gibt es jetzt einen Flyer, in dem Interessenten alle Lizenz-Ansprechpartner finden, die ihre Bücher mit auf die Reise geben, um sie an den Deutschen Gemeinschaftsständen im Ausland zu präsentieren. Carolin Vogel wiederum, die sich bei den Frankfurtern um Creative Industries kümmert und am Sonntag vor Messebeginn den TOC-Kongress besuchte, staunte, was in Amerika bereits alles an Apps für die Kleinsten entwickelt wird, während ihre beiden kleinen Kinder noch in echten Büchern blättern.
Apps: Wie Sie sehen, haben wir kaum ein Wort über dieses Thema verloren – wir haben einfach nicht so viele gesehen. Aber Umesh Shukla von Auryn Inc. haben wir getroffen, bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet und voller Ideen. Wir kommen auf das Thema zurück.
Ganz traditionell hingegen: In diesem Herbst können Buchhändler schöne Tische mit neuen Liederbüchern gestalten. Und natürlich Longseller sowie CDs dazupacken. Selda M. Soganci illustriert Weihnachtslieder für Insel, Gerda Anger-Schmidt und Renate Habinger arbeiten an „Fiderallalallala“ für Nilpferd in Residenz, es gibt ein Frederik Vahle-Liederbuch bei Sauerländer, noch frisch ist Bloomsburys „Herzlichen Glückwunsch, kleines Huhn!“ von Franziska Biermann, Nils Kacirek und Susanne Koppe, und Almud Kunert illustriert für Carlsen „Lasset uns singen, tanzen und springen“.
Und wir sehen den Erdmännchen-Trend bestätigt, jippieh. Loewe-Presse- und Lizenzchefin Jeanette Hammerschmidt verspricht Erdmännchen-Kinderbücher, und bei Gerstenberg treffen wir Stefanie Jeschke, die Werner Holzwarths Text „Ich wär so gern … dachte das Erdmännchen“ illustriert hat. Herrjeh, der macht Spaß. Man sieht ihn schon als Musical vor sich.
Soweit unser kleiner Einblick in das, was das Kinder- und Jugendbuch im Herbst bereithält. Alle, die wir hier nicht erwähnen konnten: Entschuldigung. Wir sind sicher, da schlummert noch manches Highlight – und wir ergänzen gern. Allen Zurückgekehrten einen gesunden Nachhol-Schlaf nach stressigen Messetagen und intensiven Abenden in der Swinebar, der neuen Neonbar. Sowie entspannte Vertreter-Konferenzen. Wir freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.
Susanna Wengeler








