Home > News > Bertelsmann-Bilanzpressekonferenz: Thomas Rabe stellt für 2011 nur ein „zufriedenstellend“ aus / Random House verliert 4,3 Prozent Umsatz / Dohle: „Leseerlebnis neu erfinden“ / Abschied von der AG

Bertelsmann-Bilanzpressekonferenz: Thomas Rabe stellt für 2011 nur ein „zufriedenstellend“ aus / Random House verliert 4,3 Prozent Umsatz / Dohle: „Leseerlebnis neu erfinden“ / Abschied von der AG

Soeben hat die Bertelsmann Jahrespressekonferenz begonnen. Vorstandschef Thomas Rabe stellte dem Konzern-Ergebnis für das Jahr ein „zufriendenstellend“ aus. Gleichzeitig kündigt er einen kontinuierlichen Umbau des Konzerns an: Konsolidierung, digitale Transformation, Ausbau der Wachstumsplattformen und regionale Expansion.

Der Konzernumsatz 2011 sei auf 15,3 Mrd. Euro gesteigert, das Operating EBIT sei mit 1,75 Mrd. Euro auf hohem Niveau, die Umsatzrendite von 11,4 Prozent bestätige Ertragskraft, ist aber rückläufig (2010: 12,1 Prozent) und das Konzernergebnis wurde mit 612 Mio. Euro verfehlt (2010: 656 Mio. Euro). In der Fragerunde nannte Rabe das Ergebnis sogar „enttäuschend“. Es sei von Sondereffekten und Investitionen geprägt, so Rabe. Die Investitionen seien deutlich erhöht worden. Für 2012 erwartet Rabe einen moderaten Umsatzanstieg und erneut ein hohes Operating EBIT von um die 11 Prozent. Außerdem kündigte Rabe an, dass Bertelsmann seine Rechtsform von einer AG in eine SE & Co. KGaA ändern werde. Mit der neuen Rechtsform soll es für den Konzern leichter werden, Fremdkapital aufzunehmen. Hartmut Ostrowski soll erst im Mai in den Aufsichtsrat gewählt werden. Bisher habe er nur als Gast an zwei Aufsichtsratssitzungen teilgenommen, so Rabe.

Random House
Der Umsatz bei Random House sei leicht zurück gegangen, das operative Ergebnis fiel dagegen höher aus als im Vorjahr, vor allem in den USA, so Rabe. Zu diesem Anstieg haben fortgesetzte Kostenmaßnahmen und geringere Retouren in Nordamerika und Großbritannien aufgrund gestiegener E-Book-Absätze beigetragen.

Der Umsatz lag, unter anderem durch Wechselkurseffekte, mit 1,7 Mrd. Euro um 4,3 Prozent unter Vorjahr (1,8 Mrd. Euro). Das Operating EBIT stieg um 6,9 Prozent auf 185 Mio. Euro (Vj.: 173 Mio. Euro). Die Umsatzrendite erreichte 10,6 Prozent nach 9,5 Prozent im Vorjahr. Zum Jahresende beschäftigte Random House 5.343 Mitarbeiter (31. Dezember 2010: 5.264). Die zunehmende Verfügbarkeit preiswerter E-Reader und Tablet-PCs führte zu einer deutlich höheren Nachfrage nach E-Books.

Die Random-House-Verlage vervielfachten ihre Digitalumsätze und konnten damit vor allem im englischen Sprachraum Absatzrückgänge bei gedruckten Büchern kompensieren. „In den USA hat das E-Book einen Marktanteil von 20 Prozent erreicht“, so Markus Dohle, Random-House-Chairman und CEO. Random House dehnte sein E-Book-Angebot bis Ende 2011 auf knapp 40.000 Titel in englischer, deutscher und spanischer Sprache aus, ebenso die Publikation von Apps und interaktiven Buchformaten. Die Random-House-Verlage veröffentlichten 2011 viele der weltweit meistverkauften Buchtitel. Stärkster Einzeltitel war Inheritance, der vierte Band der Eragon-Saga von Christopher Paolini. Das Werk verkaufte sich in den ersten acht Wochen weltweit mehr als drei Millionen Mal als Hardcover, E-Book und Hörbuch.

Dohle kündigt weitere Anstrengungen im Bereich der Digitalisierung an. „Wir werden das Leseerlebnis neu erfinden“, so Dohle. Er wolle vor allem im Medienmix „einen hohen Mehrwert schaffen.“ Dabei soll der stationäre Handelnicht vernachlässigt werden. Aber das Internet biete auf ausländischen Märkten „grenzenlose Möglichkeiten“. Der Sationäre Handel bleibe aber wichtig, damit Leser Bücher weiter entdecken können. Deshalb werde Random House auch weiter auf Print setzen.

Auf Nachfrage von BuchMarkt sagte Markus Dohle, dass das Internet zwar auch substituriere, aber Bertelsmann wolle mit digitalen Produkten vor allem die internationalen Märkte gewinnen und die Jugend ansprechen. Auch wenn die Preise klein sind, setze er auf Wachstum. Amazon geriere sich zwar auch als Verleger, aber Amazon sei dann ein Konkurrent wie jeder andere auch. Die Penetration mit Lesegeräten, Amazon wolle ja jetzt auch mit zwei Lesegeräten auf den deutschen Markt kommen [mehr…], helfe bei der Verbreitung digitaler Inhalte. „Mit Amazon als Konkurrent kann Random House nur besser werden“, so Dohle.

Immerhin erinnerte Rabe: Im größten Buchmarkt USA konnte Random House 228 Titel auf den Bestsellerlisten der „New York Times“ platzieren, darunter 32 Titel auf Platz eins. Die fünfbändige Fantasy-Saga A Song of Ice and Fire von George R. R. Martin verkaufte sich mehr als acht Millionen Mal in Nordamerika. In Großbritannien verzeichnete die Random House Group UK ein starkes Ergebnis. Sie steuerte mit 39 Nummer-eins-Titeln auf den Bestsellerlisten der „Sunday Times“ mehr als jede andere Verlagsgruppe zu den Top-Bestsellern des Landes bei. Im deutschsprachigen Raum behauptete die Verlagsgruppe Random House ihre führende Position mit zahlreichen Bestsellern und innovativen Digitalangeboten. Zu den Erfolgen zählte das meistverkaufte Sachbuch des Jahres, Walter Isaacsons Biografie Steve Jobs.

Random House Mondadori verbesserte im spanischsprachigen Raum sowohl den Umsatz als auch das operative Ergebnis; auch hier war die Jobs-Biografie ein Bestseller. Random House übernahm im Berichtszeitraum die US-Digital-Media-Agentur Smashing Ideas und gründete neue englische, deutsche und spanische Buch- und E-Book-Verlage. Am New Yorker Hauptsitz ordnete Random House die Gebäudesituation neu. Random-House-Autoren wurden mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, so Jennifer Egan mit dem Pulitzerpreis in der Kategorie Roman für A Visit from the Goon Squad und Julian Barnes mit dem Man Booker Prize für The Sense of an Ending.

Arvato
Der globale Business-Process-Outsourcing-Dienstleister Arvato hat 2011 dank gut laufender IT-Services, Finanzdienstleistungs- und Customer-Care-Geschäfte in Europa den Umsatz gesteigert. Das operative Ergebnis blieb trotz schwach laufender Geschäfte in Südamerika und den USA sowie gestiegener Energie- und Rohstoffkosten stabil. Arvato übernahm zum 1. Juli 2011 die bislang von der Konzernschwester Gruner + Jahr gehaltenen Anteile in Höhe von 37,45 Prozent am Tiefdruckunternehmen Prinovis. Prinovis wird rückwirkend für das Gesamtjahr bei Arvato gezeigt.

Das Direktvertriebsgeschäft Inmediaone wurde den Club- und Direktmarketinggeschäften im Bereich Corporate zugeordnet, wo es rückwirkend für das Gesamtjahr ausgewiesen wird. Die Arvato-Zahlen einschließlich der Vorjahreswerte wurden entsprechend angepasst. Der Arvato-Umsatz stieg im Berichtszeitraum um 2,5 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro (Vj.: 5,2 Mrd. Euro); das Operating EBIT lag mit 341 Mio. Euro um 1,7 Prozent unter dem Vorjahreswert von 347 Mio. Euro. Die Umsatzrendite betrug 6,4 Prozent (Vj.: 6,6 Prozent).

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