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Evangelische Medientage: Erstmals tagen VEB und EMVD gemeinsam / Wolfgang Huber fordert eine Internetethik

„Das ist eine Premiere“, konnte Wolfgang Riewe in den Saal rufen. Und dafür gab es dann auch Applaus. Erstmals haben der Evangelische Medienverband Deutschlands (EMVD) und die Vereinigung Evangelischer Buchhändler & Verleger (VEB) gemeinsam die Evangelischen Medientage ausgerichtet. Ort des Geschehens: Das katholisch geführte Roncalli-Haus in Magdeburg, das ausgerechnet einem Papst gewidmet ist.

Der vertraute Ort dürfte es auch dem Geschäftsführer des katholischen Medienverbandes Konrad Höß leicht gemacht haben, als Gast an der Tagung teilzunehmen. Allerdings: Nicht nur der ökumenische Wille, vor allem nicht leichte Zeiten im Medienwandel forcieren die Notwendigkeit, dass die christlichen Branchenteilnehmer weiter enger zusammenrücken.

„Das Internet ist ein Medium von Menschen für Menschen, dort kann jeder Journalist und Autor sein. Das ist eine Herausforderung“, sagte Wolfgang Riewe zur Begrüßung. Seit sich im bis vor einigen Jahren ausschließlich den Zeitungsmedien vorbehaltenen EMVD die Fachgruppe Buch gegründet hatte, sind christliche Buchhändler und Buchverleger nun in zwei verschiedenen Verbänden organisiert. In Leipzig waren sie erstmals mit einem gemeinsamen Stand aufgetreten.

Gastredner war der ehemalige brandenburgische Bischof und Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche (EKD) Prof. Dr. Wolfgang Huber. Huber, der zuletzt im Mittelpunkt der Berichterstattung stand, weil er seinen Facebook-Account gelöscht hatte, forderte in seinem Vortrag einen kritischen Umgang mit dem Internet und eine Ethik für das Internet, insbesondere in Bezug auf die Sozialen Medien. Facebook sei inzwischen eine Weltmacht geworden, die keiner Kontrolle unterliege, so der ehemalige Bischof, der in seinen Ausführungen allerdings auch dazu neigte das Netzwerk zu dämonisieren.

Im Gegensatz dazu illustrierte Klaus Motoki Tonn, Geschäftsführer von gobasil, einer Agentur, die für die Gestaltung der Basisbibel ausgezeichnet wurde, seinen Vortrag mit Charts , die komplett im Facebook-Design gehalten waren. In einer mit immer mehr Informationen vollgestopften Welt sei es wichtig für den Betrachter und Leser Freiräume zu schaffen und sich bei der Gestaltung von Produkten und Büchern auf wesentliche Botschaften zu konzentrieren, sagte er.

Auch für Dr. Thomas Schiller, Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes (epd) haben Agenturen in Zukunft die Aufgabe aus viel weniger zu machen. Es sei nicht mehr ihre Aufgabe, möglichst viele Informationen zu sammeln, sondern möglichst viele auszufiltern und vor zu sortieren. „News ist das, was dem Leser nutzt“, sagte er. Weil Leser ihre Informationen zunehmend selbst zusammenstellen, wollen sie entweder Schlagzeilen oder sehr tief in einen Stoff eindringen, ist er überzeugt.

Am Ende des Fortbildungsteils wurden die Mitgliederversammlungen der Verbände dann getrennt abgehalten. Sie wollen sich mehr für ihre Mitglieder engagieren, damit sie im Medienwandel bestehen. So hat der VEB über neue Aktionen beraten. „Wir müssen jetzt investieren“, so der VEB-Vorsitzende Detlef Holtgrefe (Brunnen). Der EMVD musste noch kurzfristig von seinen Mitglieder die Amtszeit des Vorstandes (Wolfgang Riewe, Dr. Reinhilde Ruprecht, Jörg Bollmann und Christof Vetter) um zwei Monate verlängern lassen, da die vierjährige Amtszeit zwar im April 2013 endet, die nächste Mitgliederversammlung mit Vorstandsneuwahlen aber erst im Juni 2013 stattfinden wird.

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