
Wie heute gemeldet [mehr…], stellt die Verlagsgruppe Random House Strafanzeige gegen Unbekannt/die Verantwortlichen des Kollektivs Anonymous wegen aller in Betracht kommenden Straftatbestände, insbesondere wegen Nötigung und Aufforderung zu Straftaten. Wir befragten dazu Random House-Justitiar Rainer Dresen.
Wie aussichtsreich ist eine Klage gegen Anonymous, die ja auch vom mexikanischen Drogenkartell nicht enttarnt werden konnten?
Dresen: Wir haben nicht vor, gegen „Anonymous“ zu klagen. Wir haben aber gegen diejenigen Anzeige erstattet, die auf der öffentlichen Ablageplattform „pastebin“ vermutlich illegal erlangte, höchst persönliche Informationen zu der Autorenliste von http://www.wir-sind-die-urheber.de/ hochgeladen haben. Gegenwärtig befasst, so wurde mir bereits heute früh bestätigt, ist eine hoch spezialisierte Ermittlungseinheit des Bayrischen Landeskriminalamt. Bei allem Respekt vor dem mexikanischen Drogenkartell, dem LKA Bayern traue ich dann doch eine größere Internet-Kompetenz zu.
Wenn man sie nicht enttarnen kann, verläuft dann alles im Sande?
Dresen: Wie gesagt, ich gehe fest von einem Fahndungserfolg aus. Nicht erst seit Edmund Stoiber für Bayern den Slogan „Laptop und Lederhose“ propagierte, genießen die dortigen Ermittler einen ausgezeichneten Ruf als technikaffine Kriminalisten. Insofern sind wir zuversichtlich, dass die Initiatoren der Aktion Spuren im Netz hinterlassen haben, die Profis nachverfolgen können. Wie auch immer die Sache auch ausgeht, wir wollten ein Zeichen setzen und nicht tatenlos zusehen, wenn mutigen Autorinnen und Autoren eine Verletzung ihrer Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte droht, nur weil sie sich in der aktuell im politischen Raum sehr emotional und nicht immer sachlich geführten Auseinandersetzung um das Urheberrecht als die eigentlich Betroffenen zu Wort gemeldet haben.
Wie kann man die Entfernung der veröffentlichten Daten schnellstmöglich erreichen?
Dresen: Die Seiten auf „pastebin“ sind bereits nicht mehr zugänglich.