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Wirtschafts-Pressegespräch: Zahlen für 2011 vorgelegt

Steffen Meier, Jürgen Horbach, Alexander Skipis,
Claudia Paul

Das heutige Pressegespräch des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels im Haus des Buches in Frankfurt am Main wartete mit vier Zahlen-Kompendien auf. Pressesprecherin Claudia Paul, Schatzmeister Jürgen Horbach, Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis und der Sprecher des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren Steffen Meier stellten die wichtigsten Zahlen vor.

Die Buchbranche muss im Jahr 2011 mit 9,601 Milliarden Euro einen leichten Umsatzrückgang um 1,4 Prozent bilanzieren. Dabei ist der Sortimentsbuchhandel ohne E-Commerce mit einem Umsatz-Minus von 3 Prozent, aber mit 49,7 Prozent Anteil am Gesamtvertrieb nach wie vor stärkster Vertriebspartner.

Die Buchgemeinschaften hatten große Verluste zu verzeichnen; mit einem Rückgang um 12,7 Prozent erwirtschafteten sie noch 0,19 Milliarden Euro. Ebenfalls rückläufig sind die Geschäfte der Warenhäuser. Mit 0,18 Milliarden Euro haben sie ein Minus von 13,1 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 eingefahren.

Der Internet-Buchhandel legte um 5 Prozent zu – die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten scheinen vorbei zu sein. Der Anteil am Gesamtumsatz beträgt damit 14,8 Prozent. Die Verlage legten im Direktverkauf um 1,7 Prozent zu und sind zu 19,1 Prozent am Gesamtumsatz beteiligt.

Dabei hat sich der Durchschnittspreis des Buches, der im Hardcover-Bereich bei 26 Euro liegt, in den letzten Jahren kaum verändert. „Die Branche muss sich aufraffen, um höhere Preise zu erzielen“, kommentierte Jürgen Horbach diese Stagnierung.

Mit 82.048 Erstauflagen im Jahr 2011 – im Vorjahr waren es noch 84.351 – ist die Novitätenflut nur wenig zurückgegangen. 10.716 Titel wurden übersetzt (2010: 10.760), 8.000 Lizenzverträge (2010: 8.191) wurden abgeschlossen; China steht dabei auf Platz 1.

Nach wie vor stellt die Belletristik mit 34,4 Prozent Umsatzanteil die größte Warengruppe dar, gefolgt von Kinder- und Jugendbüchern (15,7 Prozent), Ratgebern (13,6 Prozent), Wissenschaft (11,6 Prozent), Sachbuch (9,7 Prozent), Schule und Lernen (8,8 Prozent) und Reise (6,1 Prozent). Die Anteile haben sich zum Jahr 2010 nur marginal verschoben. „Diese Zahlen bieten keine große Überraschung. Dennoch lässt sich feststellen, dass sich die Übersetzungen in den letzten fünf Jahren verdoppelt haben. Die Sparte Kinder- und Jugendbuch wird nicht mehr nur von den dafür spezialisierten Verlagen beherrscht, hier beteiligen sich viele Verlage, die eigene Bereiche zur Thematik eingerichtet haben“, erläuterte Jürgen Horbach.

Die Branche sei stark von Bestsellern wie den Potter- oder Sarrazin-Büchern abhängig, deshalb seien Vorhersagen für das Jahr 2012 schwierig; schließlich wisse man noch nicht, was im Herbst publiziert werde.
Für die ersten vier Monate des laufenden Jahres ist ein Umsatzrückgang von fünf Prozent bei den Sortimentern und 2,1 Prozent im Versandbuchhandel zu konstatieren.

Hörbücher, so beantwortete Jürgen Horbach eine Frage der Medienvertreter, haben einen Anteil von 3,5 Prozent am Gesamtumsatz. Ein großes Thema sei dabei der Preisverfall.

In den letzten Jahren sei bei den Großbuchhandlungen eine Flächenbereinigung und eine Stärkung des Non-Book-Bereichs festzustellen, erklärte Alexander Skipis. „Gegeneinander anzutreten war allerdings bei den Großen nicht immer glücklich“, ergänzte Jürgen Horbach.

Das E-Book in Deutschland betreffend muss zunächst konstatiert werden, dass es keine Plattform gibt, die alle lieferbaren E-Books enthält. So geht man schätzungsweise von 450.000 vorhandenen digitalen Büchern aus, bei libreka! sind 280.000 Titel vorrätig. Die über 30-seitige und gemeinsam mit GfK Panel Services erarbeitete Studie „Markt mit Perspektiven – das E-Book in Deutschland 2011“ verzeichnet zwar eine Verdoppelung des Umsatzanteils in diesem Bereich, aber es ist im Jahr 2011 gerade mal ein Prozent Umsatz, der mit E-Books (ohne Schul- und Fachbücher) generiert wurde. Das entspricht 4,7 Millionen digitaler Bücher, die von 757.000 Käufern erworben wurden. Der durchschnittliche Preis liegt bei 8,07 Euro und damit 20 Prozent unter dem Preis für das gedruckte Buch. Viele Käufer sind „Wiederholungstäter“ und ohnehin Buch-affin.

Gut beraten seien alle Verlage und Vertriebe, die sich mit dem E-Book beschäftigen. Schon heute bieten 42 Prozent aller Verlage, die E-Books im Portfolio haben, ihre Novitäten als Printausgabe und digital an.

„Die Verlage generieren mit den E-Books neue Märkte, selbst wenn es zurzeit noch nicht um große Zahlen geht“, ist sich Steffen Meier sicher. Bei den Formaten zeichnet sich ab, dass EPUB die größten Chancen eingeräumt werden, im DRM wird eher die „weiche“ Variante, also beispielsweise digitale Wasserzeichen, bevorzugt.
Hinsichtlich der Lesegeräte stehen Tablets auf Platz 1, gefolgt von E-Book-Readern.
Für 2015 rechnen die Verlage im Bereich E-Books durchschnittlich mit einem Umsatzanteil von 17 Prozent, die Sortimenter schätzen den Anteil wesentlich zurückhaltender mit 3,5 Prozent ein, den Rückgang des Gesamtumsatzes um 16 Prozent im Jahr 2015 beurteilen sie recht pessimistisch. Da zeichnet sich schon eine kräftige Spur von Fatalismus und Resignation ab.

Aufgrund des langen Pressegesprächs kamen Buchpreisbindung und Mehrwertsteuer in Europa und detaillierte Umsatztabellen nicht mehr zur Sprache, die Unterlagen dazu fanden sich in der Pressemappe.

Alle Zahlen und Daten werden im August in bewährter Form veröffentlicht.

JF

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