
Im gut besuchten Haus der Kulturen der Welt nahm gestern Abend der rumänische Autor Mircea Cặrtặrescu (Foto) den Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt [mehr…] für seinen Roman Der Körper (Zsolnay) entgegen. Ausgezeichnet wurden auch seine deutschen Übersetzer Gerhardt Csejka und Ferdinand Leopold, die beide in Rumänien geboren wurden.
Der Preis, maßgeblich von Jan Szlovaks Stiftung Elementarteilchen getragen, ist mit 25.000 Euro dotiert. Weitere 10.000 Euro gehen an die beiden Übersetzer „für eine Meisterleistung, die uns erst den Zugang zu diesem Buch eröffnet hat“, so Bernd M. Scherer, der Intendant des Hauses der Kulturen der Welt [mehr…].
Der Körper ist nach Die Wissenden der zweite Band von Cặrtặrescus Orbitor – Trilogie. Das Buch verwebe „Denken und Sprechen in neuronaler Metaphorik mit dem Kosmos“, urteilte die Jury. Es gleiche einem grellbunten Kaleidoskop aus Bewusstseinssplittern und Kindheitserinnerungen, familiengeschichtlichen Episoden und Bildern des unter Ceauçescu in großen Teilen zerstörten Bukarests, aus politischen Momentaufnahmen seiner Herrschaftszeit und phantastischen, elektrisierenden Gedankenflügen.“
Die Literatur sei ein Mittel, um seinen eigenen Platz in der Gesellschaft zu verstehen, sagte der Autor im Gespräch mit der Literaturkritikerin Sigrid Löffler, die den kurzweiligen Abend moderierte. „Ich schreibe über mich, um zu verstehen wer ich bin und um die Welt zu verstehen“, so Cặrtặrescu, der seine Trilogie mit einem Schmetterling verglich: linker Flügel, Körper, rechter Flügel. Auf Rumänisch ist die Trilogie bereits abgeschlossen.
Hierzulande sei der 1956 geborene Cặrtặrescu bisher ein Geheimtipp, so Sigrid Löffler. Sein monumentales Prosawerk stelle außerordentliche Anforderungen an die Übersetzer, sagte sie. Jurymitglied Kersten Knipp, hob denn auch in seiner Laudatio die Leistung der beiden Übersetzer hervor. Cặrtặrescus Roman habe einen ganz eigenen, unverwechselbaren Klang. „Er lässt die Sprache als Sprache in den Vordergrund treten – und damit die Schönheit, die sie entfalten kann.“ Im Deutschen könnte Cặrtặrescu jedoch sehr leicht ein unauffälliger Dichter sein, wäre sein Werk nicht in die Hände von Gerhardt Csejka und Ferdinand Leopold gefallen. „Zwei Sprachkünstler, die sich Cặrtặrescus Werk in Geist und Buchstaben auf das Nächstmögliche angenähert haben“, so Knipp.
Es sei ein Verrat am Beruf des Schriftstellers, wenn man so schreibt, dass der Text einfach zu übersetzen ist, hatte zuvor der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy in einer sehr persönlichen Festrede gesagt, die in den nächsten Tagen in der Süddeutschen Zeitung erscheinen soll. „Jede Übersetzung zeigt ein etwas anderes Gesicht des Originals“, so Esterhazy.
Der Internationale Literaturpreis wird seit 2009 jährlich vergeben und soll die Aufmerksamkeit auf herausragende Beiträge, aber auch auf die Vielstimmigkeit weltweiten literarischen Schaffens und die bedeutende Vermittlungsarbeit des Übersetzens lenken.
ML