Das 19. Jahrhundert war im deutschen Verlagswesen eine Zeit des optimistischen Aufbruchs. Wer die bisher erschienenen über 50 BuchMarkt-Kopfnüsse aufmerksam gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, wie viele bekannte Verlagshäuser im vorvergangenen Jahrhundert jugendliche oder sehr jugendliche Gründer hatten wie Bartholomäus Herder (27 Jahre; Kopfnuss Februar 2011), Gustav Langenscheidt (24 Jahre; Kopfnuss Januar 2012) und Anton Philipp Reclam (21 Jahre; Kopfnuss Juli 2012). Heute aber fragen wir nach einem Verleger, der seinen eigenen Verlag im vergangenen Jahrhundert im Alter von 65 Jahren gründete, ihn elf Jahre lang führte und aus dem Ruhestand bis zu seinem Tod als 94-Jähriger freundschaftlich begleitete.
Den Familiennamen des Gesuchten trägt der Verlag bis heute. Geldgeber war ein Medienkonzern, der damit dem Modell des Imprint-Verlages folgte, also der kleinen verlegerisch selbstständigen Einheit im Rahmen eines größeren Ganzen. Er machte dies als einer der ersten zum Prinzip des weiteren Ausbaus seiner Buchverlagsgruppe.
Hinter dem Gründer lag eine interessante Branchenlaufbahn. Der promovierte Germanist hatte in seiner Geburtsstadt München eine Buchhandelslehre absolviert und trat noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs als Lektor in einen der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gegründeten Kulturverlage ein. Dieses ganz dem Bildungsbürgertum – dem auch der heute gesuchte Verleger entstammt – gewidmete Verlag blieb 90 Jahre im Besitz der Familie des Gründers und wird seither als selbstständige deutsche Tochter eines skandinavischen Medienkonzerns geführt, ein weiteres Beispiel dafür, wie große Konzerne heute das Buchverlegen in übersichtlichen kleineren Einheiten und nicht in einem Riesenapparat betreiben.
Die Gründung des Verlages wurde in der Branche als „Paukenschlag“ wahrgenommen. Denn der gesuchte Verleger tat diesen Schritt nach elfjähriger Tätigkeit als Leiter eines namhaften Publikumsverlages, für den er viele erfolgreiche Autoren gewonnen hatte. Und Höhepunkt seines ersten Programms war der neue Roman eines bisher in einem renommierten literarischen Verlag beheimateten Autors, dessen epochales vielbändiges Roman- und Chronikwerk zu einem der Fundamente des neuen Verlages wurde. Aus dem Nachlass dieses Autors erscheint im September 2012 das Tagebuch aus den Jahren 1956 bis 1970, dessen Veröffentlichung als literarisches Ereignis gilt. Es spiegelt seine Entwicklung seit seiner Entlassung aus dem berüchtigten DDR-Gefängnis Bautzen nach langjähriger Haft bis zu seinen ersten erfolgreichen Publikationen.
Dass es nicht einfach ist, die Nachfolge eines charismatischen Verlegers anzutreten, zeigen die relativ häufigen Wechsel in der Verlagsleitung nach seinem Ausscheiden. Aber damit waren auch immer neue Akzente im Verlagsprogramm verbunden: von der Akquisition renommierter internationaler Autoren über die Förderung neuer deutscher Erzähler und literarisch anspruchsvoller Krimis bis zum verstärkten Ausbau von Sachbüchern. Der Verlag greift damit in die aktuelle gesellschaftliche Debatte ein, zum Beispiel mit einer Aufsehen erregenden Neuerscheinung zu den Auswüchsen der bundesrepublikanischen Subventionskultur, über die in den letzten Monaten lebhaft diskutiert wurde.
Heinold fragt: Wie heißt der Verlagsgründer mit Vor- und Nachnamen?