Man hat die beiden Herren, nach deren Verlag wir heute fragen, mit den Dioskuren verglichen, den Zwillingen und Söhnen des Zeus und der Leda, deren Name für ein unzertrennliches Freundespaar steht. Die Firmenbezeichnung der Neugründung entnahm der eine der beiden – der den Verlag zunächst allein verantwortete – dem Kulturkreís, dem dieses Bild entstammt.
Rasch geriet der knapp 23-Jährige mit seinem Start-up in den Konkurrenzkampf jenes Nachbarlandes, das bis heute Hauptabsatzgebiet des Verlages ist. Er hatte schwere Anfangsjahre zu bestehen. Oft war das Geld zu knapp, um alle Buchpläne zu realisieren, die ihm im Kopf herumschwirrten.
Hier trat der andere der beiden Dioskuren auf den Plan, ein am gleichen Tage im gleichen Jahr geborener Schulfreund. Er hatte für den Gründer die Buchhaltung zunächst nebenberuflich und vom 10. Jahr des Verlages an vollamtlich übernommen. Fünf Jahre später wandelte er ihn in eine AG um, in die er als Mitinhaber eintrat.
60 Jahre nach seiner Gründung kann der Verlag eine glänzende Bilanz vorweisen. Insgesamt wurden 4.363 Titel verlegt und in einer Gesamtauflage von über 200 Millionen Exemplaren verbreitet. Davon sind 1.625 Titel lieferbar. Der Verlag verfügt dank der Langlebigkeit einer Vielzahl von Titeln über eine Backlist, die dem Buchhandel Dauererfolge beschert. Der lohnte es ihm, indem er ihm elfmal den Titel „Verlag des Jahres“ verlieh.
Ein 1968 erschienener Roman geriet zum größten deutschsprachigen Bucherfolg nach Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“, wurde verfilmt und erreichte eine Weltauflage von über 5,5 Millionen Exemplaren. 1999 schaffte es der Roman eines weiteren deutschsprachigen Autors aus diesem Verlag auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste und wurde ebenfalls verfilmt. Das erfolgreichste Buch eines ausländischen Autors kommt zum Jubiläum des Verlages gerade in besonderer Ausstattung heraus. Stolz verweist der Verlag auf über 45 Millionen weltweit verkaufte Exemplare dieses Erfolgstitels.
Das Verlagsprogramm umfasst derzeit die Editionsformen Hardcover, Kalender, Paperbacks, Taschenbücher und Hörbücher. Die Vorschau ist nach diesen Kriterien gegliedert.
Seinen lang anhaltenden Erfolg verdankt der Verlag vor allem der Idee, den Klassikerbegriff neu auszuprägen. Dafür wurde eine eigene Reihe eingeführt. Der Trick: Die Klassikerausgaben sehen aus wie Bücher moderner Autoren, die Ausgaben zeitgenössischer Autoren erhalten in der gleichen Ausstattung die Anmutung klassischer Texte. Nicht zuletzt trägt dazu das einheitliche Umschlag-Layout bei. Dieses Design wird seit 1985 verwendet. Seit 1990 wird die Didot durchgehend als Schriftart eingesetzt. Durch Gesamtausgaben namhafter Autoren in der gleichen Ausstattung wird der Eindruck verstärkt, dass alle Bücher des Verlages zum klassischen Kanon gehören. Die 1972 vornehmlich zur Pflege der Backlist eingerichtete Taschenbuchreihe hat ebenfalls dieses einheitliche Layout.
Der Verlagsgründer wurde im Verlagswesen seines Heimatlandes, im gesamten deutschsprachigen Raum und in der internationalen Verlagsszene hoch geschätzt. Er verstarb im vergangenen Jahr im Alter von 81 Jahren. Sein Partner – der andere der beiden Dioskuren – führt den Verlag seitdem mit dem Sohn des Verstorbenen weiter.
Heinold fragt: Wie heißt der Verlag und in welcher Stadt ist von Anfang an sein Sitz?