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Die Titel der KrimiZeit im September / „Öl auf Wasser“ springt von Platz 9 auf 1

An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste September 2012 steht Öl auf Wasser von Helon Habila. Der Roman eines nigerianischen Autors ist von Platz 9 auf Platz 1 gesprungen.

Die Suche nach einer entführten Weißen verwandelt sich in einen Albtraum. „Erschütternde Anklage gegen die ökologische Katastrophe und moralische Verrottung im Niger-Delta“, so Jurysprecher Tobias Gohlis.

Ansonsten haben es im September vier neue Krimis auf die Bestenliste geschafft. Die ehrenwerte Gesellschaft von Dominique Manotti/DOA sogar auf Anhieb auf Platz 2. Hier die vollständige Liste:

1 (9) Helon Habila: Öl auf Wasser, Das Wunderhorn
Port Harcourt/Nigerdelta. Alltag im Delta: Ingenieursfrau entführt, Lösegeld gezahlt, „Rebellen“ erschossen, Öl fließt weiter. Die Journalisten Rufus und Zaq hilflos, ahnungslos, am Sterben teilnehmende Betrachter. Reise – nicht ins Herz der Finsternis, zu Shells Gewinnquellen. Ohnmacht, Wut. Unerbittlich traurig.

2 (-) Dominique Manotti/DOA: Die ehrenwerte Gesellschaft, Assoziation A
Paris. Drei „Ökokrieger“ gelangen an die Aufzeichnung eines Totschlags, begangen von Geheimdienstlern an einem Sicherheitsoffizier der Atomenergiebehörde. Ihr Daten-Stick gefährdet den Präsidentschaftskandidaten und riesige Geschäfte. Rasant, analytisch, ein Hieb gegen die herrschenden Gierschlünde.

3 (1) Daniel Woodrell: Der Tod von Sweet Mister, Liebeskind,
West Table, Ozarks, Missouri. Shug ist 13, dick und betet seine Mom Glenda an. Shug ist ihr „Sweet Mister“. Stiefvater Red klaut, dealt, prügelt. Proll-Family vor der Implosion. Shug wird älter, klug und härter. Sein Tag kommt. Woodrells Härte: Kein Sonnenstrahl gelangt zwischen die Zeilen, pure Sprachgewalt.

4 (2) Sara Gran: Die Stadt der Toten, Droemer
New Orleans, 2007. Staatsanwalt Vic Willing ist im Katrina-Chaos verschwunden. Claire de Witt, beste Privatdetektivin der Welt, klärt auf: mit Scharfblick, Drugs, Träumen und Jacques Silettes mythischer Detektiv-Bibel. Happy End gibt’s nicht, nicht in New Orleans. Rausch + Klarheit = Gran. Unglaublich gut.

5 (-) Jim Thompson: In die finstere Nacht, Heyne
Peardale. Mit Gebiss und Kontaktlinsen entert der winzige Auftragskiller Charlie Bigger das College-Städtchen, um einen Kronzeugen zu liquidieren. Zwischen Frauen, Bäckern und dem Boss, keuchend vor TB, panisch vor Paranoia, tut Bigger, was er noch kann. 1953 veröffentlicht, erst jetzt auf Deutsch: Experiment und Pulp in Einem.

6 (8) Howard Linskey: Crime Machine, Knaur
Newcastle/Glasgow. Alles okay. Alle kassieren: die Bullen, die Politiker in London, Boss Mahoney. Als eine Geldübergabe platzt, gerät David Blake, Mahoneys brain man, in die Bredouille. Jetzt muss er sich die Finger schmutzig machen. Generationenwechsel bei britischen Gangstern. Erfrischendes Debüt.

7 (7) Ian Levison: Hoffnung ist Gift, Deuticke
Dallas. Im Zweifel gegen den Angeklagten. Taxifahrer Jeffrey Sutton muss pinkeln. Im Haus eines Fahrgastes fasst er einen Fensterrahmen an. Das bringt, ohne Prozess, fast ein Jahr Einzelhaft wegen Mord und Kindesentführung. Grotesk-Satire auf die US-Strafjustiz. Geschätzt knapp unterhalb der Realität.

8 (-) Zoë Beck: Das zerbrochene Fenster, Bastei Lübbe
Edinburgh/Fife/Devon 2003 – 2010. Pippa Murrays Liebster Sean ist perdu. Als er nach sieben Jahren für tot erklärt werden soll, identifiziert sie ihn als den Mörder einer reichen Witwe. Raffiniert getwistete Geschichte um Selbsthass, Schwesternneid und Elterngift. Neurosenherd Familie: frisch aufgeblättert von Zoë.

9 (-) Dominique Manotti: Das schwarze Korps, Ariadne im Argumentverlag
Paris 1944. Während die Alliierten heranrücken, schaffen SS, Gestapo und ihre Lümmel die Beute in Sicherheit. Kollaborateure basteln Plattformen für Nachkriegskarrieren. Dazwischen versucht ein einsamer Agent, Leben, Verstand und Reputation zu retten. Frankreichs „Stunde null“ als Schwarzlicht-Panorama.

10 (4) Tana French: Schattenstill, Scherz
Dublin. Zwei Kinder erstickt, Vater erstochen, Mutter lebensbedrohlich verletzt. Familiendrama, Eifersuchtsmord, soziale Ausweglosigkeit? Detective Kennedy glaubt sich seiner Methoden sicher. Bis die Selbstgewissheit auf schieren Wahnsinn trifft. „Auch ein Guter kann zerbrechen.“

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