Nonbook-Expertin Angelika Niestrath (messefritz & nonbook.de) über die wachsende Bedeutung von Zusatzsortimenten, Know-How für die Nonbook-Praxis und die neue Veranstaltungsfläche für diesen Bereich auf der Frankfurter Buchmesse unter dem Motto „Geschenke Live“.
Frau Niestrath, was haben NONBooks auf der BUCHMesse zu tun?

Angelika Niestrath: Als ich 2005 den Nonbookmarktplatz gründen wollte, haben die Verantwortlichen in Frankfurt mich das auch gefragt – inzwischen ist es ja eigentlich keine Frage mehr. Die Frankfurter Buchmesse bildet ab, was für die Branche aktuell und wichtig ist und da gehören Nonbooks mit ihrem wachsenden Anteil am Geschäft längst dazu – vor allem für die Buchhändler, aber zunehmend auch für Verlage.
Sind sie die Rettung des Buches?
Ich glaube nicht, dass das Buch gerettet werden muss – Nonbooks können aber helfen, das Buch als Geschenk in Szene zu setzen und es damit vielleicht sogar neuen Zielgruppen näher bringen. Vor allem können sie dem stationären Buchhandel helfen, sein individuelles Profil zu schärfen und seinen Kunden vor Ort ein Einkaufserlebnis zu bieten, dass es so im Internet nicht gibt.
Eine Studie im Auftrag der Messe Frankfurt hat kürzlich ergeben, dass Geschenke immer noch am liebsten live und vor Ort gekauft werden. Eine Chance für den stationären Buchhandel?
Ja, ich glaube, das hat unter anderem damit zu tun, dass die Leute sich gern inspirieren, verführen und auf Ideen bringen lassen. Wareninszenierungen und Themenwelten erzählen Geschichten und erzeugen Stimmungen – und diese Stimmung ist es letztlich, die verkauft wird. Das gelingt mit Nonbooks besser als ohne und sehr viel besser live als im Internet.
Darüberhinaus können passende Zusatzsortimente natürlich sinkende Buchumsätze ausgleichen.
Was wird es denn in Frankfurt zu sehen geben?
Im Bereich Papeterie & Geschenke in Halle 4.0 stellen dieses Jahr rund 70 Anbieter aus: Von der klassischen Grußkarte über Papeterie und Geschenke in allen Variationen bis hin zu anspruchsvollen Wohnaccessoires – oder auch Schokolade und Bonbons.
Findet man das alles nicht in viel größerer Auswahl auf den klassischen „Nonbookmessen“?
Natürlich. Der Vorteil der Buchmesse ist aber, dass sich dort die besonders buchhandelstauglichen Angebote konzentrieren. Die Aussteller überlegen genau, welche ihrer Produkte für den Buchhandel in Frage kommen und stellen sich teilweise auch mit ihren Konditionen auf die besonderen Bedürfnisse ein – z.B. mit kleineren Bestelleinheiten, Präsentationshilfen etc. Das Angebot ist also für den Buchhandel vorsortiert und bietet attraktive Vielfalt, aber keinen „Overkill“. Niemand wird überfordert. Es muss aber auch niemand Sorge haben, in Halle 4.0 nur „alte Bekannte“ zu treffen – gerade dieses Jahr gibt es einige sehr interessante neue Aussteller und besondere Produkte zu entdecken und einzukaufen. Besonderes, originelles und individuelles ist schließlich auch das, was am besten zum Buchhandel passt.
Im Forum „Geschenke Live“ werden mit Vorträgen, Diskussionen und Wareninszenierungen verschiedene aktuelle Aspekte des Nonbookthemas beleuchtet. Was erwartet uns?
Dabei geht es nicht nur um die Präsentation von Geschenkartikeln, sondern auch um „echte“ Zusatzsortimente und Sortimentsstrategische Überlegungen. Den strategischen Teil übernimmt übrigens Gaby Marx. Geboten wird also quasi ein kleines Fortbildungsprogramm für Buchhändler, komplett umsonst und ohne Voranmeldung. Das Forum wird von der Frankfurter Buchmesse ausgerichtet und hat dieses Jahr einen neuen Standort direkt neben dem Buchhändlerzentrum (Halle 4.0 Stand J 1331). Für die Ausstattung hat Ladenbau Kreft variable Präsentationsmöbel entwickelt, die für Nonbooks besonders geeignet sind. All diese Investitionen zeigen, welchen relevanten Stellenwert die Nonbooks inzwischen haben.
Welche Themen werden denn in den Vorträgen behandelt?
Ein Vortrag befasst sich zum Beispiel mit der professionellen Planung und dem effizienten Einkauf von Themenwelten – dort werden ganz konkrete Praxishilfen wie Checklisten oder Visualisierungstechniken vorgestellt, mit denen man sich die komplexe Aufgabe erleichtern kann. Eine moderierte Gesprächsrunde zum Thema Musikalien richtet sich an Buchhändler die überlegen, Noten & Co. ins Sortiment zu nehmen.
Die Frage „Wie gehe ich ein neues Zusatzsortiment an?“ dürfte ganz allgemein von Interesse sein.
Welches Zusatzsortiment für den einzelnen Sinn macht, hängt entscheidend vom Umfeld und der Einzelhandelsstruktur vor Ort ab – deshalb kümmert sich eine andere Veranstaltung zum Beispiel um das Thema „Zubehör für iPhone, iPad & Co“. Ein Schwerpunkt ist das Thema „individuelle Produkte“, dazu werden verschiedene Konzepte vorgestellt – zum Beispiel der Online-Service von Firma merisier aus Berlin, die individuell komponierte Geschenkpakete für verschiedene Kundentypen und Anlässe anbietet. Das Angebot richtet sich an Endverbraucher, ich fand die Idee und die anspruchsvolle Umsetzung aber so faszinierend, dass ich die Firma eingeladen habe, ihr Geschäftsmodell auf der Buchmesse vorzustellen – als Anregung für Buchhändler, die auf der Suche nach individuellen Service-Konzepten für ihre Kunden sind, live oder online.
Welche Anregungen könnten für Buchhändler relevant sein? Können Sie schon etwas verraten?
Als Buchhändler kann ich vielleicht das Konzept für so einen Geschenk-Service nicht 1:1 übernehmen, es stecken aber viele Ideen darin, die auf mein Geschäft übertragbar sind – und das nicht bloß, weil merisier in viele Geschenkpakete auch Bücher packt …
Letzlich geht es immer darum, was ich in meinem individuellen Geschäft vor Ort für meine Kunden realisieren kann, auch bei den Themenwelten. Am einen Standort wird man das Thema „Meeresblick“ vielleicht mit Buchtiteln von mare und ausgesuchten maritimen Accessoires inszenieren, wie wir es dieses Jahr im Forum tun werden. Und am anderen Standort kombiniere ich besser bunte Strandlektüre aus der Taschenbuchabteilung mit preisgünstigen Mitbringseln – beides kann richtig sein.
Allgemeingültige Rezepte gibt es demnach nicht, was nehme ich also als einzelner Buchhändler von der Messe mit?
Die gezeigten Themenwelten im Forum sehe ich als „Serviervorschlag“, der für das eigene Geschäft übernommen werden kann; Lieferantennachweise werden natürlich bereitgestellt.
Vielleicht reicht es aber auch, nur die Idee mitzunehmen und daraus zuhause maßgeschneiderte eigene Lösungen zu entwickeln. Wenn Nonbooks vor allem das individuelle Profil einer Buchhandlung unterstützen sollen, dürfen die Produkte und Konzepte eben nicht „von der Stange“ sein. Wer auf Dauer mit Nonbooks erfolgreich sein will, sollte eigene Experimente wagen und eigene Kompetenz aufbauen – dazu liefert die Buchmesse in Halle 4.0 eine Fülle von Ideen, Kontakten und Anregungen, aber auch ganz konkretes Handwerkszeug.
Wann kann ich das auf der Buchmesse alles wahrnehmen?
Nonbookmöbel und Wareninszenierungen sind während der ganzen Messe zu sehen, Veranstaltungen finden an den drei Fachbesuchertagen statt, teilweise gibt es mehrere Termine für ein Thema. Das komplette Programm mit allen Details gibt es online auf nonbook.de