Auf der Frankfurter Buchmesse hat sich die Regionalbuch AG [mehr…] erstmals der Branchenöffentlichkeit vorgestellt. Im Sonntagsgespräch erklärt Ludger Claßen, Verleger des Klartext-Verlags, wie Regionalliteratur den Buchhandlungen vor Ort zu neuer Attraktivität verhelfen kann und wie die neue Arbeitsgemeinschaft dazu beiträgt.
Buchmarkt: Herr Claßen, wer und was ist die Regionalbuch AG?

Ludger Claßen: Die Regionalbuch AG hat sich im September gegründet und besteht aus den sechs Regionalverlage be.bra Verlag (Berlin), Edition Temmen (Bremen), Hinstorff Verlag (Rostock), Klartext Verlag (Essen), Mitteldeutscher Verlag (Halle), Silberburg-Verlag (Tübingen). Unser Ziel: Die Regionalliteratur stärken.
Was sind denn die Stärken der Regionalverlage?
Die Verlage der Regionalbuch AG verfügen über eine hohe Kompetenz für regionale Titel und bieten zu Ihrer Region ein umfassendes Programm von Bildbänden, Kultur- und Freizeitführern, Krimis bis zu historischen Themen an. Die Verlage sind in der jeweiligen Region ansässig, kennen diese bestens und arbeiten nur mit AutorInnen, für die dies ebenfalls gilt. Dadurch wird eine hohe Qualität im Regionalbereich gewährleistet, die der Endkunde zu schätzen weiß.
Sie wollen also, dass der Buchhändler verstärkt auf regionale Titel setzt?
Ja, denn eine Stärkung regionaler Angebote liegt ja quasi in der Luft, wie die Gründung der Initiative „Buy Local“ [mehr…] belegt.
…die im Juni in Berlin mit dem Ziel gegründet wurde, ein Bewusstsein bei den Kunden dafür zu schaffen, wo er einkauft und was von seiner Kaufentscheidung alles abhängt…
Ja, genau. Mit den Gründern von „Buy Local“ stehen wir in Kontakt. Beiden Initiativen ist die Überzeugung gemeinsam, dass der Einzelhandel neue Ideen und Akzente braucht. Wer mit Büchern handelt, bewegt sich in einem stagnierenden Markt. Hinzu kommen weitere Faktoren: Die Innenstädte veröden. Einkaufscenter und Outletstores bieten vielen Menschen ein attraktiveres Einkaufserlebnis und ziehen das Publikum aus den Innenstädten ab. Der Versandhandel blüht, auch der Handel mit Büchern. Man lässt sich die Ware bequem ins Haus liefern. Das Bummeln und Shoppen in den Innenstädten nimmt ab – und damit auch die Zufallskäufe rechts und links des Weges.
Was können Buchhandlungen dagegen tun?
Buchhandlungen und Verlage können weder die Demografie ändern, noch den Menschen das bequeme Einkaufen am häuslichen Computer austreiben. Erst recht können wir nicht die über Jahrzehnte verfehlte Stadtentwicklung, die wesentlich zur Verödung der Innenstädte beigetragen hat, korrigieren.
Ihr Lösungsvorschlag?
Verlage und Buchhandlungen müssen sich auf geändertes Kundenverhalten und andere Rahmenbedingungen einstellen. Der Buchhandel muss inhaltlich attraktive, unverwechselbare Angebote machen, um Kunden anzuziehen.
Und hier kommen Regionalia ins Spiel?
Genau. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass regionale Literatur eine solche Attraktivität besitzt. Regionalia bieten dem Handel große Chancen, sich in der Konkurrenz zu anderen Branchen und auch anderen Medien mit dem Buch zu profilieren: Regionalia sind weniger austauschbar und können leichter gegen andere Medien bestehen als manche anderen Warengruppen. Und nicht zuletzt: Unsere Bücher sind als Geschenke eine „sichere Bank“, weil sich die Menschen mit ihrer Region identifizieren. Sie freuen sich daher immer über Bücher aus ihrer Region.
Und Ihre Arbeitsgemeinschaft dient dabei dem Erfahrungsaustausch zwischen den Verlagen?
Natürlich ist ein Ziel der AG, in regelmäßigen Abständen Erfahrungen auszutauschen. Aber unsere AG soll mehr sein als eine reine ERFA-Gruppe. Bislang angedacht ist die gemeinsame Produktion von Büchern und vielleicht auch Nonbooks, so dass sich Preisvorteile erzielen lassen. Geplant sind gemeinsame Werbe- und Marketingaktionen, etwa die Produktion und der Versand eines „Regionalprospektes“, die gemeinsame Durchführung von Mailings usw. Barsortimenten und Filialisten bieten wir Aktionen, etwa „Regionalwannen“, an, um die Sortimente zu ergänzen bzw. zu profilieren.
Bleibt es bei den jetzigen sechs Mitgliedern?
Eine Erweiterung durch die Aufnahme von Mitgliedern aus anderen, bislang noch nicht abgedeckten Regionen ist geplant und soll noch 2012 erfolgen. Aufgenommen werden können Verlage, die zu den Mitgliedern der Regionalbuch AG nicht in direkter Konkurrenz stehen.