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Christiane Güth: Buchhändler und Autor müssen verstärkt zusammenarbeiten

Christiane Güth

Die Flut an Buch-Neuerscheinungen führt dazu, dass die Wahrscheinlichkeit eines Autors, vom Leser wahrgenommen zu werden, immer weiter sinkt und Bücher immer stärker beworben werden müssen. Die Autorin Christiane Güth geht dabei ihren eigenen Weg. Mit BuchMarkt sprach sie über ihren Ansatz.

BuchMarkt: Frau Güth, Sie verlassen sich nicht nur auf die Vermarktung durch ihren Verlag, sondern ergreifen selbst die Initiative. Warum?

Christiane Güth: Mein Buch wurde vom Verlag mit den Standardaktivitäten im Bereich PR und Marketing begleitet. Da ich bereits 15 Jahre in einem Sachbuchverlag gearbeitet hatte, war mir aber klar, dass ich zusätzlich selbst aktiv werden muss. Schließlich kann der Buchhandel nicht die gesamte Werbearbeit für die Vielzahl von Buchtiteln übernehmen, schon gar nicht bei einem Debütroman. Aber auch die Verlage können nicht für jede Neuerscheinung eine groß angelegte Werbeaktion starten. Mit meinen Aktionen versuche ich das Verlagsmarketing zu ergänzen und Buchhändlern die Arbeit zu erleichtern, in dem ich ihnen zusätzliches Informations- und Werbe-Material an die Hand gebe. Es ist quasi eine neue Art der Kooperation zwischen Buchhändler und Autor. Wichtig ist sie für beide: Wir Autoren wollen im Sortiment der Buchhandlungen erscheinen und Buchhändler brauchen Kaufanreize für den Kunden.

Welche Aktionen meinen Sie denn?

Ich bin zum Beispiel Mitglied in mehreren Netzwerken, unter anderem beim „Syndikat“ und den „Mörderischen Schwestern“.

Die „Mörderischen Schwestern“? Das hört sich ja spannend an…

Klar, dabei ist der Name auch Programm. Die „Mörderischen Schwestern“ sind eine Vereinigung von Frauen, die sich mit Krimis beschäftigen, von der Autorin bis zur Buchhändlerin, von der Lektorin bis zur Pathologin. Wir informieren uns gegenseitig über alte und neue Krimis, Autoren und Autorinnen und Veranstaltungen. Wir arbeiten gemeinsam an der Verbesserung eigener Texte und tauschen uns über Publikationsmöglichkeiten und unsere Erfahrungen aus. Außerdem organisieren wir Festivals und unterstützen uns mit Vorträgen, Workshops und Gesprächen über alle Themen, die mit dem Schreiben und Lesen von Krimis zu tun haben.

Und das „Syndikat“ ist eine ähnliche Vereinigung?

Genau, das „Syndikat“ ist ein Autorennetzwerk, in dem inzwischen 700 Krimiautorinnen und -autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv sind. Das Ziel des Netzwerks ist es, deutschsprachige Kriminalliteratur zu fördern. Wir betreiben Öffentlichkeitsarbeit und schaffen ein Forum, in dem Mitglieder sich austauschen können. Zusätzlich veranstalten wir Events wie beispielsweise die Criminale.

Sie haben auch eine eigene Homepage. Richtet diese sich auch an die Buchhändler?

Ja, denn es ist natürlich auch in meinem Interesse, dass die Menschen, die mein Buch verkaufen, mehr über mich und meine Arbeit erfahren können. Als Autorin stelle ich mir oft die Frage, wie Buchhändler in den neuen Medien weitere Informationen über Titel und Autoren gewinnen können. Daher ist der Buchhändler neben dem Leser die zweite wichtige Zielgruppe meiner Homepage und meines Facebook-Auftritts. Mit dem Erscheinen von Cheffe versenken habe ich selbst ein kleines Spiel kreiert, das sich jeder über meine Website www.christiane-gueth.de kostenlos als PDF (download(Spiel_cheffe_versenken.pdf)) herunterladen kann und das von einigen Buchhändlern bereits als Werbemittel genutzt wird; gleiches gilt für eine Leseprobe. Ebenfalls für meine Website, aber auch für Ullstein und Amazon, habe ich mit einfachen Mitteln einen Video-Trailer gedreht. Auf meiner Facebook-Seite präsentiere ich außerdem meine selbst entworfenen „Strick-Pistolenkugeln“ für den Weihnachtsbaum.

Besonders wichtig für Buchhändler sind Rezensionen. Haben Sie auch in dieser Richtung Eigen-Marketing betrieben?

Ja, das war sogar die arbeitsintensivste Aktion. Ich habe eine Leserunde bei lovelybooks durchgeführt. 20 ausgewählte Leserinnen haben mein Buch aufmerksam gelesen, diskutiert und rezensiert. Als Einladende der Leserunde hatte ich fast täglich Kontakt mit den Teilnehmerinnen und habe interessantes Feedback bekommen. Ich war erstaunt, wie detailliert die Leserinnen sich mit Plot, Ausstattung, Cover, Titel, Stil etc. auseinandergesetzt haben. Herausgekommen sind eine Reihe von Rezensionen, die nun öffentlich zugänglich sind. Buchhändler können lovelybooks und ähnliche Websites gut als ergänzendes Informationsmedium nutzen. Gerade von den Buchhandlungen vor Ort werden ja eine gute Beratung und ein Überblick über die Neuerscheinungen erwartet.

Zur Person:
Christiane Güth, arbeitete über 15 Jahre als Sachbuchredakteurin und lebt heute als selbstständige Werbetexterin in Gütersloh. Sie schreibt Krimis, Kurzgeschichten und Kinderbücher, von denen einige auch international verlegt wurden. Im Sommer 2012 erschien ihr Romandebüt Cheffe versenken im Ullstein Verlag. Derzeit arbeitet sie an einer weiteren Krimikomödie.

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