
Heute Abend wurde in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main die Ausstellung So wurde ihnen die Flucht zur Heimat über die beiden Autoren Soma Morgenstern und Joseph Roth feierlich eröffnet.
Die Exposition zeigt zwei sich immer wieder kreuzende Lebenswege jüdischer Schriftsteller, gekennzeichnet von Flucht und Exil. Drei Jahre haben die beiden Kuratoren Dr. Victoria Lunzer-Talos und Dr. Heinz Lunzer Material gesammelt und gesichtet und sind dabei auf manches bislang Unentdeckte gestoßen.
Bereits am heutigen Vormittag führte Heinz Lunzer in Anwesenheit des Sohnes Dan Morgenstern durch die Ausstellung, die chronologisch aufgebaut ist.
So erfährt der Besucher, dass die galizischen Orte Budzanow – da kam 1890 Salomo Morgenstern zur Welt – und Brody, Geburtsort von Joseph Roth (1894), kaum 200 Kilometer auseinander liegen, aber sehr unterschiedlich sind. „Beide Jungen waren wissbegierig“, erläuterte Lunzer. Früh drängte es Roth zum Schreiben, während Morgenstern sich eher für Musik und später auch für Architektur interessierte.
Beide studierten an der Universität Wien und lernten sich dort kennen. Den I. Weltkrieg erlebten sie als Militärangehörige. Morgenstern trug auf Anraten Roths sogar ein paar Tage zu früh eine Offizierskappe, wurde entdeckt und mit einem Tag Urlaubsabzug bestraft. Er beendete sein Jurastudium, praktizierte allerdings nie. Ab 1921 schrieb Morgenstern Theaterstücke, lernte Robert Musil und Alban Berg kennen.
Roth arbeitete seit 1919 als Journalist für Wiener, Berliner und Prager Zeitungen. Ab 1924 war er für die „Frankfurter Zeitung“, damals die angesehenste Deutschlands, tätig. Ihr ist im Zusammenhang mit Roth und Morgenstern ein Schwerpunkt in der Ausstellung gewidmet, der auch Konflikte und Auseinandersetzungen in der Redaktion deutlich werden lässt.
Roth ist viel auf Reisen. 1933 darf er in Deutschland nicht mehr veröffentlichen. Er geht nach Paris, publiziert bei Plon und Gallimard. Auch bei Allert de Lange in Amsterdam erscheinen seine Bücher. Joseph Roth stirbt am 27. Mai 1939 in Paris.
Noch 1935 wird Soma Morgensterns erster Roman Der Sohn des verlorenen Sohnes im jüdischen Verlag Erich Reiss veröffentlicht. Verkauft werden dürfen die Bücher allerdings nur an jüdische Menschen.
Morgenstern geht 1938 ins französische Exil, kann 1941 schließlich in die USA ausreisen. Am 17. April 1976 stirbt er in New York.
Viele wertvolle alte Bücher findet der Ausstellungsbesucher in den Vitrinen, kann sich ein Bild von beiden Autoren und ihrem wechselnden Umfeld machen, begegnet bekannten Namen. Auch in neuen Publikationen kann geblättert werden. Beispielsweise in der Morgenstern-Werkausgabe, von 1995 bis 2001 in neun Bänden im zu Klampen Verlag herausgegeben.
Details sind im reich bebilderten Katalog, erschienen im Weidle Verlag, hervorragend recherchierbar.
Die Exposition ist bis zum 19. Januar 2013 zu sehen.
JF







