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Arne Dahl: Was die Verfilmung der eigenen Bücher für einen Autor bedeutet

„Es ist der Kindheitstraum eines jeden Autors“ – für Arne Dahl ging er in Erfüllung: Seine Krimi-Bücherserie wurde verfilmt und die letzten vier Sonntage auf ZDF ausgestrahlt. Ab diesem Donnerstag sind die Filme außerdem als DVD erhältlich. Heute läuft um 22 Uhr der zweite Teil der vorerst letzten Folge Falsche Opfer. In Schweden feierte die Serie mit 1,5 Mio. Zuschauern und einem Marktanteil von 19,5 Prozent bereits einen Riesenerfolg. BuchMarkt sprach mit Arne Dahl über seine Erwartungen für Deutschland, über schwierige Entscheidungen und über die Zukunft…

BuchMarkt: Ihre Bücher sind verfilmt worden – Ist Ihnen das „Ja“ zu diesem Projekt schwer gefallen? Oder waren sie sofort begeistert von der Idee?

Jan Arnald
© Sara Arnald 2012

Arne Dahl: Das schwierigste war es, die richtige Produktionsfirma zu finden. Die Film-Welt ist eine ganz andere als die Buch-Welt: Viel Reden und sehr wenig Taten. Außerdem spielte die Finanzierung eine sehr große Rolle bei dem ganzen Projekt. Jeder hat Ideen, aber nur wenige können sie auch umsetzen. Sobald ich aber die Film-Company „Filmlance“ gefunden hatte und auch das Budget durch die großen staatlichen schwedischen und deutschen Sender SVT und ZDF garantiert war, war die Entscheidung nicht mehr schwierig. Es wäre tatsächlich sogar schwierig gewesen, noch etwas besseres zu finden. Und natürlich ist es der Kindheitstraum eines jeden Autors, dass sein Werk verfilmt wird.

Wie schätzen Sie die Reaktionen vom deutschen Publikum ein?

Ich glaube, dass das deutsche Publikum entdecken wird, dass die Arne Dahl Filme sich stark von anderen schwedischen Crime-Fiction Produktionen unterscheiden. Dass sie tatsächlich sogar sehr viel besser sind. Aber ich erwarte auch, dass eine ganze Menge Hardcore Arne Dahl Fans zumindest zuerst ziemlich befremdet sein werden wegen der Diskrepanzen zu den Büchern, nicht zuletzt weil der alte Hauptkommisar Jan-Olof Hultin im Film eine Frau ist.

Also sind die Bücher nicht 1:1 umgesetzt worden? Haben die Filme etwas Eigenes?

Das verhält sich bei jedem der fünf verfilmten Bücher ein wenig anders. Manche Filme sind sehr nah am Buch, andere weichen ein wenig davon ab. Und es gibt in den Filmen einige Extras, die im Buch gar nicht vorkommen, zum Beispiel ein sehr spezieller Putzmann im Polizei-Kommisariat – und in dem Film Misterioso hat der Autor sogar selbst eine winzige Nebenrolle. Schaut, ob ihr mich findet!

Sind denn Ihrer Meinung nach die Filme den Büchern gerecht geworden?

Buch und Film sind grundsätzlich zwei unterschiedliche Medien, zwei verschiedene Arten von Kunst. Ein Medium kann dies besonders gut und das andere jenes. Aber allgemein bin ich sehr zufrieden mit dem Film-A-Team. Ich denke, die Serie ist besser als fast alle anderen schwedischen Krimi-TV-Serien. Gewisse Feinheiten der Bücher, die auf nicht-visuellen Dingen und literarischem Stil beruhen, sind zwangsläufig verloren gegangen. Andererseits spielt bei den Filmen das Thema „teamwork“ eine noch wichtigere Rolle und auch die Spannung kommt noch intensiver rüber. Das Wichtigste aber ist, dass beides – die Bücher und die Filme – toll sind.

Das Drehbuch haben Cilla und Rolf Börjlind geschrieben. War es schwer, sein Werk aus der Hand zu geben? Hätten Sie das Drehbuch gerne selbst geschrieben?

Am Anfang war es schon ein wenig schwer zu akzeptieren, dass die beiden die Erlaubnis haben, ihre eigene Version von den von mir erschaffenen Menschen und Geschichten zu schreiben. Ich habe eine lange Zeit mit dem A-Team gelebt und sie dabei so genau kennengelernt, dass jede andere Interpretation falsch sein musste. Auf der anderen Seite wollte ich aber auch nicht mein eigenes Drehbuch schreiben (das wäre wie eine Zeitreise zurück – ich schreibe aber lieber neue Geschichten), und so musste ich akzeptieren, dass es Unterschiede geben würde. Sobald ich das aber alles einmal hingenommen hatte, war es kein Problem mehr, ehrlich!

Durften Sie bei der Wahl der Schauspieler mitentscheiden? Haben Sie bei der Filmproduktion mitgewirkt?

Ich war in das Casting involviert, ja. Ich habe mindestens zehn Paul Hjelms und Kerstin Holms gesehen, bevor es sich richtig angefühlt hat.

Was würden Sie dem Leser empfehlen? Erst das Buch lesen und dann den Film anschauen oder anders herum? Warum?

Für denjenigen, der bisher noch keinen Arne Dahl Krimi gelesen hat, sind die Filme eine großartige Möglichkeit, einen Zugang zu den Büchern zu finden. Dabei wird er wahrscheinlich merken, dass in den Büchern ein bisschen mehr steckt als in den Filmen. Es sind quasi zwei Schritte in einem Prozess: Durch die Filme lernt der Zuschauer die Charaktere und die Geschichte kennen – mit den Büchern kann er diese Erfahrung dann vertiefen.

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsbuch der Reihe um das A-Team bzw. welcher Film?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Jedes Buch repäsentiert eine Phase in meiner Entwicklung – für mich waren sie alle notwendig. Und ich glaube, dass die Bücher qualitativ alle gleich hochwertig sind. Misterioso, mein Erstgeborener, bleibt immer sehr wichtig für mich, Falsche Opfer und Tiefer Schmerz waren meine ersten beiden „Meisterwerke“. In der zweiten Hälfte mag ich Totenmesse sehr gerne und auch Opferzahl und Himmelsöga, das einzige Buch, das bisher noch nicht auf deutsch übersetzt worden ist. Und die Filme – sie sind alle sehr unterschiedlich. Ich mag zum Beispiel die Intensität von Böses Blut, aber auch den Schmerz in Rosenrot.

An welchem aktuellen Projekt arbeiten Sie gerade?

Ich bin gerade mitten im dritten Buch der neuen Arne Dahl Krimi-Serie mit dem Opcop Team von Europol. Ich denke Gier war ein guter Startpunkt für eine neue Art des internationalen, europäischen Krimi-Genre. Es war eine ganz neue Art des Schreibens für mich. Ich habe es geschafft, den alten Polizisten wie Paul Hjelm, Kerstin Holm und Arto Söderstedt neues Leben einzuhauchen – und gleichzeitig ein neues, internationales Team zu erschaffen, das ich sehr, sehr gerne mag. Das zweite Buch in diesem Quartett wird im Februar bei Piper auf deutsch erscheinen. Es wird Zorn heißen.

Es gab das Gerücht, dass ein Buch auch fürs Kino verfilmt werden soll. Stimmt das?

Es gab Überlegungen, das Buch Tiefer Schmerz fürs Kino zu verfilmen, aber das Buch passte besser in das längere TV-Serien-Format – also wird es keinen Kinofilm geben. Zumindest ist das der Stand zum jetzigen Zeitpunkt. Jedoch glaube ich, dass zum Beispiel Gier einen fantastischen Hollywood-Film abgeben würde.

Gibt es sonst noch etwas, dass Sie gerne an die Buchhändler hierzulande loswerden möchten?

Ich habe eine sehr aktive Facebook Seite, auf der mir jeder Leser oder Zuschauer seine Fragen schreiben kann und eine persönliche Antwort bekommt. Ich betreibe die Seite selbst, hinter allen Kommentaren und Antworten steckt Arne Dahl – und keine PR-Agentur, kein Verleger oder sonst wer – nur ich, und ich beantworte alle Fragen.

Jan Arnald
© Sara Arnald 2012

Arne Dahl gehört zu den erfolgreichsten schwedischen Autoren weltweit. Allein in Deutschland verkauften sich seine Bücher über anderhalb Millionen Mal und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Arne Dahl ist ein Pseudonym, hinter dem sich der 1963 geborene schwedische Schriftsteller Jan Arnald verbirgt. Als Arne Dahl wurde er in den letzten Jahren mit seinen Kriminalromanen um den Stockholmer Inspektor Paul Hjelm und die Sonderermittler der A-Gruppe bekannt und von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. Misterioso ist Paul Hjelms erster Fall, es folgten Böses Blut, Falsche Opfer, Tiefer Schmerz, Rosenrot, Ungeschoren, Totenmesse, Dunkelziffer und zuletzt Opferzahl (erschienen bei Piper).

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