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Heinold fragt: Wer war’s?

Der Verlag, nach dem wir heute fragen, hat eine seltsame Geschichte. Er wurde viermal neu gegründet, und jedes Mal von ganz anderen Gesellschaftern. Das Kontinuum war jeweils der Verlagsname und nicht der Autorenstamm, die Rechte oder die Bestände.

Auch der Verlagssitz – eine wichtige Buchstadt, deren Name Bestandteil der Firmierung ist – ist von Anfang bis heute gleich geblieben. Jede der Gründungen hatte ihr eigenes Gesicht. Die letzte erfolgte im Jahre 1994, und der Verlag zählt heute zu den Firmen, die man „klein, aber fein“ nennt.

Der erste Verlag dieses Namens wurde 1920 mit Büchern zu Architektur, Städtebau sowie Kunstgewerbe etabliert, war in jüdischem Besitz und wurde deshalb 1938 liquidiert.

Der zweite Verlag dieses Namens entstand wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der eine der Gründer war Mitherausgeber einer ebenfalls nach dem Verlagsort benannten einflussreichen kulturpolitischen Zeitschrift, die von 1946 bis 1984 erschien. Auch war er Autor eines bis heute maßgeblichen Sachbuches über einen der schrecklichsten Aspekte des „Dritten Reiches“. Der andere Gründer (1914 – 1980) zählte zu den maßgeblichen Autoren der westdeutschen Nachkriegsliteratur. Der Verlag existierte allerdings nur wenige Jahre.

1987 errichtete ein Ehepaar mit Hilfe eines Investors den Verlag neu und brachte ein literarisch ambitioniertes Programm heraus. 1992 kam es zu einem Zerwürfnis mit dem Geldgeber. Sämtliche Autorinnen und Autoren erklärten, in diesem Verlag keine neuen Werke mehr veröffentlichen zu wollen. Der Investor verkaufte den Verlag nach dem Ausscheiden des Ehepaares an einen in der Schweiz ansässigen kleineren literarischen Verlag, der den Vertrieb weiterführte, aber keine neuen Titel mehr auflegte. Das Verlegerpaar gründete unter eigenem Namen einen Verlag vornehmlich für deutsche Gegenwartsliteratur.

Der Sohn eines der bekanntesten Verleger und designierter Nachfolger, der nach einem Vater-Sohn-Drama dessen renommiertes Unternehmen verlassen hatte, kaufte 1993 dem Schweizer Verlag den Verlag ab, nach dem wir heute fragen. Ohne Autoren und mit nur noch wenigen Rechten, begann er den ihn von Grund auf neu aufzubauen unter dem Motto, „nur wenige ausgesuchte Bücher herausragender Autoren zu veröffentlichen und an die Stelle viel zu vieler austauschbarer Bücher ein kleines, aber dezidiert junges und literarisches Programm mit wirklicher Qualität zu setzen“.

Aus einem unverlangt eingesandten Manuskript einer damals 23-jährigen Autorin wurde 1997 der bisher größte Erfolg des Verlages. Der Erstling der unbekannten Schriftstellerin hat sich bis heute rund 400.000-mal verkauft. Mit verlegerischer Spürnase für Neulinge wie in diesem Fall und mit Treue zu bewährten Autoren prägt der Verleger das Gesicht seines Verlages. Im Mittelpunkt des Jubiläumsprogramms (2012) steht der neue Roman eines Autors, den er bereits im väterlichen Verlag betreut hat und der als Autor bei ihm geblieben ist.

Der Verlag, der vier Mal neu gegründet wurde, hat im Herbst 2012 sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei geht er in der Zählung vom Jahr der dritten Gründung aus, weil mit den beiden Vorgängerverlagen nur Namensgleichheit, aber keine Firmenidentität besteht.

Heinold fragt: Wie heißt der Verlag und wo ist sein Sitz?
Antwort an heinold@buchmarkt.de

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