Seit Tagen tobt die Debatte im Feuilleton: Dürfen die „Zehn kleinen Negerlein“ noch „Negerlein“ heißen? Darf die Hexe Hänsel und Gretel kreischend im Ofen verbrennen?
Das Thema hat jetzt auch den Bundestag erreicht, nachdem kürzlich Familienministerin Kristina Schröder(CDU) bekannte, sie würde heikle Kinderbuchpassagen schon beim Vorlesen entschärfen. Die FDP und die Linke fordern nun sogar, dass sich der Kulturausschuss des Parlaments mit dem Thema beschäftigt.
Einzelne Verlage wollen strittige Wörter in Kinderbüchern glätten oder sie haben es bereits getan. Das trifft im Bundestag auf viel Unverständnis, berichtet die 4602114#.UPkV-HeWSHt,Saarbrücker Zeitung unter Bezug auf dpa. Wenn in klassischen Geschichten und Märchen Gewalt verherrlicht, Minderheiten diskriminiert und Vorurteile aufgebaut würden, so der kulturpolitische Sprecher der CDU Jens Börnsen, sei „es trotzdem nicht angebracht, Nachbesserungen vorzunehmen, damit sie unserem Zeitgeist entsprechen“. Gewalt verherrlichende Computerspiele und Filme seien viel schädlicher.
Die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD): „Die Texte sind authentisch, so wie sie in der damaligen Zeit waren. Wir fangen ja auch nicht an, Goethe oder Schiller umzuschreiben.“ Außerdem könne man problematische Begriffe beim Vorlesen erklären.
Die Verlage indes verteidigen laut Saarbrücker Zeitung ihre Haltung. So etwa Klaus Willberg vom Thienemann Verlag, der unter anderem die Kinderbücher von Otfried Preußler (Die kleine Hexe) auflegt. Anlass für die sprachliche Politur ist die kolorierte Neuauflage von drei Preußler-Klassikern zum bevorstehenden 90. Geburtstag des Autors. Ein Vater hatte sich zuvor beklagt, dass seine dunkelhäutige Tochter einen so beleidigenden Begriff in einem ihrer Lieblingsbücher lesen müsse, schreibt die SZ. Familie Preußler stimmte daraufhin den Änderungen zu.