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Amazon-Doku: Situation der Leiharbeiter erreicht die Politik

Die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern bei Amazon sorgt nach der ARD-Dokumentation inzwischen für politischen Wirbel im hessischen Landtag und bei der Arbeitsagentur. Wie der Hessische Rundfunk (hr) berichtet, hat die Opposition im hessischen Landtag die Landesregierung aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. Außerdem habe die hessische Arbeitsagentur heute die Praxis der Beschäftigung von Leiharbeitern in Bad Hersfeld mit scharfen Worten kritisiert.

„Wir fordern die Landesregierung auf, umgehend und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Behörden Überprüfungen des Vorwurfs des Sozialversicherungsbetrugs, dem Einsatz einer offenbar neonazistischen Sicherheitsfirma durch Amazon und der menschenunwürdigen Unterbringung in einer sogenannten Ferienanlage vorzunehmen“, fordert demnach der Abgeordnete der Linksfraktion Hermann Schaus, dem sich SPD und Grüne inhaltlich anschlossen.

Die Landesregierung wies dies zurück. Die Arbeitsagenturen seien für die Überwachung der Leiharbeiter zuständig, ließ sie verlauten. Für das österreichische Unternehmen Trenkwalder mit Sitz in München ist die Arbeitsagentur in Nürnberg zuständig. Diese verschanzt sich mit konkreten Aussagen hinter datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Im Gegensatz zu Amazon [mehr…] hat sich auch Trenkwalder, die laut ARD-Bericht Arbeiter angeworben haben soll und ihnen erst in Deutschland Verträge mit deutlichgeringerer Vergütung vorgelegt haben, bisher nicht geäußert.

Inzwischen hat sich auch die Sicherheitsfirma H.E.S.S. in einer Pressemitteilung auf ihrer Homepage geäußert und weist die Vorwürfe, das „Unternehmen pflege rechtsradikale Ansichten oder unterstütze diese“ zurück. „Wir weisen darauf hin, dass in unserem Unternehmen ständig ein Mitarbeiteranteil von über 30% und in Spitzenzeiten über 70% über einen Migrationshintergrund verfügt. Es handelt sich insbesondere um Mitarbeiter mit türkischen, polnischen, tschechischen oder russischen Wurzeln. Wir beschäftigen Christen, Moslems und Buddhisten. Die Unterstellung einer Rechtsradikalität ist damit nicht zu vereinbaren“, ist dort zu lesen.

Was die Bekleidung betrifft, gibt man sich ahnungslos. „Soweit in der aktuellen Berichterstattung hervorgehoben wurde, dass auf unserer Internetseite Waren der Fa. Commando Industries Textilhandels GmbH aus Helsa verkauft wurden, waren uns bis dato Verbindungen der genannten Firma zu Rechtsradikalismus nicht bekannt“, heißt es. Das Unternehmen kündigt an, man wolle sich von diesen Geschäftsbeziehungen trennen. Das Tragen von Bekleidung der „Marke Thor Steinar“ werde per Dienstanwisung untersagt, wird angekündigt.

Frank Martin, Chef der Hessischen Arbeitsagentur, sieht im Amazon-Fall politische Dimensionen. „Die in einer hr-Reportage gezeigten Verhältnisse beschädigten das Ansehen Deutschlands“, sagt er laut Spieegel-Online. Er sehe die Gefahr, dass dann für andere Bereiche, in denen Leiharbeiter gebraucht würden, weniger zur Verfügung stehen. Er forderte Amazon zur schnellstmöglichen Aufklärung auf.

Übrigens: Nach Ver.di-Angaben gibt es inzwischen Betriebsräte in Bad Hersfeld, Leipzig und Graben. Demnächst soll es einen in Rheinberg geben. Werne, Pforzheim und Koblenz seien bisher ohne Betriebsrat. In den Sozialen Medien war es bereits gestern zu massenhafter Kritik an den Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter gekommen [mehr…].

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