
Im Goethe-Haus in Frankfurt wurde gestern eine ungewöhnliche Faksimile-Ausgabe präsentiert: »Es schläft ein Lied in allen Dingen …« erschien im Wallstein Verlag kurz vor dem 225. Geburtstag des Dichters am 10. März.
Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, stellte die Edition vor und erläuterte gemeinsam mit Dr. Wolfgang Bunzel, Leiter der Handschriftenabteilung, und Dr. Renate Moering, ehemalige Leiterin der Handschriftenabteilung und Herausgeberin, wie die Ausgabe entstanden ist.
Die gegenwärtige heiße Diskussion in der Stadt Frankfurt um geplante Sparmaßnahmen, die auch das Vorhaben Romantik-Museum betreffen, nahm Bohnenkamp-Renken zum Anlass, um auf die seit zwei Jahren laufende Planung für das neue Haus hinzuweisen. Noch in diesem Jahr werde neben dem Goethe-Haus eine Baulücke entstehen, genau an dieser Stelle sei das neue Gebäude gedacht. Es könnte den bestehenden Komplex aus dem historischen Goethe-Haus mit dem Lebensumfeld des Dichters und dem Goethe-Museum, in dem die Gemälde untergebracht sind, perfekt ergänzen und böte die Möglichkeit, die umfangreichen Handschriftensammlungen des Freien Deutschen Hochstifts der Öffentlichkeit zu zeigen. Bisher gibt es dafür keinen Platz, die Sammlungen sind Wissenschaftlern vorbehalten.
„Goethes Idee der Weltliteratur ist eine Idee der Romantik“, stellte Bohnenkamp-Renken fest und schlug damit die Brücke zu Joseph von Eichendorff.
2009 gelang es dem Freien Deutschen Hochstift, drei Gedichtblätter Eichendorffs – jahrelang verschollen geglaubt – aus Privatbesitz zu erwerben. Damit lässt sich entdecken, wie Eichendorff ein Gedicht schreibt. „Seit den 1970er Jahren richtet sich das Interesse der Literaturwissenschaft verstärkt auf die Entstehung von Werken“, bemerkte Bohnenkamp-Renken und verwies in diesem Zusammenhang auf die Verdienste des Stroemfeld Verlags, der die Werke Friedrich Hölderlins in einer historisch-kritischen Ausgabe von D. E. Sattler im Verlauf von über 20 Jahren publizierte und damit ein neues Kapitel bei Faksimile-Editionen aufschlug.
„Eichendorff ist fraglos der beliebteste romantische Autor, eine Ikone der Romantik“, ergänzte Wolfgang Bunzel. Seine einprägsamen Muster, seine melancholische Selbstbefragung beispielsweise auch in der NovelleAus dem Leben eines Taugenichts seien Gründe dafür.
1905 kam das erste „Eichendorff-Schnipsel“ ins Freie Deutsche Hochstift – es war der Beginn eines Puzzles, das im Laufe vieler Jahre vervollständigt werden konnte.
Von 1913 bis 2010 bestand die Eichendorff-Gesellschaft. Sie sammelte parallel zum Freien Deutschen Hochstift Handschriften und übergab nach ihrer Auflösung ihre Bestände an das Hochstift. „Jetzt ist alles in unserem Haus vereinigt“, freut sich Renate Moering.
Daneben gibt es weitere museale Gedenkstätten zu Eichendorff, ein Museum in Wangen im Allgäu, das nach dem II. Weltkrieg aufgebaut wurde, und das erst im letzten Jahr in Neckarsteinach von einer privaten Stiftung eingerichtete Eichendorff-Museum.
Eine Konkurrenz zum Freien Deutschen Hochstift sind beide Einrichtungen nicht.
JF







