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Berlin: Gedenkveranstaltung für Stéphane Hessel in der französischen Botschaft

Ein gelungener Abend zu Ehren von Stéphane Hessel in Berlin: Auf Einladung des französischen Botschafters Maurice Gourdault-Montagne trafen sich gestern zahlreiche Literatur- und Frankreichfreunde in der Botschaft, um des verstorbenen Diplomaten und Autors Stéphane Hessel [mehr…] zu gedenken.

Den Anstoß zu der Veranstaltung mit Hessels deutschen Verlegern hatte Hessel-Biograf Manfred Flügge (Foto) gegeben, der damit sofort auf offene Ohren stieß. Elisabeth Beyer vom Büro für Verlags- und Buchwesen der Botschaft hielt die Fäden in der Hand, der Schauspieler Florian Lukas las aus Hessels Werken. Den Büchertisch teilten sich Patrick Suel von der französischen Buchhandlung Zadig und Jörg Braunsdorf von der Tucholsky Buchhandlung.

Der Romanist und Historiker Manfred Flügge, der seit den 80er Jahren mit Hessel befreundet war, zeichnete ein sehr persönliches Bild. Hessel habe das Leben geliebt, er sei ein großer Spieler und Scherzemacher gewesen, so Flügge, dessen Biografie Stéphane Hessel. Ein glücklicher Rebell 2012 im Aufbau Verlag erschien. Zusammen mit den Verlegern beleuchtete er alle Facetten Hessels – von der Kindheit in Berlin über den Kampf in der Résistance und die Zeit im Konzentrationslager bis zu Hessels Diplomatentätigkeit und den letzten Begegnungen mit ihm in Berlin oder Paris. Eins war allen Rednern gemeinsam: Sie würdigten Hessels tiefe Menschlichkeit, seinen Elan und seinen geistreichen Charme.

Fünfzehn Jahre bevor Stéphane Hessel durch seine Streitschrift Empört euch! auch hierzulande einem breiten Publikum bekannt wurde, waren die früheren Verlegerinnen des Arche Literaturverlags, Elisabeth Raabe und Regina Vitali, auf den Mann mit dem „großen, gewinnenden Charme“ aufmerksam geworden, wie Elisabeth Raabe erzählte. Im Frühjahr 1998 brachten sie Hessels Erinnerungen Tanz mit dem Jahrhundert, übersetzt von Roseli und Saskia Bontjes van Beek, auf den Markt.

Aufbau-Geschäftsführer René Strien erinnerte sich gestern vor allem an einen Mann voller Empathie, Sympathie und Neugier und Edmund Jacoby, der im Verlag Jacoby und Stuart Israel und Palästina. Recht auf Frieden und Recht auf Land, ein Buch von Hessel und Elias Sanbar verlegte, hatte Hessel als „Sohn von Jeanne Moreau“ vor Augen, wie er in Anspielung auf den Film Jules und Jim sagte, der das Leben von Hessels Eltern Franz und Helen thematisiert. Ullstein Verlegerin Siv Bublitz, in deren Haus unter anderem die Streitschrift Empört euch! erscheint, betonte, dass ihr die Entscheidung zur Veröffentlichung dieses Aufsatzes – trotz des Mangels an Umfang – nicht schwer gefallen sei. „Das ist ein Text, den man nicht nur lesen, den man auch besitzen will“, sagte sie.

Abschließend kam Hessel in Ausschnitten des Films Der Diplomat (Starost Filmproduktion) noch einmal selbst zu Wort. „Ich wollte nie bloßer Zeitzeuge sein, ich wollte mich engagieren und habe es auf meine Weise versucht. Denn wir alle sind verantwortlich für den Zustand der Welt“ schrieb Hessel im Geleitwort zu Flügges Biografie. „Also schauen wir nicht weg, wenn Unrecht geschieht, bei uns oder anderswo. Empörung hält jung – die Welt und uns!“

ml

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