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Teurer Unsinn mit sogenannten Adressbüchern

Seit Jahren warnen wir vor Adressbuchbetrügern und Datenbankabzockern – seit Jahren ist das das Internet voll von Erfahrungsberichten im Umgang mit dieser geldgeilen Klientel, die allerdings in einer juristischen Grauzone ihr Unwesen treibt und immer wieder auch juristische Handlanger findet, geprellte „Kunden“ zur Kasse zu bitten.

Die Namen dieser Abzockerfirmen sind klangvoll bis staatstragend (z.B. Fair Guide, Expo Guide oder Gewerbeauskunft-Zentrale, Nationales Markenregister AG. Für einen Überblick auf http://www.computerbild.de/internet-abzocke/ klicken), die Masche ist immer sehr ähnlich. Durch Übersendung eines sehr offiziell, quasi amtlich, aussehenden Formulars (das je nach Klage-Status geändert wird) wird der angebliche Kunde gebeten, einen kostenlosen Grundeintrag über sich oder sein Unternehmen in einer völlig überflüssigen Datenbank, die keiner kennt und die aufgrund ihrer Einträge eigentlich nur über eines Auskunft gibt: wer auf die Masche reingefallen ist, zu ergänzen oder zu korrigieren. Tut man das, unterschreibt man laut im wahrsten Sinne „Kleingedrucktem“ einen zumeist auf zwei Jahre angelegten Vertrag, und der ganze Unsinn kostet um die 1.000 Euro herum.

Angebaggert wird freilich vollmundig (wenn auch grammatikalisch und orthographisch auf bedenklichem Niveau), z. B. so: „Bleiben Sie immer auf dem laufenden, was in Ihrem direkten Mitbewerberumfeld als Gewerbetreibender passiert. Im Bestenfall (sic!) ist man der Konkurrenz (sic!) einen Schritt voraus, aber auch wenn man aufmerksam ist – man muss das Rad nicht immer neu erfinden – man kann auch von anderen Gewerben vieles lernen. Nicht kopieren – das ist zwar eine alte chinesische Kunst – wir sprechen hier von Inspiration.“

Das ist sehr zierlich ausgedrückt – einen halbwegs des Deutschen mächtigen Texter hat man wohl in der eigenen Datenbank nicht gefunden. Und so schön geht es auch weiter: „Es wird vermehrt über die Gewerbeauskunft-Zentrale Düsseldorf gesprochen und auch im Internet findet man einiges an Informationen zu der Gewerbeauskunft-Zentrale Düsseldorf. Die Gewerbeauskunft Zentrale ist ein Portal bei dem sich Gewerbetreibende kostenpflichtig anmelden können. Damit können andere und auch potentielle Kunden über Sie Informationen erhalten.“ Und dann weist man – weiterhin in diesem Stil und der Rechtschreibung eines Erstkläßlers – darauf hin, daß böse Menschen im Internet von Betrug und Abzocke sprechen – ja, Undank ist der Menschen Lohn!

Ist das alles nicht rechts- und sittenwidrig? Ja und nein. Wer genau liest, erkennt dann irgendwann doch, dass er keineswegs einen kostenlosen Eintrag „absegnet“, sondern einen kostenpflichtigen Neuauftrag erteilt und mit seiner Unterschrift seinen Willen bekundet hat, 1.000 Euro zum Fenster rauszuschmeißen. Ob dies zivilrechtlich „überraschend“ oder gar strafrechtlich betrügerisch ist, darüber entscheiden Gerichte mal so, mal so. Kaum jemand hat Zeit und Lust, sich auf einen schwer abzusehenden Prozess einzulassen, und die Mahnungen mit sich stetig erhöhenden Mahnzinsen kommen regelmäßig und irgendwann verliert manch einer die Nerven und zahlt.

Das alles kennen wir seit Jahren, und eigentlich sollte man meinen, daß die Masche bekannt und ausgeleiert ist. Da aber ordentliche Kaufleute bei ordentlich aussehendem Angebot nicht als erstes Betrugsabsichten unterstellen und des Öfteren auch ein wenig in Eile sind, passiert es immer wieder. Schauen Sie auf www.gewerbeauskunft-zentrale.de – dann sehen Sie, wer alles mit einem Tausender dabei ist und rechnen Sie sich den Gewinn aus bei dieser „Dienstleistung“, die freilich nur dem Anbieter Dienst leistet – dem Kunden aber nichts bringt: denn außer bei Opfern ist diese Internet-Auskunftei eher nicht bekannt – und niemand wird jemals Ihr Unternehmen dort suchen – und selbst wenn, wird er bald genervt aufgeben, weil es eine oft versprochene Branchenrelevanz schlicht nicht gibt – es ist halt eine Datenbank voller Zufälligkeiten – böse Zungen sprechen von einem Opferfriedhof.

Bezeichnend (und nachweisbar) für die Nicht-Relevanz dieser Datenbank ist aber folgendes: gibt man z.B. bei Google „Gewerbeauskunft-Zentrale“ ein, hat man erstmal eine Handvoll Warnungen vor dieser Firma auf dem Schirm, man muss schon einiges runterscrollen, wenn man die eigentliche Homepage dieser Zentrale finden will. Was nach Internet-Algorithmen schlicht und ergreifend heißt: Traffic ist auf den Seiten, auf denen man Hilfe gegen die Gewerbeauskunft-Zentrale sucht – auf der eigentlichen Seite, auf der angeblich so heftig gesucht und gefunden wird, ist’s eher ruhig. Deshalb auch ein elendes Ranking.

Mit Freude lasen wir deshalb bei WDR.de: „Allein beim Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) haben sich 5.000 Betroffene gemeldet. Der Staatsanwaltschaft Düsseldorf liegen rund 2.000 Anzeigen vor, sie ermittelt wegen des Anfangsverdachtes des Betrugs. Es könnten noch viel mehr Opfer sein: In der Online-Datenbank stehen zurzeit mehr als 160.000 Einträge.“ Der Absatz darunter allerdings lasen wir allerdings weniger gern, scheint er doch zu zeigen, wie Kriminalität und – sagen wir’s mal so – Rechtspflege Hand in Hand arbeiten: „Der Rechtsstreit mit dem Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität scheint die Firma GWE wenig beeindruckt zu haben. Während sich das Landgericht Düsseldorf, das Oberlandesgericht Düsseldorf und zuletzt der Bundesgerichtshof mit dem Fall beschäftigten, wurden weiter Kunden angeworben.“

Wie gesagt, das alles ist bekannt. Uns interessierte, wie es weitergeht, wenn man denn doch mal aus Versehen unterschrieben hat. Also haben wir unterschrieben. Und dann nicht gezahlt. Und es bis zur Vollstreckung kommen lassen. Weil wir einfach mal sehen wollen, ob sich ehrliche Juristen tatsächlich dazu hergeben, solche offensichtliche Abzocke mit dem Namen ihrer Kanzlei zu adeln. Naja, eigentlich wussten wir auch das schon vorher. Wir wollten nur auch mal die Namen schwarz auf weiß haben. Haben wir jetzt.

Wir werden diesen Anwälten freilich nicht die Freude machen, ihnen hier durch Namensnennung einen schönen Abmahngrund zu geben, zumal man sie im Internet leicht googlen kann.

Man kommt sich aber auch brieflich näher, auch wenn die Geschichte ein wenig einseitig ist: Von einer Kölner Anwältin haben sehr viel unerbetene Post bekommen. Irgendwann dann haben wir über unseren Anwalt der Gewerbeauskunft-Zentrale eine Kündigung zugesandt. Dieses Wort aber scheint man bei den Düsseldorfer Rechtschreibakrobaten nicht lesen zu können – dafür bekommt man, trotz Einschreiben mit Rückschein (Achtung, Leute, noch ein schweres Wort:) nicht einmal eine Eingangbestätigung. Reden wir Klartext: Gekündigt haben wir am 25.4.2013 – heute haben wir: egal. Was aber sofort am nächsten Tag wieder in der Post lag: Eine Mahnung. Und inzwischen eine letzte Mahnung. Ein „Geschäftsgebaren“, das sich selbst kommentiert. Das sogar schon einem rechtschreibgeschwächten Erstklässler erklärlich sein dürfte. Nur einige deutsche Anwälte und Amtgerichte wollen das nicht begreifen.

So daß wir so langsam fragen: In welchem Rechtssystem leben wir eigentlich? Wie kann es sein, daß in einem Land, in dem man als Kassiererin fristlos entlassen wird, weil sie sich widerrechtlich einen Pfandbon von 25 Cent angeeignet hat, derart offensichtlicher Betrug in Millionenhöhe von den Rechtsorganen zumindest billigend in Kauf genommen wird? Sollte es erst soweit kommen müssen, dass man die wunderbare Datenbank dazu nutzt, sich mal zu ein paar Hunderten zu verabreden und Herrn Geschäftsführer Sebastian Cyperski in der Düsseldorfer Hauptstraße 34 persönlich zu fragen, wie er sich nach Erhalt des Geldes die Erbringung einer tatsächlichen Leistung vorstellt? Vielleicht kocht er ja für alle einen Kaffee… Bis dahin gilt: Post von der GWE in den Müll, also auf keinen Fall unterschreiben, und wem es doch passiert ist: Mahnungen ignorieren, und wenn dann ein (echter!) behördlicher Mahn- oder Vollstreckungsbescheid kommt rechtzeitig Rechtsmittel einlegen und warten, ob die sauberen Damen und Herren es im dann eigentlich fälligen Prozess wagen, tatsächlich vor die Augen eines Richters zu treten.

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