
Es war der nationalliberale Politiker Friedrich Naumann (1860-1919), der den Wahlredner Franz Schneider (1875-1946) im Jahre 1904 zum Geschäftsführer des Verlages der Zeitschrift Die Hilfe berief, deren Redakteur von 1905 bis 1912 der spätere erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland Theodor Heuss war.
Franz Schneider machte sich mit Naumanns Unterstützung 1913 in Berlin mit seinem eigenen Verlag selbstständig. Seine erste Autorin war die Kindergärtnerin Sophie Reinheimer mit dem Kunstmärchen „Von Sonne, Regen, Schnee und Wind“. Zu den nach dem Ersten Weltkrieg verlegten Autoren zeitkritischer, politischer und philosophischer Titel gehörten u. a. Gerhard Hauptmann und Ludwig Marcuse. Aber es waren erzählende, spannende Bücher für Kinder, die den Verlagsnamen zum Markenzeichen machten.
„Die Stellung und Rolle des Verlages während der Zeit des Nationalsozialismus ist wenig erforscht. Mit der Machtübernahme … im Jahr 1933 trat offenbar ein radikaler Schwenk in der Programmpolitik des Verlages ein. Heute ist nicht mehr nachvollziehbar, warum ein liberaler Demokrat und seine Frau, die von ihrer Familie als ‚freiheitsliebende Dänin‘ bezeichnet wurde, eine derartige Kehrtwende machten.“
In den drei Westzonen, wohin der Verlag 1947 umgesiedelt war, wurde 1948 kurz vor der Währungsreform die Lizenz zur Wiederaufnahme der Tätigkeit erteilt. Die Witwe des Verlegers, Luise Schneider, baute den Verlag zusammen mit ihren Sohn Franz-Joachim Schneider neu auf. „Von ihm soll der Name Onkel Franz von den Scheiderbüchern stammen, mit dem die Gewinnspielkarten unterzeichnet wurden, die ab Mitte der fünfziger Jahre in jedem Buch miteingebunden waren und eine starke Leserbindung schufen.“
Modernes Verlagsmarketing, ein eigenes Vertriebsnetz in den Nebenmärkten und konsequente Reihenführung begründeten die einzigartige Popularität des Verlages. Der 1953 kreierte Slogan „Kinder lieben Schneiderbücher“ steht bis heute über dem Programm.
1985 verkaufte Franz Schneider sein Unternehmen an die dänische Gutenberghuset-Gruppe (heute Egmont). Die in Köln ansässigen deutschen Egmont-Verlagsgesellschaften übernehmen 2004 den Schneider-Vertrieb. Im Oktober 2007 erfolgte die vollständige Integration in das Kölner Verlagshaus. Die Vorschau inklusive Gesamtverzeichnis „Egmont Kinder-& Jugendbuch Frühjahr 2013“ präsentiert drei Labels: Balloon Egmont, Schneiderbuch Egmont und INK Egmont. Weitere Labels der Egmont-Gruppe sind Egmont Manga, die Egmont Comic Collection (bisher Ehapa Comic Collection), LYX als Spezialist für Erwachsenenunterhaltung, Egmont VGS als Spezialist für Kochbücher, Ratgeber und Sachbücher sowie ab Herbst 2013 die neue Marke Egmont Graphic Novels.
Luise Schneider verstarb im Jahre 1964, ihr Sohn Franz-Joachim Schneider im Jahre 2008.
Die beiden in Anführungszeichen gesetzten Zitate sind der Broschüre „100 Jahre Schneiderbuch- Eine kleine Verlagsgeschichte“ entnommen, die zum Jubiläum erschienen ist.