
Unsere heutige Kopfnuss fragt nach einem Verlag, der nach dem Zweiten Weltkrieg von der Witwe eines namhaften Widerstandkämpfers gegen Hitler gegründet wurde. Ihr Mann wurde 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet. Nach 1945 trat sie als engagierte Politikerin hervor und wurde publizistisch und verlegerisch tätig. Von ihrer Handschrift ist im gegenwärtigen Programm des von ihr gegründeten Verlages keine Spur mehr zu finden ist. Als Imprint eines großen Verlagskonzerns hat er sich auf Gebrauchsliteratur im weitesten Sinne spezialisiert.
Die Geschichte dieses Verlages verlief wechselhaft. Auch in dem erwähnten Konzern hat er erst nach Jahrzehnten seinen heutigen Standort gefunden.
Gegründet wurde er in der unmittelbaren Nachkriegszeit in einer unter dem Viermächtestatus stehenden Stadt und unterhielt eine Zweigniederlassung in einer weiteren wichtigen Verlagsstadt. Die Gründerin war u. a. als Stadtverordnete tätig und wurde Mit-Lizenzträgerin einer SPD-nahe Tageszeitung. Im Verlag dieser Zeitung erschien vorübergehend auch eine der erste Frauenzeitschriften, und deren Namen übernahm sie für ihren eigenen Buchverlag, der mit politischen und pädagogischen Büchern vornehmlich über den Widerstand in der NS-Zeit berichtete.
1961 gab sie dem Verlag ihren eigenen Namen und verkaufte die Verlagsbezeichnung an einen expandierenden Verlagskonzern.
Dessen Politik war in jenen Jahren, seine Tochterverlage jeweils einem Treuhänder zu übertragen, der nach außen hin als Verleger auftrat und dessen Name der jeweiligen Verlagsbezeichnung wie der eines selbständigen Inhabers beigefügt wurde. Der Konzern siedelte den Verlag in einem der norddeutschen Stadtstaaten und später am Sitz der Zentrale an. Der Inhaberzusatz wechselte innerhalb von 12 Jahren fünfmal. In dieser Zeitspanne stand der Verlagsname für Unterhaltungsliteratur und populäre Anthologien. Star unter den Autoren war ein Bergsteiger, Filmemacher und Volkserzähler, dessen Ideenwelt ganz im Gegensatz zu der der Verlagsgründerin stand und der im „Dritten Reich“ auf den Höhepunkt seines Ruhmes gelangte. Er konnte seine Karriere in der Bundesrepublik ungestört fortsetzen, u. a. mit Bestsellern aus dem gesuchten Verlag, der sein Gesamtwerk betreute.
Dass gerade Konzerne zuweilen irrational handeln, lässt sich daran ablesen, dass der gesuchte Verlag 1974 gelöscht und 1976 von ihm in einer süddeutschen Verlagsmetropole neu aus der Taufe gehoben wurde. Er übernahm ein wichtiges Programmsegment jener Verlagsgruppe und führte es unter seinem Verlagsnamen fort. Damit endlich war das Fundament gelegt für das, wofür der Verlag heute steht. Der Imprint-Verlag definiert sich als „breitgefächertes Programm für alle Facetten des modernen Lebens“ und besetzt regelmäßig Spitzenplätze auf speziellen Bestsellerlisten.
Im Ostteil der erst vier-, dann zweigeteilten Stadt wurde im Jahre 1955 unter dem gleichen Namen eine Zeitschrift gegründet, die bis heute erscheint und sich als der „älteste und auflagenstärkste Comic deutscher Produktion“ bezeichnet. Ihr Titel ist auch Bestandteil der Firmierung des sie herausgebenden Verlages.
Heinold fragt: Wie lautet der Begriff, der über dem gesuchten Verlagsprogramm steht und gleichzeitig Titel einer davon völlig unabhängigen Zeitschrift ist?
Mail mit der Lösung bitte an heinold@buchmarkt.de