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Heinold fragte im Juli nach: Mosaik

Die richtige Lösung lautet Mosaik! Hier die zwei Mosaik-Verlagsgeschichten (Ost und West): Mosaik Verlag (Westberlin/Westdeutschland): Der heute zur Gruppe Random House gehörende Mosaik Verlag wurde von Annedore Leber geborene Rosenthal (1904 – 1968) in Westberlin gegründet.

Ihr Mann Julius Leber (1891 – 1944) war Chefredakteur des „Lübecker Volksboten“ und bis 1933 Reichstagsabgeordneter der SPD. In der Nazizeit wurde er politisch verfolgt, zu Gefängnishaft verurteilt, danach in Konzentrationslagern festgehalten und arbeitete nach der Freilassung getarnt im Widerstand. Er wurde schon vor dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 erneut verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und im Januar 1945 hingerichtet.

Annedore Leber war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als SPD-Politikern aktiv und mit Arno Scholz und Paul Löbe Lizenzträgerin der in Westberlin neu gegründeten, der SPD nahestehenden Tageszeitung „Telegraf“. In deren Verlagsgruppe „arani“ erschien kurze Zeit die Frauenzeitschrift Mosaik“. Diesen Namen übernahm Annedore Leber im Jahre 1947 für ihren eigenen Verlag, der seinen Sitz in Berlin und Frankfurt am Main hatte und im Jahre 1961 in Annedore Leber Verlag umbenannt wurde, nachdem sie den Verlagsnamen an das Haus Bertelsmann verkauft hatte.

Karl Ludwig Leonhardt, der damalige Cheflektor des Bertelsmann Leseringes, wandelte den 1961 in Hamburg gegründeten, von ihm treuhänderisch für Bertelsmann geführten „Verlag der Freizeitbibliothek Karl Ludwig Leonhardt“ im Juli 1962 in den „Mosaik Verlag Karl Ludwig Leonhardt“ um. 1963 wurde der Verlag in „Mosaik Verlag Werner Hörnemann“ umbenannt, 1969 lautete die Firmierung „Mosaik Verlag Reinhard Mohn“ mit Sitz in Gütersloh, 1972 wurde die Firma geändert in „Mosaik Verlag Hartmut Panskus“ und zwei Jahre später in „Mosaik Verlag Joachim Scholz“, kurz bevor die Firma laut Bundesanzeiger 1974/138 erlosch. Joachim Scholz war der erste Ehemann der später mit Reinhard Mohn verheirateten jetzigen Konzernchefin Liz Mohn.

In der Hauszeitschrift „bertelsmann report“ wurde im Jahre 1972 die Geschichte des Verlages wie folgt dargestellt: „Im neuen Domizil der C. Bertelsmann Lektorate residiert seit dem 1. Januar 1972 bereits der neugegründete Mosaik Verlag, ein Verlag mit wechselvoller Geschichte. Der erste Mosaik Verlag publizierte Literatur über den deutschen Widerstand. Durch Kauf kam der Verlagsname 1959 zum Hause Bertelsmann. Im Programm des zweiten Mosaik Verlages nahm die gute Unterhaltungsliteratur des In- und Auslandes einen festen Platz ein. Im Rahmen einer Neuordnung der verlegerischen Arbeit wurde er in die Verlagsgruppe Bertelsmann integriert. Der Name Mosaik Verlag wurde vorerst nicht weiter benutzt. Seit Jahren wollte man diesen Verlag wieder aufleben lassen. Unter der Leitung von Hartmut Panskus (zuletzt beim Deutschen Taschenbuch Verlag) wagt der dritte Mosaik Verlag ein Experiment: Er wird mit freien Producerteams – Autor, Lektor, Graphiker – zusammenarbeiten, d. h. in einer Verlagsform der Zukunft.“ (Anmerkung: Der früh verstorbene Hartmut Panskus war u. a. einer der freien „BuchMarkt“-Mitarbeiter der ersten Stunde).

Am 1. Januar 1976 – und nicht am 9.8.1974, wie auf der Internetseite des Verlages angegeben ist – lebte der Verlag in München Verlag unter der Geschäftsführung von Olaf Paeschke und Dr. Gerhard Zorn innerhalb der Verlagsgruppe Bertelsmann wieder auf. Er führte nach einer mir vorliegenden, mit O. Paeschke gezeichneten Hausmitteilung der Bertelsmann AG den 1968 gegründeten Bertelsmann Ratgeber Verlag fort. In der Hausmitteilung heißt es: „Der Mosaik Verlag wird die Lebenshilfe- und Ratgeberthematik weiter ausbauen. Daneben ist die Erweiterung des Programms durch Sachbücher, Bildbände und Geschenkbücher vorgesehen.“ Nach der oben zitierten Zählung des Hauses Bertelsmann ist der gegenwärtige also der vierte Mosaik Verlag. Einer der Erfolgsautoren in der belletristischen Epoche, also im zweiten Mosaik Verlag, war Luis Trenker (1892 – 1990).

Der Verlag wird heute als Imprint-Verlag der Verlagsgruppe Random House GmbH geführt. Mosaik präsentiert sich als „breitgefächertes Programm für alle Facetten des modernen Lebens“. Im Kochbuchsegment sind u. a. Horst Lichter, Tim Mälzer und Eckart Witzigmann vertreten. Weitere Erfolgsautoren sind die „Hundeflüsterin“ Maja Nowak und Martin Wehrle, Autor des Spiegel-Beststellers „Ich arbeite in einem Irrenhaus.“

MOSAIK Verlag (Ostberlin): Die Comic-Zeitschrift „MOSAIK“ wurde 1955 in Ostberlin gegründet und erschien im Verlag Neues Leben. Dieser wurde 1991 aufgelöst und die Zeitschrift ging interimistisch an die Procom Gesellschaft für Marketing und Kommunikation in Berlin über.

Seit 1991 erscheint die Zeitschrift im “MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag“. Dieser veröffentlicht neben der monatlichen Heftserie Alben, Romane und Hörspiele mit den „Abrafaxen“, außerdem das „Zack“-Magazin und eine Gesamtausgabe von „Fix und Fax“. Die Veröffentlichungsrechte an den „Digedags“ – den Vorgängerfiguren der „Abrafaxe“ – liegen beim Buchverlag Junge Welt, der zum Tessloff Verlag gehört.

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