
Der zu Klampen Verlag wird heute 30 Jahre alt. Wenn es eine Gesetzmäßigkeit in der Buchbranche gibt, dann vielleicht diejenige die besagt, dass es mit Gesetzmäßigkeiten so eine Sache ist. Das gilt wahrscheinlich heute mehr denn je. Umso glücklicher kann sich dann wohl schätzen, wer auf dem Buchmarkt noch ein Wörtchen mitreden darf und auch kann. So wie der zu Klampen Verlag, der zu jenen unabhängigen Kleinverlagen gehört, die trotz einer wenig erfreulichen Großwetterlage mit anhaltenden Tiefdruckgebieten keinen Rettungsschirm aufspannen müssen.
30 Jahre – das hört sich nach wenig an und ist doch eine ganze Menge, wenn man bedenkt, in welche Turbulenzen das gedruckte Wort in diesem Zeitraum geraten ist. „Wir haben am Anfang nicht danach geschaut, womit wir in kurzer Zeit viel Geld verdienen können, sondern Bücher gemacht, die es verdient haben, publiziert zu werden“, sagt Dietrich zu Klampen. Das macht sein Verlag zwar immer noch und auch immer noch voller Überzeugung, aber gleichermaßen mit Bedacht und entsprechender Vorsicht.
Denn neben den Veränderungen auf dem Buchmarkt müssen sich zu Klampen und sein Kompagnon Rolf Johannes auch mit einem Paradoxon beschäftigen: „Wir haben gedacht, dass die jahrelangen Erfahrungen uns eine Sicherheit geben, aber genau das Gegenteil ist der Fall.“ Mit jedem neuen Programm wachse die Unsicherheit, was auf dem Markt eine Chance habe. Deutlich wird das an „Winning ugly“. Die deutsche Ausgabe von Brad Gilberts Anleitung zum erfolgreichen Tennisspiel begeistert seit ihrem Erscheinen 1997 eine ständig wachsende Leserschaft und steht auf der Liste der bestverkauften Bücher bei zu Klampen ganz oben.

Das größte mediale Echo hingegen hat die 1992 begonnene Reihe mit Werken Soma Morgensterns hervorgerufen. Keine Geringere als Sigrid Löffler hat die 1995 erschienenen Erinnerungen und Briefe „Alban Berg und seine Idole“ im „Literarischen Quartett“ mit einer Weihnachtsempfehlung geadelt. Der programmatischen Ausrichtung des am 3. August 1983 in Lüneburg von Dietrich zu Klampen, Rolf Johannes und Gerhard Schweppenhäuser gegründeten Verlags entsprachen seinerzeit weder Gilbert noch Morgenstern. Gleichzeitig aber spiegelt sich darin eine Philosophie wieder, die sich neben einer strengen Linie die Lust und Bereitschaft zum Experiment vorbehält. Ein weiteres Beispiel solch erfolgreichen Experimentierens ist die von der Stiftung Niedersachsen geförderte „Lyrik Edition“. Zehn Jahre lang bewies Herausgeber Heinz Kattner dabei ein hervorragendes Gespür für wichtige Stimmen der deutschen Gegenwartslyrik. Allein Nora Bossong, Marion Poschmann und Monika Rinck erhielten später den Peter-Huchel-Preis, Ursula Krechel gar den Deutschen Buchpreis 2012.
Auch der zu Klampen Verlag ist ausgezeichnet worden: 1998 mit dem Niedersächsischen Verlagspreis „in Würdigung seines herausragenden Verlagsprogramms“. Und dieses Programm hat sich über die drei Jahrzehnte hinweg kontinuierlich erweitert. Ursprünglich angetreten, um das Erbe der Kritischen Theorie zu bewahren und aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet publizistisch zu unterstützen, hat der Verlag dann zunächst die Bereiche Philosophie, Gesellschaftstheorie, kritische Theologie, Zeitgeschichte und Politik aufgenommen.
Heute umfasst das Verlagsprogramm zudem Belletristik, Sachbuch, neben Editionen von Soma Morgenstern auch solche von Herbert Marcuse und Ulrich Sonnemann sowie Regionalia und die von Susanne Mischke herausgegebene Reihe regionaler Krimis. Komplettiert wird es durch die viel beachtete Essay-Reihe (Herausgeberin Anne Hamilton) und besagter Lyrik-Edition, die der zu Klampen Verlag nach Übernahme des hannoverschen Postscriptum Verlags 2007 abschloss.
„Wir haben immer versucht, den Verlag professionell zu führen und die Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren“, resümmiert Dietrich zu Klampen nach 30 Jahren verlegerischen Engagements. Der Umzug 2003 von Lüneburg nach Völksen bei Springe markiert insofern einen entscheidenden Wendepunkt, als der Verlag Auslieferung, Satz und Layout sowie das Korrektorat auslagerte. Heute wird der überwiegende Teil der Verlagsarbeit von Völksen aus gesteuert. „Insgesamt hat sich in der Branche in sehr kurzer Zeit sehr viel geändert.“
Verleger Dietrich zu Klampen sieht den Verlag gleichwohl gut gerüstet für die Zukunft, auch wenn der „Bedarf an guten, anspruchsvollen Büchern abnimmt und die größte Herausforderung eines Verlegers heute darin besteht, ein besonderes Buch auch an den Mann zu bringen“. Und was ein gutes Manuskript braucht, um ein erfolgreiches Buch zu werden, weiß der umtriebige Verleger auch: „Glück“, sagt Dietrich zu Klampen und erteilt damit sämtlichen Gesetzmäßigkeiten in der Buchbranche eine Absage. Mit diesem Glück an der Seite blickt er optimistisch in die Zukunft. „Selbstverständlich feiern wir auch den 40. Geburtstag unseres kleinen, unabhängigen Verlages!“
Möchten auch Sie Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Jubiläum“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Teams und/oder Verlegers/GF an redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Jubiläum