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eBuch-Genossenschaft rügt ZEIT-Verlag wegen „peinlicher Diskrepanz zwischen Worten und Taten“

Die Abowerbung der ZEIT

Michael Pohl, einer der beiden Vorstände der eBuch-Genossenschaft, hat sich mit diesem „offenen Brief“ an die ZEIT-Redaktion gewandt, in dem er die „peinliche Diskrepanz zwischen Worten und Taten der ZEIT“ rügt: Ihm stößt bitter auf, dass auch von der ZEIT Kindle -Geräte in der (Abo)Werbung (s. Abb.) eingesetzt werden, obwohl die Bücher für diese Lesegeäte nur bei Amazon erworben werden können.

Eine Antwort der ZEIT-Redaktion liegt noch nicht vor. Hier der Text des Offenen Briefes

Liebe ZEIT-Redaktion

Namens unserer Mitglieder, der Inhaber von über 600 Buchhandlungen, können wir die peinliche Diskrepanz zwischen Worten und Taten der ZEIT nur deutlich rügen.

Ihr ausführlicher Artikel „Amazon. Die entscheidende Schlacht“ ist ein Weckruf an alle begeisterten Leser. Sie sezieren Amazons Monopol-Strategie auf dem amerikanischen Buchmarkt, um dann für Europa und den deutschen Ebook-Markt ähnliches zu konstatieren. Zitat:

Wer auf dem Kindle liest, kauft bei Amazon. Wer sein Lesegerät wechselt, verliert seine Bibliothek.

Der letzte Satz über diesen Konzern, der unsere Kaufkraft abschöpft, im Gegenzug aber nichts zum Gemeinwohl beiträgt, unsere Infrastruktur nutzt, aber bei uns keine Steuern zahlen mag, lautet:

Wenn es gelänge, den Durchmarsch von Amazon in Deutschland zu bremsen, hätte das Signalwirkung für ganz Europa. Es wäre der erste große Gegenschlag: Der Konzern würde den Nimbus des Unaufhaltsamen verlieren.

Diese Aussicht scheint Ihre Marketing-Abteilung ordentlich aufgeschreckt zu haben. Wie jetzt, Amazon nicht mehr unaufhaltsam? Da muss man doch sofort was tun! Und deshalb werben Sie im aktuellen Zeitmagazin neue Abonnenten mit „DIE ZEIT empfehlen und Kindle wählen“. Sogar gereimt, welch schlummerndes Dichtertalent! Da reißt ein von Werbeeinnahmen breitgewordener Hintern mit einem Satz lustvoll ein, was schmale, hungrige Journalistenhände zusammengetragen und zu einem präzisen Argumentationsgebäude fleißig aufgeschichtet haben. Genial!

Jeder Buchhändlerin, jedem Buchhändler sind die beschriebenen Vorgänge in den USA geläufig. Täglich geben sie ihr Bestes, um dieser „tödlichen“ Entwicklung (Ihre Worte!) in Deutschland entgegenzutreten.
Ihre Werbeaktion macht das Bemühen der Buchhändler, dem Steueroptimierer die Stirn zu bieten, leider zu einem Kampf Don Quijotes gegen Windmühlenflügel. Besten Dank an die „Kulturträger“ in der Anzeigen- und Werbeabteilung.

Michael Pohl

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