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Erlbruch begeisterte in Düsseldorf mit James Joyce

v.l. Ulrich Störiko-Blume, Wolf Erlbruch,
Rudolf Müller

Für das Heine Haus in Düsseldorf war es die Wiederbegegnung mit einem Stammgast – für die 120 Besucher der ausverkauften Veranstaltung etwas völlig Neues: Wolf Erlbruch zeigte die Originale seiner Farbkreide-Bilder zu James JoyceDie Katzen von Kopenhagen.

Der große irische Autor, der seine Heimatstadt Dublin ja früh und für immer verlassen hat, war seinem Enkel Stephen in großväterlicher Liebe zugetan. Ein bekanntes und auch auf Deutsch längst erschienenes Zeugnis davon ist die ebenfalls ursprünglich in Briefform verfasste Geschichte Die Katze und der Teufel. Nachdem das Werk von James Joyce im Januar 2012 gemeinfrei geworden war, hat der irische Verlag Ithys Press den Brief aus dem Jahr 1936 unter dem Titel The Cats of Copenhagen in einer exklusiven, limitierten Ausgabe zum Ladenpreis von 1.200 Euro auf den Markt gebracht.

Ulrich Störiko-Blume, Verlagsleiter Hanser Kinder- und Jugendbuch, erzählte, wie der Verlag die Rechte an der skurrilen Entdeckung erwarb. Zunächst sollten die Rechte blind, einfach aufgrund des guten Namens, erworben werden, was der Verlag ablehnte. Dann wurde er am Telefon vorgelesen – bei strengem Mitschreibverbot. Nach mehreren Telefonaten gelang es schließlich, per Fax eine schriftliche Fassung zu bekommen. Nachdem man mit dem Joyce-Verlag Suhrkamp abgeklärt hatte, dass dort kein Interesse bestand, sicherte man sich das Recht, eine neu illustrierte Ausgabe herauszubringen. Harry Rowohlt war schnell gewonnen, dem Text den richtigen Ton zu geben: „Mit Freude unterbreche ich meine Arbeit an einem anderen irischen Zeilenschinder, um mein 175. Buch zu übersetzen“.

Wolf Erlbruch hat es sich nicht leicht gemacht damit, ob und wie er die Geschichte von den Katzen, die es eben in Kopenhagen laut Joyce nicht gibt, ins Bild setzen würde. Seine Papierkörbe hatten viel zu tun. Er hatte die Bilder in einer seiner bekanntern, stets faszinierenden Montagetechniken fertiggestellt – und war doch mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Es war die Unzufriedenheit des Kreativen, die zu einer völlig neuen Fassung führte. An einem Beispielbild zu dem Satz „Außerdem gibt es keine Polizisten“ (in Kopenhagen) hat er das gezeigt: Seine ursprüngliche Fassung zeigt eine raffinierte Szenerie mit einem Elefanten, der einen Mann entführt, eine Frau sitzt an einem Becken, aus dem ein grimmiger Indianer auftaucht, ein unaufgezäumtes Pferd galoppiert davon. In der endgültigen Fassung im Buch sieht man einen auf der Parkbank sitzenden Mann, dem ein Dieb die Brieftasche stiehlt. Weder das eine noch das andere steht bei Joyce. Aber Erlbruch hat es gemalt. Durch ihn wurde aus dem Fundstückchen ein Kunstwerk. Er hat statt joyceanischer Tiefe andere Dimensionen des großen Autors unterstützt: die Leichtigkeit, die freien Assoziationen, den augenzwinkernden Spaß.

Die Buchhändler Selinde Böhm und Rudolf Müller strahlten, die Besucher standen eine Stunde Schlange, um sich die Bücher mit einem kleinen Joyce-Portrait von Wolf Erlbruch signieren zu lassen. Mag es auch in Kopenhagen keine Katzen geben – in Düsseldorf gibt es begeisterte Erlbruch-Fans.

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