Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Bernd Röder, Geschäftsführer des App-Anbieters mChoice, der Mobile Shopping zu den lokalen Buchhändlern bringen will.
Bernd Röder, geboren in Neustadt/Aisch, ist seit 20 Jahren als Consultant im Bereich des Business Process Reengineering National und International tätig und ist Mitbegründer der mChoice AG.
Bernd Röder, erklären Sie mal Ihre App, und zwar so, dass jeder sie versteht!

Bernd Röder: Die lChoice App ist eine Smart-Shopping-App, mit der der Kunde Produkte jeglicher Art beim Händler seiner Wahl kaufen kann. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, mithilfe der App an jedem Point of Attention zu kaufen, dabei übernimmt der QR-Code eine zentrale Funktion – getreu dem Motto: bei wem immer, wo immer, wann immer. Sie müssen sich das wie eine virtuelle, mobile Markthalle vorstellen, in der stationäre Händler und mobile Kunden digital Handel treiben. Dabei wandert die Ladentheke überall dahin, wo ein EAN- oder QR-Code Platz hat.
Es gibt doch mobile Shopping Apps wie Sand am Meer?
Bernd Röder: Die Multipartnerschaft ist das Besondere. Ich als Kunde habe es lieber, wenn ich auf einer App mehrere Händler ansprechen kann, als wenn ich nur bei einem kaufen kann. Die Technologie und die Nutzung der vorhandenen Marktstrukturen erlauben es zudem neben den bekannten Qualitätsmerkmalen des Onlinekaufs – Lieferservice und Preis – ein weiteres Merkmal „Dienstleistung“ hinzuzufügen, welches vor allem von den zentral organisierten Marktteilnehmern nicht geleistet werden kann. Wir präsentieren Angebote sozusagen „mundgerecht“.
Der Kunde kann auch entscheiden, ob er sich das Buch zusenden lässt oder beim Händler des Vertrauens abholt?
Bernd Röder: Ja, es gibt verschiedene Lieferformen. Die eine ist der klassische Versand ins Haus, die andere der Bezug im Ladenlokal. Wir haben großes Interesse daran, dass das Vertrauen, die Verbindung des Kunden zu seinem Händler bestehen bleibt.
Buchhändler wissen manchmal selbst nicht, ob sie ein bestimmtes Buch im Laden stehen haben – wie soll es Ihre App wissen?
Bernd Röder: Das gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wir optimieren durch Einbindung von VlB und Großhandelskatalogen unsere Datenqualität laufend.
Wenn aber der Buchhändler keine Warenwirtschaft hat oder diese schlecht pflegt oder keine Übersicht über seinen Laden hat…
Bernd Röder: Der Buchhändler muss seine Bestandsinfo liefern. Daten, die nicht im Markt sind, können wir natürlich nicht einbinden.
Kann man als Kunde reservieren?
Bernd Röder: Das soll ein Feature werden, das der Händler optional von uns beziehen kann.
Wie läuft da die Kommunikation zwischen Kunden und Händler?
Bernd Röder: Der Kunde reserviert über die App, der Händler sieht die Reservierung über sein Dashboard und bekommt zusätzlich eine E-Mail, es wird aber auch Schnittstellen zu den Warenwirtschaften geben.
Wenn der Kunde dann zum Abholen in den Laden kommt – hat er dann schon bezahlt?
Bernd Röder: Das hängt ganz vom Händler ab. Die App bietet momentan Lastschrift und Vorkasse an. Weitere Zahlungsformen sollen folgen. Wenn der Kunde nicht vorauszahlen möchte oder der Händler nicht für Payment optiert hat, zahlt der Kunde im Laden.
Es gibt Hunderte Payment Service Provider im Markt. Ein Kunde, der über die App bei mehreren Händlern kauft, muss damit rechnen, dass jeder Händler unterschiedliche Zahlarten anbietet.
Bernd Röder: Das wollen wir natürlich vermeiden. Der Kunde will natürlich eine einheitliche Erfahrung haben. Wir müssen jedenfalls die Qualitätsmerkmale der heute üblichen Zahlungsformen bereitstellen.
Und wenn dem Kunden das gelieferte Buch plötzlich nicht gefällt?
Bernd Röder: Dann schickt er es zurück. Da ändert sich nichts gegenüber dem bekannten Prozess.
Der Kunde könnte auf den Gedanken kommen, ein zugesandtes Buch im Laden zurückzugeben – was dann?
Bernd Röder: Das funktioniert – wenn er das möchte, kann er das. Wir stellen keine Logistik zur Verfügung, wir treten auch nicht als Händler auf, sondern stellen Funktionalitäten zur Verfügung, von denen Kunden und Händler profitieren. Wir zielen auf Convenience, auf Bequemlichkeit ab und versuchen, die Kunden, die aus Bequemlichkeit ins Internet abgewandert sind, zum Händler zurückzubringen. Zu dieser Bequemlichkeit gehört im Gegensatz zum Buchhandlungs-Webshop eine multichannel-fähige App, die dem Kunden die Wahl lässt zwischen verschiedensten Händlern.
Haben Sie Beispiele für solche Features, die zusätzlichen Sinn stiften und die der Internethandel nicht beherrscht?
Bernd Röder: Etwa Community Features, z.B. Erstsemester-Listen in Unibuchhandlungen oder in der App von uns hinterlegte Bestsellerlisten, von denen ich direkt bestellen kann.
Das kann der Internethandel auch.
Bernd Röder: Aber Sie als Student haben die Restriktion, dass Sie im Webshop sein müssen. Wir versorgen den Unibuchhändler mit QR-Codes, die der Student scannt. Auf diesem Weg kommt er vom PoS ohne Umwege in die App und kann bestellen.
Der Buchhändler produziert also die Erstsemester-Liste und zeigt sie dem Kunden, der bestellt dann per QR-Code?
Bernd Röder: Genau! Das ist eines der Szenarien. Weitere Szenarien sind partnerspezifische Bestsellerlisten.
Wie kommt lChoice bislang an?
Bernd Röder: Seit August sprechen wir in größerem Stil Händler an. Bislang ist der Response gut.
Welches Vertriebsziel haben Sie sich selbst gesetzt?
Bernd Röder: Die Einstiegshürden für Händler sind niedrig, bis zur Buchmesse wollen wir eine signifikante Zahl von Buchhändlern auf der Plattform haben.
Was ist signifikant?
Bernd Röder: Signifikant bedeutet für uns eine gewisse Abdeckung, damit wir in die Endkundenwerbung gehen können.
Spielen Händler anderer Branchen schon eine Rolle auf lChoice?
Bernd Röder: Wir werden andere Branchen ansprechen, denn wir sind überzeugt, dass der Mehrwert der App erst dann wirklich spürbar ist, wenn mehrere Sortimente darauf sind.
Rettet lChoice den mittelständischen Buchhandel vor dem Vordringen des Internets in den Handel?
Bernd Röder: Die Frage können wir nicht beantworten. lChoice kann dem Händler helfen, verlorene Kunden wiederzugewinnen und solche Kunden zu halten, die über Internetshopping nachdenken. Wenn ein Buchhändler nichts tut, wird lChoice die Kohlen nicht aus dem Feuer holen. Aber lChoice kann ein Werkzeug für den Buchhandel sein, einen neuen Kanal zu öffnen, der in Zukunft eine Rolle spielt. Der Kanal ist wichtig.
Was kann der Buchhändler durch Marketing im Umfeld von lChoice letztlich bewirken?
Bernd Röder: Es gibt Händler, die über die Plattform gut verkaufen, weil sie was dafür tun – durch Nutzung der QR-Codes, z.B. im Umfeld von Events oder in Printkatalogen. Wir können partnerspezifische QR-Codes generieren, die dem Kunden vorschlagen, vorzugsweise bei ihm zu kaufen. Er kann auch die App als solche bei seinen Kunden bewerben. Es besteht viel Freiraum für neue Ideen.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, E-Commerce-Unternehmen, Buchhändler und Dienstleister bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Stammdaten und deren Qualitätssicherung sind sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.







