
Bereits zum dritten Mal findet parallel zur Buchmesse an zwei Tagen die Self Publishing Fair for Design and Art im Frankfurter Museum Angewandte Kunst statt. Mitveranstalter ist der Design-Verein Frankfurt.
Auf Konferenzen, in Vorträgen, Gesprächen, Ausstellungen und Foren werden am 11. und 12. Oktober unter dem Titel In Production Grenzen zwischen Gestaltung und Druck ausgelotet.
Etwa 30 junge Verlage zeigen ihre anspruchsvoll gestalteten Bücher, Zeitschriften und Fanzines.
Einer der renommierten Gäste war heute der Verleger Gerhard Steidl aus Göttingen. Mit ihm unterhielt sich Jakob Hoffmann.
Jährlich, erläuterte Steidl, bekomme er über 1500 Entwürfe für neue Bücher. Etwa fünf bis zehn blieben davon übrig. Außerdem sei beim Steidl-Verlag in 40 Jahren einen Autoren- und Künstlerstamm gewachsen. Daraus kämen viele Vorschläge.
Man könne von einem kuratierten Buchprogramm sprechen, genauso, wie es kuratierte Buchhandlungen gebe – jenseits der Stapelware. Das Verlagsprogramm, allein der Katalog werde von den entsprechenden Buchhandlungen sehnsüchtig erwartet und hoch geschätzt, weist eine große Bandbreite auf.
„Ich drucke nach 35 Jahren auch immer noch die Tarifverträge für Volkswagen“, fügte Steidl hinzu. Das sei seiner sozialistischen Einstellung geschuldet.
Die Idee, sich mit Druckgrafik zu beschäftigen, lieferte übrigens ein Katalog zur Andy–Warhol-Ausstellung 1968 in Stockholm. „Diese Art, auf Zeitungspapier zu drucken, ganz einfach, hat mich fasziniert“, gestand Steidl. Von Joseph Beuys habe er ebenfalls gelernt, das Einfache zu schätzen.
Mit 18 Jahren gründete Gerhard Steidl seinen eigenen Verlag, hatte zunächst zwei Angestellte und beschäftigte sich mit Siebdruck und Lithografie. Den Verkauf übernahm er selbst. „Das war mühsam“, bekannte er. Bücher seien besser, da müsse sich der Buchhandel mit den Kunden herumschlagen, meinte der Unternehmer.
Er kaufte selbst Druckmaschinen, weil er sich über die Arbeit der Druckereien geärgert habe, die Steidls Ansprüchen nicht genügte.
2010 erschien der Film How to Make a Book With Steidl von Gereon Wetzel und Jörg Adolph. Ein vierminütiger Ausschnitt vermittelte einen Eindruck über die Herangehensweise des Verlegers. Der Film läuft inzwischen weltweit erfolgreich.
Drei oder vier Künstler seien jede Woche im Verlag, „es ist eine Arbeit wie im Kloster, die Kneipe ist tabu“, erklärte der Verleger. Gutes und leichtes Essen gebe es, seit der Freund Günter Grass 1999 den Nobelpreis für Literatur erhalten habe und Geld gab, um einen Koch einzustellen, verriet Steidl.
Steidl-Bücher seien, so schätzte Jakob Hoffmann ein, schon ein Luxusgut. Der Verleger stimmte dem zu, bemerkte allerdings, dass sich erstaunlicherweise teure Bücher besser verkauften. Oft würde ohnehin nur eine Auflage gedruckt, das wüssten die Kunden. Und diese Produkte seien auch eine Wertanlage. „Es ist ein pervertierter Buchmarkt, wenn man daran denkt, dass früher Bücher der Aufklärung dienten“, bemerkte Steidl allerdings.
Die Druckindustrie habe heute keine Spielräume mehr, Kenntnisse über Papiere seien kaum noch vorhanden. Kleine, engagierte Druckereien seien meist nicht überlebensfähig. „Durch standardisierte Abläufe geht viel verloren. Zum Drucken braucht man Zeit“, erklärte Steidl. In seinem Verlag würden tausende Papiere lagern, das sei sehr wichtig beim gegenwärtig schrumpfenden Papiermarkt. Kleine Papierfabriken bemühten sich um Qualität, aber es sei zunehmend schwierig, zu bestehen.
„Vielleicht sollten sich kleine Verlage gemeinsam einen guten Drucker suchen“, schlug Gerhard Steidl, der sich vorher an den Ständen umgesehen hatte, vor. Solche Verlage hätten gerade in der Krise eine Chance, gut gemachte Bücher seien gefragt, Massenware gäbe es genügend im Internet.
JF







