Das 1990 gegründete Netzwerk „BücherFrauen e.V. – Women in Publishing“ hat die Münchener Verlegerin Antje Kunstmann zur „BücherFrau des Jahres“ gewählt. Die Auszeichnung wurde in Form einer Urkunde durch Valeska Henze, Vorsitzende der BücherFrauen e.V., während der Buchmesse übergeben, die Laudatio hielt Claudia Baumhöver.
„Was für eine Woche: Alice Munro bekommt den Literaturnobelpreis, Swetlana Alexijewitsch den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, Terézia Mora den deutschen Buchpreis. Und Antje Kunstmann wird – endlich – BücherFrau des Jahres.“ Mit dieser Aufzählung leitete Claudia Baumhöver, Chefin des Hörverlags, ihre Laudatio zur Ehrung von Antje Kunstmann auf der „Women in Publishing-Party“ auf der Frankfurter Buchmesse ein. „Hochverdient“ sei diese Auszeichnung, so Baumhöver, unter anderem aufgrund der Tatsache, dass Antje Kunstmann bereits Anfang der 1970er-Jahre eine Reihe „Materialien zur Frauenemanzipation“ herausgab.

Antje Kunstmann studierte Pädagogik, Philosophie und Soziologie in Frankfurt und München. Zu ihrem heutigen Beruf kam sie eher zufällig „auf der Flucht vor einer Karriere als Grundschullehrerin und auf der Suche nach einem interessanten Leben“, wie die Laudatorin das Publikum einweihte. Der Rest sei Geschichte: Antje Kunstmanns „unbedingter Glaube an die Magie der 26 Buchstaben und an die selbstverständliche Notwendigkeit, eine Haltung zu haben“ führte den Kunstmann Verlag zu immer neuen Erfolgen. Ökonomisch werde der Verlag nicht mit Excel-Tabellen oder Sinus-Milieus geführt. Entscheidend sei vielmehr die unabhängige Entscheidung und das „Beharren darauf, Werke zu verlegen, die man lesen sollte, nicht solche, die der Leser erwartet“. Auch der Mensch Antje Kunstmann wurde gewürdigt, eine fast angelsächsische Lakonie, Kommunikationsfähigkeit und ihre legendäre Gastfreundschaft hätten einen großen Anteil daran, dass sie „einer der bestinformierten Menschen der Branche“ sei, so Claudia Baumhöver, die auch privat mit der Verlegerin befreundet ist.
Antje Kunstmann bedankte sich für die Wahl zur BücherFrau des Jahres und betonte, wie wichtig es sei, dass es solche Netzwerke auch unter Frauen gebe. „Männer machen das seit Jahrtausenden – da gibt es noch einiges aufzuholen!“ Mit ihrer eigenen Lebensleistung sei sie durchaus zufrieden, gab sich entspannt und zitierte aus einem von ihr verlegten Band mit Karikaturen: „Man kann auch keine Kinder kriegen und keine Karriere machen.“