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Peter Härtling (80)

Peter Härtling

Peter Härtling wird heute 80 Jahre alt. Hans-Joachim Gelberg gratuliert dem Autor und ehemaligen Mitglied der Geschäftsführung bei S. Fischer (1968 – 1973) zum runden Geburtstag:

Von den Anfängen, seinen eigenen wie den fremden, hat er immer wieder erzählt. Er ist ein Erzähler, ein Lyriker, ein Wanderer, unterwegs in erlebten Welten. Seine Romane sind vor allem Lebensbilder ohnegleichen, sind nachgetragene Liebe zu Menschen, die er schreibend sich und uns nahe bringt. So ist er immer wieder auch den eigenen Spuren gefolgt. Auch in seinen Kinderbüchern erzählt er von seiner Kindheit, die ja eine bittere Kriegs- und Flucht-kindheit ist. Doch führt er seine jungen Leser darüber hinaus ins Eigene. Im Mittelpunkt ste-hen immer wieder Kinder in entscheidender Phase ihres Lebens. Diese Kinder heißen Ben und Anna, Fränze, Theo, Jakob und Paul. Mit dem Sorgenkind Hirbel, der Hauptfigur des ersten Kinderbuches, beginnt Peter Härtling 1973 seine nun schon vier Kinder-Generationen prä-gende Literatur für Kinder. Das Erzählen um Kalle und seiner Oma wird 1976 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Sie sind jung geblieben, diese Kinder, während ihr Autor nun alt ist.

Eigentlich hat alles schon früher angefangen, 1969 mit seiner Rede „Die Wirklichkeit der Kinder“. Darin als Beispiel die Tagesläufe der eigenen Kinder. Also erlebter Kinderalltag, wie Kinder zur Sprache finden. Ich spürte die Möglichkeit, daraus Literatur zu machen. So begann sich Peter Härtling auch der Kinderliteratur anzunähern. 1970 erschienen seine Tagesläufe mit Kindern „Und das ist die ganze Familie“. Kein Erfolgsbuch, aber sozusagen der Auftakt zu kommenden Erfolgen. Die Kinderliteratur veränderte sich Anfang der siebziger Jahre tiefgrei-fend und öffnete sich der sozialen Phantasie. Seiner theoretischen Auseinandersetzung folgte nun auch das Erzählen von Alltag, Sorgen und Lieben der Kinder. Du darfst dich nicht klein machen als Autor, forderte Härtling, nimm deine Leser und ihre Phantasie ernst. „Und das in einer Sprache, die Empfindungen nicht verkleinert.“

Autoren und Autorinnen, die in der sogenannten großen Literatur zu Hause sind und gleich-zeitig auch für Kinder schreiben und dichten, haben es sicher nicht leicht. (Die Literaturkritik auch nicht.) Peter Härtling ist einer der wenigen Autoren, dem dieser Spagat in ganz besonde-rer Weise gelungen ist. Vielleicht hilft ihm dabei seine Nähe zum Kindlichen. Oft spricht er von der Suche nach dem Kind, das er einmal war. Sein bisher letztes Kinderbuch – es ist vor wenigen Wochen erschienen – heißt „Hallo Opa – Liebe Mirjam“ und ist eine Geschichte in E-Mails, ein Miteinander von Großvater und Enkelkind per Internet. Darin auch die Rückbe-sinnung an die eigene Kindheit: „Du kannst dir nicht vorstellen, wie besessen ich gelesen ha-be. Ich fühlte mich von der Welt ausgestoßen und las mich in eine andere Welt hinein.“

Nun ist Peter Härtling 80 Jahre alt. Vorausgreifend hat er einmal erklärt: „Es gibt eine Lieb-lingsfigur in den Kinderbüchern, und das ist kein Kind, das ist der alte John. Den lieb ich be-sonders, und ich hoffe, dass ich – wenn ich in die Greisenjahre komme – ein bisschen von dem habe, was der alte John hat, die Kindlichkeit, auch ein Stück Weisheit, Frechheit, Frische, das wünsche ich mir.“ Das wünschen wir ihm auch!

Hans-Joachim Gelberg

Glückwünsche über f.hoffmann@beltz.de

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