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Gute Stimmung bei der Verleihung des Dänischen Übersetzerpreises

Eine fröhliche Veranstaltung gestern Abend in Berlin: Im Felleshus der Nordischen Botschaften nahmen Ulrich Sonnenberg und Peter Urban-Halle den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Übersetzerpreis des Dänischen Kunstrats [mehr…] entgegen.

Diplomaten und Übersetzer hätten mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick annehmen könnte, sagte Botschafter Per Poulsen-Hansen. Beide müssten Vermittler sein, und beide könnten ihre Botschaften meist nicht eins zu eins wiedergeben. „Übersetzer und Botschafter werden gebraucht, damit wir uns besser kennenlernen und verstehen“, sagte er.

Robert Zola, Ulrich Sonneberg, Grethe Rostbøll, Peter Urban Halle (v. l.)

Grethe Rostbøll, die Vorsitzende des Literaturausschusses des Dänischen Kunstrats und frühere Kulturministerin erklärte, dass der Preis seit zehn Jahren jeweils in ein anderes Sprachgebiet vergeben wird. Zum ersten Mal erhielt 2004 mit Gisela Perlet ebenfalls eine deutsche Übersetzerin die renommierte Auszeichnung. Die Rostocker Übersetzerin von Klassikern wie Søren Kierkegaard und Hans Christian Andersen starb 2010. Im vergangenen Jahr ging der dänische Übersetzerpreis an zwei russische Übersetzer: Elena Krasnova und Anatolij Tjekanskij.

Ulrich Sonnenberg und Peter Urban-Halle hätten sich mit Übersetzungen klassischer und moderner dänischer Werke ins Deutsche ausgezeichnet und leisteten als Literaturvermittler wesentliche Arbeit, um die dänische Literatur innerhalb des deutschen Sprachgebiets zu fördern“, heißt es in der Begründung des Kunstrats. Und nicht zuletzt hätten sie sich an der Förderung neuer, wichtiger Übersetzungstalente beteiligt.

Die beiden Preisträger konnten sich gestern Abend nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Sie mussten arbeiten und die Laudationes von Grethe Rostbøll und Robert Zola Christensen übersetzen, was ihnen aber sichtlich Freude bereitete. Ulrich Sonnenberg aus Frankfurt wurde dafür gelobt, dass er das Übersetzen zu einem Kunstwerk mache. Auch sei er ein guter Kenner der dänischen Szene, da er nach seiner Buchhändlerlehre einige Jahre in einer deutschen Buchhandlung in Kopenhagen gearbeitet habe. Der Berliner Peter Urban-Halle, der auch als Kritiker und Moderator arbeitet, wurde für seine Vielseitigkeit geehrt. Er wage sich auch an Lyrik und habe gerade zusammen mit seiner Frau Francoise Hynek Jahreszeiten der französischen Küche (Wagenbach) veröffentlicht. Kochbücher seien bei unseren nordischen Nachbarn sehr beliebt, so Grethe Rostbøll,

Vor der Preisverleihung konnte sich das Publikum bei einer Lesung für zeitgenössische dänische Literatur begeistern lassen. In der von Ulrich Sonnenberg moderierten Veranstaltung stellte Anna Grue ihre Krimiserie mit dem Detektiv Dan Sommerdahl vor, die in ihrer Heimat längst auf den Bestsellerlisten steht. Jetzt liegt der erste von mittlerweile sechs Bänden auch auf Deutsch vor: Die guten Frauen von Christianssund (Atrium).

Jonas T. Bengtsson aus Kopenhagen präsentierte seinen neuen Roman Wie keiner sonst (Kein & Aber), eine berührende Erzählung über ein Leben am Rande der Gesellschaft aus Sicht eines Kindes. Anna Grue und Jonas T. Bengtsson lasen jeweils eine kurze Passage auf Dänisch, ihre Übersetzer Ulrich Sonnenberg bzw. Frank Zuber auf Deutsch.

Preisverleihung und Lesungen fanden im Rahmen eines zweitägigen Übersetzerseminars für angehende Übersetzer aus dem Dänischen statt, das heute zu Ende geht.

ml

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