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Ein Mann ruft bei einem beliebten Radio-DJ im Studio an und sagt: „Ich habe gerade einen Geldbeutel mit 100.000 Euro gefunden. Er enthält auch den Namen und die Adresse des Besitzers.“
„Und?“, fragt der DJ. „Was sollen wir jetzt tun?“
„Wären Sie so freundlich und würden für den Mann ein Lied spielen?“
[Und hier das Extra von Oliver Thomas Domzalski. Der Programmleiter Humor im Carlsen Verlag hat am Samstag vor Weihnachten „Feldstudien“ gemacht und in einer Buchhandlung ausgeholfen. Lesen Sie seine Erfahrungen über „Frauen, Männer und Humor und die komplizierte Welt des Bücherschenkens“:
Als Lektor für Humorbücher frage ich mich fast täglich, wie man Bücher, die für Männer gedacht sind, an den beiden überwiegend weiblich besetzten Schaltstellen vorbeischmuggelt, die ihr Einverständnis geben müssen: der Buchhändlerin, die das Buch in den Laden nehmen muss, und der Schenkerin. Das verlangt den beteiligten Frauen eine gewisse Größe ab. Oder sind das alles nur Vorurteile, mit denen ich mir schlechte Verkaufszahlen erkläre?
Vor Weihnachten wollte ich es genauer wissen und half aus Neugier am Samstag vor Heiligabend am Humorregal einer größeren Buchhandlung im Hamburger Umland aus. Was für eine interessante Erfahrung! Männer betraten die Buchhandlung fast ausschließlich in weiblicher Begleitung. Vor das Humorregal gerieten sie aus drei möglichen Gründen:
1.) Die Partnerin wollte in Ruhe Geschenke aussuchen, weshalb er alleine herumlaufen durfte und entweder beim Sport oder beim Humor hängenblieb. Dort wollte er aber nicht beraten werden, sondern „nur mal für mich gucken“. Einfach mal für sich selbst etwas zu kaufen, wagte keiner – er hätte seine Auswahl ja vor ihr als der Chefin dieses Einkaufsbummels rechtfertigen müssen.
2.) Die Partnerin stand vor dem benachbarten Regal mit den Romanen und der Mann drückte sich, wenn die Leine lang genug war, am Rand des Humors herum – mit derselben verstohlenen Körperhaltung, mit der Männer in einen Fernseher mit Fußball oder in die Auslage eine Sexshops linsen, wenn sie in Frauenbegleitung sind. Und mit dem entsprechend tadelnden Gesichtsausdruck zog ihn seine Erzieherin auch wieder von dort weg, sobald sie bei der Belletristik fertig war.
3.) Das Paar suchte das Humorregal gezielt auf, um ein Geschenk auszuwählen – meist für einen Mann oder eine(n) Jugendliche(n). Dann geschah in der Regel Folgendes: Ich empfahl ein passendes Buch – also etwa einen Cartoonband für einen erwachsenen Mann oder ein Buch von Youtube-Comedians für die Teenagerin. Der Mann nahm das Buch in die Hand, blätterte kurz, lachte und stimmte zu – offensichtlich erleichtert, dass es so schnell und einfach ging. Dann nahm die Frau das Buch in die Hand, blätterte etwas länger darin, las 2-3 Sätze – und schüttelte den Kopf. Damit war die Sache entschieden. Nach der Logik: Ich mag das nicht – also isses auch nichts für Onkel Alfred. Und für mein Kind erst recht nicht. Einmal begehrte ein besonders mutiger Mann auf – ging es doch um ein Geschenk für s e i n e n Freund. Nach dem Kopfschütteln der Frau wagte er also den Satz: „Also ich würde mich freuen, wenn ich so ein Buch geschenkt bekäme.“ Aber er hatte keine Chance. Sie mochte nun mal keine Cartoons.
Eltern fragte ich irgendwann gleich am Anfang, ob es ein pädagogisch wertvolles Geschenk sein oder ob das Kind sich freuen solle. Verstohlenes Grinsen der Väter – aber gegen den Erziehungsdrang der Frauen half auch diese kecke Frage nicht.
Abgerundet wurde die Geschichte aber erst zwei Tage später: Ein Kollege, der meine Beratung miterlebt hatte, bediente ein Paar, dass offenbar erst seit kurzem zusammen war und Geschenke für die Patchwork-Kinder im Teenie-Alter suchte. Wie zu erwarten, lehnte die Frau die Vorschläge des Buchhändlers und ihres Partners ab. Der Buchhändler nahm seinen Mut zusammen und erzählte, er erlebe es häufiger, dass Frauen nach ihrem eigenen Geschmack auswählten statt nach dem des Menschen, der beschenkt werden solle. Die Frau verschränkte beleidigt die Arme. Ihr Begleiter aber sagte wie aus der Pistole geschossen: „Ja, deshalb hab ich mich von meiner ersten Frau scheiden lassen.“
Eine dermaßen blitzartige Armbewegung wie die der Frau zum vorher von ihr abgelehnten Y-Titty-Buch, erzählte mir der Buchhändler, habe er im Leben noch nicht gesehen.
Oliver Thomas Domzalski