
Seit Nikolaustag fragen wir wieder bis zum 6.1. 2014 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Hans Jürgen Balmes, Programmleiter Internationale Literatur bei S. Fischer, unseren „anderen“ Fragebogen .
1
Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Donnerstag, 10.10, 13.00 auf der Buchmesse. Alle Handys sagen, dass Alice Munro die Literatur-Nobelpreisträgerin 2013 ist, aber die Presse ist noch woanders. Es ist ein stiller Moment, die Kolleginnen klatschen, irgendwo knallt der Sekt, aber der Augenblick ist wie angehalten, jeder denkt an seine Lieblingsgeschichte. Und dann klatscht die Welt und die Kameras und Mikrophone sind da.
2
Worüber haben Sie sich 2013 am meisten geärgert?
Ärgern steht nicht in meinem Bewerbungsprofil.
3
Was war 2013 Ihr schönster Erfolg?
Taiye Selasi kennengelernt zu haben und zu verstehen, wie der Afropolitanismus funktioniert. Ein Restaurant in Stuttgart macht zu (mir scheint, die machen da öfter zu als auf), aber die Freundin von Sékou, dem Rapper aus den „Freundeskreis“, kennt jemand um die Ecke, der seinen Koch aus der Straßenbahn zurückbeordert. Wir bekommen die besten Spaghetti des Jahres. – Außerdem: zwei Sekunden auf dem Surfbrett stehen, bevor die Welle mich wieder holt.
4
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Warum liest keiner mehr Italo Calvino? Er ist so lustig und gescheit und er wiederholt sich nie (und das sind jetzt schon drei Eigenschaften, wegen denen ich die GEZ nicht zahle – was ist im Fernsehen schon lustig, gescheit und keine Wiederholung?).
5
Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Das Lesecafé hier in Frankfurt um die Ecke vom Verlag – und als Verlag: Matthes und Seitz, der Äpfel von Herrn Korbinian Aigner wegen (aber nicht nur).
6
Von welchem Thema wollen Sie im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Von dramatischen Veränderungen im Markt, im Handel, in der Welt –
7
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Von dramatischen Veränderungen im Markt, im Handel, in der Welt –
8
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie nächstes Jahr vermeiden?
Der Versuch, alle Mails zu lesen —
9
Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Den Versuch, alle Mails zu lesen —
10
Welches Buch hat Ihnen dieses Jahr besonders viel Freude gemacht?
Patrick Leigh Fermors „Die unterbrochene Reise“. Zwei Teile der legendären Wanderung von Holland nach Konstantinopel kannten wir und dachten, Fermor würde ewig mit Band 2 vor der Eisernen Pforte der Donau stehen bleiben und seinen Reisebericht nie vollenden. Aber nein, dank der Verlegerin Sabine Dörlemann und dem Übersetzer Manfred Allié wissen wir: Seine Reise führte ihn schlussendlich auf den Berg Athos: „In dieser beschwingten und verzauberten Gesellschaft vergingen die Tage im Wald wie im Flug.“
11
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im kommenden Jahr?
Wenn Sie es wissen, würden Sie es mir sagen? Zuschriften bitte an: hans.balmes@fischerverlage.de! Der Gewinner wird zu einem Cappuccino ins Café Fellini eingeladen. Bis die Ergebnisse eintreffen: Ich habe eben erst die letzten Korrekturen bei Anna Funders „Alles, was ich bin“ eingetragen und Anja Johannsen, unsere Herstellerin, hat die letzten Unklarheiten entdeckt: Ein Roman über Ernst Toller (ja, wirklich), der eine Zeit lebendig macht, die wir nur aus den Dioramen der Geschichtsbücher kennen: der Widerstand, die Flucht, das Exil. Wirklich toll.
12
Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Matt Groening, dem Erfinder von Lisa Simpson, die genau so leidenschaftlich liest wie er.
13
Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Welches Schuhwerk für den Frankfurter Hof?
14
Hier können Sie die auch beantworten:
Nach 6 Uhr keine braunen Schuhe, bitte.
Gestern beantwortete Anne-Mette Noack unseren Fragebogen [mehr…], morgen antwortet Petra Hartlieb.