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Mobiles Bezahlen: Der Durchbruch steht bevor

Im Märzheft von BuchMarkt analysiert Michael Lemster Entwicklungen und Trends aktueller „Mobile Payment“-Systeme und erklärt, welche Chancen sich dadurch für den Buchhandel eröffnen:

Mobiles Bezahlen: kurz vor dem „Big Bang“
Das Telefon als Geldbörse – eine faszinierende Idee. Nach einem „Fehlstart“ um die Jahrtausendwende stehen heute die Lösungsanbieter stehen Gewehr bei Fuß – nun dürften auch die Handelsketten folgen

Donnerstagmorgen, 7:45 Uhr, an einem Vorortbahnhof in Deutschland: Die beiden Fahrkarten-Automaten sind dicht umlagert. Daneben, an einer Säule, eine Art Verkehrsschild mit der Aufschrift „Touchpoint“. Mit gezücktem Handy bleibt ein junger Fahrgast davor stehen, hält das Display kurz gegen den Touchpoint und besteigt lässig den wartenden Zug. Misstrauische, neidische und bewundernde Blicke streifen ihn. Was der Bahnkunde hier vorgemacht hat, dürfte in den nächsten zwei Jahren die Beziehungen zwischen Verbrauchern und Händlern aller Größenklassen revolutionieren: das Mobile Payment, kurz M-Payment genannt.

Nach einem Hype im Zuge der dot.com-Blase vor etwa zehn Jahren war das mobile Bezahlen jahrelang klinisch tot – ähnlich wie das digitale Lesen. Hier wie dort mussten technische Entwicklungen und neue, markttechnisch potente Anbieter auf die Bühne treten, um das Thema wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu befördern. Nun deutet alles darauf hin, dass auch in Deutschland der Durchbruch kurz bevorsteht. Auch unabhängige Buchhändler haben davon etwas zu erwarten.

Wie Mobile Payment funktioniert
Die klarste Definition stammt von Balduin Müller-Platz, dem Geschäftsführer der How2Pay Consulting: „M-Payment ist eine Zahlung, die mit einem mobilen Gerät ermöglicht, begünstigt oder durchgeführt wird.“ Das Gerät, klar, ist ein Smartphone oder auch Tablet – vorausgesetzt, es ist verbunden mit dem Internet und ausgerüstet für die Kommunikation mit einem Kassensystem sowie geeignet für die sichere Hinterlegung und Verarbeitung von Zahlungsinformationen.

Voraussetzung auf Handelsseite sind Kassenterminals, die mit den Kunden-Handys kommunizieren können, und ein Weg, vom Konto der Kunden die Zahlungen auch einziehen zu können. Diesen Weg zur Bank des Kunden ebnen die „Payment Service Provider“ (PSP). Den PSP fällt in der Welt des mobilen Bezahlens eine Schlüsselrolle zu. Ähnlich den Kreditkartenfirmen aggregieren sie Nachfrager im Handel und bei den Geldinstituten. Gleichzeitig treten sie mit den Verbrauchern in direkten Kontakt, da diese die Zahlungs-Apps der PSP auf ihr Smartphone herunterladen müssen.

Aber was passiert beim Mobile Payment genau?
Da gibt es unterschiedliche Verfahren. Das älteste wurde von den Mobilfunkanbietern erfunden. Die Zahlungsinformationen werden per SMS ausgetauscht, Torwächter ist die Telefongesellschaft. Diesen Weg haben die Telefongesellschaften in Deutschland niemals durchsetzen können, nicht einmal zu der Zeit, als ihre Macht über die Kunden am größten war.

Heute springen die Mobilfunk-Provider auf die anderen technischen Verfahren auf, um überhaupt noch ein relevantes Stück vom Kuchen abzubekommen, der für 2015 erwartet wird. Sie gründen oder übernehmen eigene PSP, wie es zum Beispiel die Telekom 2010 mit dem PSP-Urgestein Firstgate („ClickandBuy“) tat. Wichtiger ist der QR-Code-basierte Datenaustausch. Bei diesem Verfahren generiert entweder die Bezahl-App auf dem Kunden-Handy oder ein QR-fähiges Kassensystem einen Code, den jeweils die andere Seite in ihr System einliest.

Dem Multichannel-Handel bietet die QR- Technik unabhängig von der Bezahl-Funktion den Vorteil, dass sie den Kunden auf ein Internet-Angebot, zum Beispiel den handelseigenen Webshop, lenken kann. So hat es zum Beispiel Schuh-Primus Deichmann mit einem groß angelegten „Piloten“ gemacht: auf Hunderten von „City Lights“-Transparenten im Großraum Bremen wurden die Top-Trends gezeigt. Die Interessentinnen (und Interessenten) konnten die danebenstehenden Codes scannen und die Ware direkt nach Hause schicken lassen.

Die interessanteste Bezahltechnik – und viele sagen: die zukunftsträchtigste – ist NFC. Ein Funkchip, eingebaut ins Handy, kommuniziert mit dem Kassensystem, weist den Kunden aus und legitimiert die Transaktion. Doch NFC wird nicht nur auf Sicht in jedes Smartphone kommen, sondern seinen Platz auch im herkömmlichen Plastikgeld finden. Das kontaktbehaftete Auslesen von Magnetstreifen, das jeder Kunde bei der Kartenzahlung kennt und als zuverlässig und sicher akzeptiert, dürfte für den Verbraucher fast unmerkbar langfristig durch NFC ersetzt werden, zumal es mit PIN-basierten Legitimierungsverfahren kombiniert werden kann. Jeder führende Hersteller von Kassensystemen stattet seine neuesten Modelle mit NFC- oder QR-Technik aus. In einigen Jahren, je nach Markterfordernissen und Budgetrahmen, werden M-Payment-„enabelte“ Systeme (so das verbreitete Wort-Ungetüm) in den Geschäften zur Standardausstattung zählen.

Welche Vorteile M-Payment-Systeme außerdem liefern, wie „Mobile Wallets“ dabei helfen können und wie große Handelsunternehmen die Entwicklungen vorantreiben, erfahren Sie im kompletten Artikel in der Märzausgabe von BuchMarkt. Sie haben noch kein Abonnement? Hier geht es zu unseren Angeboten

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