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Weltempfänger-Salon

Nadeem Aslam

Gestern Abend fand der erste Weltempfänger-Salon 2014 im Haus des Buches in Frankfurt am Main statt. Zu Gast war der pakistanische Autor Nadeem Aslam. Claudia Kramatschek unterhielt sich mit dem Schriftsteller, Jochen Nix las die deutschen Texte.

Litprom-Geschäftsführerin Anita Djafari begrüßte die Gäste und erklärte, dass eine Jury ein Weltempfänger-Buch für die Veranstaltungen auswählt, mit etwas Glück ist der Autor dann ebenfalls anwesend. Zum ersten Salon 2014 klappte das.

Claudia Kramatschek stellte den Schriftsteller Nadeem Aslam, 1966 geboren, kurz vor. Im Mittelpunkt des Abends stand sein soeben auf Deutsch in der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenes Buch Der Garten des Blinden. Es war im Original The blind man’s garden 2013 bei Faber & Faber herausgekommen und vor zwei Wochen mit dem Windham Campell Prize der Yale University ausgezeichnet worden. Der mit 150.000 Dollar dotierte Preis ermöglicht dem Autor, sich dem zu widmen, was ihn seit vielen Jahren umtreibt – dem Schreiben.

Aslam emigrierte 14-jährig mit seiner Familie nach England, da der Vater in Pakistan politisch verfolgt wurde. Nadeem Aslam studierte Biochemie an der Manchester University, brach jedoch das Studium ab, um zu schreiben. Über zehn Jahre arbeitete er an seinem Debüt Season oft the Rainbirds. Er schickte das Manuskript an André Deutsch: „Ich habe einfach nachgesehen, bei welchem Verlag die Schriftsteller waren, die ich mag – wie beispielsweise V. C. Naipaul und John Updike“, erklärte Aslam. Bereits zehn Tage später erhielt er die Zusage des Verlags. „Es war Glück“, kommentierte der Autor. Schon der Erstling wurde mit dem Betty Trask Award und dem The Autors Club First Novel Award ausgezeichnet.

Während es vom Debüt keine deutsche Übersetzung gibt, sind die Nachfolger Maps for Lost Lovers 2005 bei Rowohlt in deutscher Übersetzung Atlas für verschollene Liebende und The Wasted Vigil 2010 ebenfalls bei Rowohlt Das Haus der fünf Sinne veröffentlicht worden.

In seinem vierten Roman Der Garten des Blinden erzählt Aslam das Schicksal einer Familie in Pakistan in der Zeit nach dem 11. September 2001. Poetische Sprache und die Schilderung des Afghanistan-Krieges schließen einander nicht aus, sondern geben dieser Geschichte eine besondere Spannung.

Für seine Bücher reist Nadeem Aslam seit 2010 wieder jährlich für einige Monate nach Pakistan, um dort beispielsweise auf einer Werft, auf der Schiffe abgewrackt werden, zu helfen und mitten unter den Arbeitern zu leben. „Das sind wichtige Informationen für mich“, sagt er.

Der vielfach ausgezeichnete Aslam, der vor kurzem in die Jury des Man Booker International Prize 2015 berufen wurde, bleibt bescheiden: „Ich bin nichts Besonderes.“ Eigentlich wollte er zuerst kein Schriftsteller werden. „Es ist etwa anderes, vor Menschen zu sitzen und zu lesen. Ich wollte einfach nur schreiben.“

Im Anschluss an Gespräch und Lesung konnten die Besucher am Tisch der Büchergilde Romane des Autors erwerben und sich dann signieren lassen.

JF

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