Home > Bestenlisten > Die KrimiZeit-Bestenliste April – hier zum Ausdrucken

Die KrimiZeit-Bestenliste April – hier zum Ausdrucken

Heute ist die KrimiZEIT-Bestenliste April 2014 in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienen. An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste April 2014 finden Sie erneut
GB84 von David Peace (original 2004: GB84).

Hier können Sie die Liste downloaden und als Plakat ausdrucken:
download(krimizeit.pdf)

Mit GB84 ist David Peace zurückgekehrt an den Ursprung: in die von Industrie und Kohle geprägte Region Yorkshires, in der er aufwuchs. GB84 ist im Original 2004 erschienen, 20 Jahre nach den Ereignissen, von denen es handelt. Zehn Jahre später die deutsche Version, vom versierten Peter Torberg bravourös übersetzt. GB84 ist ein Buch über das Ende einer Epoche. Großbritannien, dem Mutterland der Industrialisierung, wird der Kern ausgetrieben: Die Industrie, die Arbeiterbewegung, die Kohle. Nachwirkungen hat die Zerschlagung von Industrie und radikalen Gewerkschaften bis heute, das letzte Nachbeben war während der Finanzkrise spürbar.

Peace konzentriert sich in seinem tiefschwarzen Kolossalgemälde auf die Protagonisten der zweiten Reihe. Zwar tauchen die unversöhnlichen Kontrahenten Maggie Thatcher und Arthur Scargill auf, die meist nur in ihren Funktionen benannt werden (Premierministerin und Präsident). Im Mittelpunkt stehen die Soldaten: Streikposten, Gewerkschafter, darunter der Geschäftsführer der NUM Terry Winter, ihnen gegenüber der antikommunistische Einpeitscher und Strippenzieher Stephen Sweet, etliche Ex-Special-Forces im Untergrundeinsatz.. Ein grandioser politischer Thriller. „Es kann kein Zweifel bestehen: Wenn wir dieses dunkle erzählerische Labyrinth aus Intrigen und Verrat am Ende verlassen, werden wir uns in einem fremden Land befinden, das mit dem Großbritannien von 1984 keine Ähnlichkeit mehr hat.“ (Thekla Dannenberg im Perlentaucher) „Peace ist kompromisslos wie wenige“ (Sylvia Staude in der Frankfurter Rundschau)

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste April finden Sie fünf Titel, zwei deutsche, zwei amerikanische und einen afrikanisch-amerikanischen Ursprungs:

Auf Platz 2: Ein paar Tage Licht von Oliver Bottini
In seinem siebten Roman begibt sich Oliver Bottini noch weiter als bisher auf das Terrain des internationalen Politthrillers. Ein paar Tage Licht erreicht in seiner Vielschichtigkeit und Verzwicktheit der Intrige die Komplexität vergleichbarer Romane aus jüngster Zeit, etwa von Robert Wilson oder Michael Robotham. In Algerien suchen und verfolgen einerseits Militär und Geheimdienst, andererseits der ins Ausland abgeordnete BKA-Beamte die Spuren des entführten deutschen Rüstungsingenieurs Peter Richter und seiner Entführer. Diese geben sich als Islamisten aus, gehören jedoch zu einer geheimen, eher an westlich-demokratischen Werten orientierten Widerstandsbewegung an. Parallel zu diesem, durch internationale Liebes- und Loyalitätsverwicklungen weiter aufgeladenen Handlungsstrang zerren in Deutschland entgegengesetzte politische und wirtschaftliche Kräfte an neuen Rüstungsdeals mit dem arabischen Land, das als Bollwerk gegen islamistische „Fehl“-Entwicklungen der Arabellion strategische Bedeutung hat. Bottini gelingt es, komplizierte politische, kulturelle und kriminelle Aktivitäten spannend und intellektuell anregend zu erzählen.

Auf Platz 5: Die Wahrheit und andere Lügen von Sascha Arango
Mit Die Wahrheit und andere Lügen legt der bisher als Drehbuchautor (u.a. etliche Borowski-Tatorte) und Dramatiker bekannt gewordene Arango ein fulminantes Krimidebüt vor. Unverwechselbar und in der schwerblütigen deutschen Krimiszene auffällig ist die Verquickung von Leichtigkeit, krimineller Energie und sprachlicher Eleganz dieses „Ripley light“. Wie im Vorbild geht es um die Verteidigung eines von außen bedrohten komfortablen Lebensstils mit fast allen Mitteln. Arango variiert das Zeitgeist-Thema Plagiat auf raffinierte Weise: Die Problematik von echt, unecht und gefälscht entfaltet sich als feiner Subtext unter einer spannenden Oberflächengeschichte um Liebe, Treue und Mord, in der es dem Helden gelingt, erstaunlich unschuldig zu bleiben.

Auf Platz 6: Spademan von Adam Sternbergh (original 2014: Shovel Ready)
Spademan gehört zum boomenden Themenkomplex dystopischer Filme und Texte nach 9/11. Spademan geht im radioaktiv verseuchten und entvölkerten Manhattan seinem Job als Auftragsmörder nach, bis er von einem machtgierigen Medienprediger, der über einen besonderen Zugang zum Himmel in der aktuellen Second World verfügt, den Auftrag bekommt, dessen abgängige Tochter zu töten. Da sie schwanger ist, ist das gegen Spademans Prinzipien. Und von nun an geht es gegen die wahren Bösen, in der realen und in der virtuellen Welt.

Auf Platz 7: Wüste der Toten von Urban Waite (original 2013: The Carrion Birds)
Nach Schreckensbleich von 2011 ist dies der zweite Roman des amerikanischen Autors, der auf Deutsch erschienen ist. Waite greift den Topos des Mannes auf, der sein leben reparieren will, indem er seine Schulden begleicht und an den Ort zurückkehrt, an dem er seine Familie verloren hat. Ein Unding, wenn man dies an der Grenze zu Mexiko versucht, wo alte und neue Gangster die Macht über den Drogen und Menschenleben ausüben wollen.

Auf Platz 10: Nairobi Heat von Mukoma wa Ngugi (original 2008: Nairobi Heat)
Als Afrikaner, der in Kenia erzogen, aber in den USA und studiert hat und heute lebt, greift der Sohn des afrikanischen Schriftstellers Ngugi wa Thiong’o in seinem Krimidebüt die ganze Bandbreite der kulturellen Spannungen auf, die zwischen Afrikanern in den USA und Afroamerikanern bestehen. Detective Ishmael muss an die Wurzeln des Verbrechens, das an einer jungen Weißen im Nobelort Maple Bluff begangen wurde. Sie liegen in Kenia und Ruanda. „Die Momente der afrikanisch-amerikanischen Freundschaft unter schwarzen Vorzeichen sind die stärksten Passagen in diesem Roman.“ (Thekla Dannenberg im Perlentaucher)

Unsere Dauerchampions:
Zum dritten Mal steht Uta-Maria Heim mit Wem sonst als Dir auf der KrimiZEIT-Bestenliste.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Im Schatten der Romantik

Die Literaturveranstalterin Carolin Reif (Buchevents) darüber, wieso die Debatte um Dark Romance differenzierter geführt werden muss. Kaum ein Sub-Genre im Romance-(Buchgenre-)Spektrum polarisiert dauerhaft so stark wie Dark Romance. (In der

weiterlesen