
Teo Ferrer de Mesquita führte 34 Jahre lang die Buchhandlung und den Verlag TFM. Seit April hat er beides an Petra Noack übergeben, die seit 15 Jahren in der Buchhandlung arbeitet. „Es ist an der Zeit, etwas kürzer zu treten“, meint der 69-Jährige. Die Firmierung bleibt also bestehen, nur der Inhaber wechselt.
Auch wenn Teo Ferrer de Mesquita den 40. Jahrestag der Nelkenrevolution am 25. April in seiner portugiesischen Heimat feiern will, bleibt er der Buchhandlung und dem Verlag verbunden, wird Petra Noack in deren Urlaub vertreten und zur Buchmesse in Frankfurt sein. Wie die weitere Unterstützung aussieht, muss sich entwickeln. Gedankliche Ansätze dazu gibt es bereits.
„Es war ein anstrengendes Jahr“, sagt Mesquita. Brasilien war 2013 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse – TFM war also sehr gefragt, das zweiköpfige Team organisierte Lesungen und Diskussionen mit, war an vielen Orten präsent. Obwohl Mesquita erst einmal ausruhen möchte, hat er bereits Pläne. „Vielleicht lässt sich in Lissabon etwas bewegen für die Portugiesisch sprechenden Länder“, überlegt er und denkt dabei besonders an Angola, die Kapverden und Moçambique. Bücher in diese Länder zu liefern sei nicht das Problem, eher ist der Transfer von Novitäten nach Deutschland schwierig.
Den Buchhandlungen in Portugal selbst gehe es zur Zeit aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage nicht besonders gut. „Die Verlage versuchen, direkt zu verkaufen. Es gibt zwar ein Buchpreisbindung in Portugal, aber die funktioniert nicht“, erläutert der erfahrene Buchhändler und Verleger. Er spannt den Bogen nach Deutschland: „Wir merken schon, dass junge, gut ausgebildete Menschen aus Portugal nach Deutschland kommen. Sie können dann zwar meist nicht in ihren Berufen arbeiten, finden aber Jobs beispielsweise im Gesundheitswesen, in der Gastronomie und in der IT-Branche. Über die portugiesische Community erfährt man viel. Diese ganze Entwicklung finde ich nicht positiv, denn Europa wird an seinen Rändern immer leerer, die Kräfte werden den Ländern fehlen.“
Der Übergang bei TFM vollzog sich nicht von heute auf morgen, sondern wurde in den letzten zwei Jahren vorbereitet. „Es geht mir nicht darum, zu verkaufen. Die Buchhandlung, die mit den Jahren langsam immer größer geworden ist, muss erhalten werden. Sie hat sich deutschlandweit einen guten Ruf in der lusophonen Gemeinde erarbeitet“, sagt Mesquita. Etwa 80 Prozent des Umsatzes wird über den Versand generiert.
Als 1997 Portugal Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war, hat es einen großen Schub nach vorn gegeben. „Es war ein Erfolg für den gesamten portugiesischen Sprachraum. Außerdem erhielt 1998 José Saramago, den ich 1984 kennenlernte, den Literaturnobelpreis – das hat mich besonders gefreut“, bemerkt Mesquita.
Portugiesisch wird von 200 Millionen Menschen gesprochen und ist damit die fünfte Weltsprache. Eine Sprache, für die Petra Noack, die in Leipzig Französisch, Portugiesisch und BWL studierte, schon früh eine besondere Leidenschaft entwickelte. Beste Voraussetzungen, um 1999 im Buchladen und Verlag TFM in Frankfurt anzufangen. „Sie wurde hier gleich ins kalte Wasser geworfen, musste schnell schwimmen lernen. Das hat sie meisterhaft geschafft“, würdigt Mesquita. „Es hat eine Menge Spaß gemacht, wir haben gemeinsam viele Projekte angestoßen. Eigentlich kann ich mir gar nicht vorstellen, dass Teo nur noch selten da sein wird“, sagt Petra Noack.
Die 39-Jährige will die Buchhandlung stabilisieren und den Verlag erhalten, selbst wenn es in den nächsten Monaten erst einmal keine Neuerscheinungen geben wird. Die Veranstaltungen gehen weiter, Petra Noack denkt auch an einen Leserkreis und Vorträge über brasilianische Musik.
Der langjährige Kontakt zu den Buchhandlungen in Deutschland wird selbstverständlich weiter gepflegt: „Wir besorgen gerne alles, was gewünscht wird“, unterstreicht Noack. Man versteht einander nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. „Als Spezialbuchhandlung gehen wir in die Tiefe, bieten nicht nur Bücher, sondern auch CDs, DVDs und Hörbücher, außerdem deutsche Übersetzungen von portugiesisch-sprachigen Autoren an“, erläutert sie. Mehr Informationen findet man unter www.tfmonline.de.
JF