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Der VDBB setzt auf Print als „Rückgrat der Branche“

Heute Vormittag traf sich im Hilton Hotel in Berlin der Verband der Deutscher Bahnhofsbuchhändler zu seiner Jahreshauptversammlung. Bereits gestern fand die Mitgliederversammlung statt, bei der der kommissarische Vorsitzende des Verbands, Götz Grauert (Foto) [mehr…], einstimmig in seinem Amt bestätigt wurde.

Die digitale Entwicklung stelle eine Herausforderung dar, mit der sich auch der Bahnhofsbuchhandel auseinandersetzen müsse, so Grauert. Gerade in Zeiten der Krise gelte es neue Chancen zu nutzen, sagte er und plädierte für eine Große Koalition aus Zeitschriftenverlagen und Vertriebspartnern. Nach wie vor sei das Printgeschäft umsatzstark und profitabel. Daher sei es wünschenswert, dass die Verlage die Stärken ihrer Printmarken weiterer ausbauen und mit Investitionen wie Publikumswerbung unterstützen. „Wir wünsche uns aber auch eine gemeinsame Arbeit an den Schwächen unserer Branche – wie den vielen überflüssigen Me-Too-Produkte, die in den Verlagen und im Handel auf Kosten von Innovationen gehen.“ Bei aller Leidenschaft für Print gelte es aber auch, die elektronischen Medien nicht zu vernachlässigen. Bücher und Presse blieben aber das Rückgrat der Branche.

Als weiteren Schwerpunkt nannte Grauert die Leseförderung, die dem Verband besonders am Herzen liegt. Der Verband unterstützt beispielsweise den Schülerwettbewerb der Nationalen Initiative Printmedien und engagiert sich beim Bundesweiten Vorlesetag der Stiftung Lesen. „Größere Sorgen als die Digitalisierung bereitetet mir die große Zahl der funktionalen Analphabeten“, so Grauert.

Grauert verwies darauf, dass sich durch die zunehmende Konkurrenz des Online-Handel weitere Buch- und Pressehändler aus den Innenstädten zurückziehen und so dem Bahnhofsbuchhandel Kunden zuspielen könnten. „Bahnhöfe sind eine willkommene Oase der Lesekultur“, so Grauert. Im vergangenen Jahr wurden rund 350 Millionen Euro mit den traditionellen Sortimenten Presse und Buch erwirtschaftet. Damit konnte der Bahnhofsbuchhandel seinen Umsatz behaupten. Dennoch, der rückläufige Trend im Tageszeitungsgeschäft wirke sich negativ auf die Kundenfrequenz und damit auf Impuls- und Koppelkäufe aus. Es gebe aber zugleich viele Zeitschriften, die an Bedeutung gewinnen; insgesamt kamen im Jahr 2013 rund 1.800 neue Titel ins Sortiment. Das Segment Lifestyle, aber auch Food-Magazine und Titel rund um gesunde Ernährung und die Besinnung auf innere und beständige Werte gingen besonders gut.

Auch Stephan Scherzer, der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger sieht kein drohendes Ende des Printgeschäfts. Ergänzt um digitale Inhalte hätten traditionelle Medien ihren Vertrauensvorsprung deutlich ausgebaut. 91,5 Prozent der Menschen über 14 Jahren lesen regelmäßig Zeitschriften.

„Mehr Experimente wagen!“, lautete die Botschaft des Vortrags von Andreas Steinle, dem Geschäftsführer des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main. Unter dem Motto „Die real-digitale Zukunft und ihre Trendpotenziale für den Bahnhofsbuchhandel“ stellte er gelungene innovative Konzepte aus der Praxis vor – wie das Kochhaus und den Apple-Store. Zwar verändere sich der Handel gerade dramatisch, doch der stationäre Handel werde auch in Zukunft wichtig bleiben; der Trend gehe aber zu vernetzen Modellen. „Wir werden es mit einer vernetzten Welt zu tun haben“, so Steinle. Bei ständig steigenden Mieten spiele auch die konzentrierte Flächennutzung eine große Rolle. Und da der Wissenshunger künftig immer größer werde, könnten sich Buchhandlungen als „Wasserstelle für Wissensarbeiter“ positionieren, an denen Kreative, die nicht mehr am Schreibtisch sitzen, sondern als „Business Freestyler“ unterwegs sind, ihre Reserven auffüllen. Das kann das Mobiltelefon sein, das sie an eigens angeboteten Ladestationen aufladen, das kann aber auch eine Ruheoase in entspannter Atmosphäre sein. „Denken Sie den Buchhandel als Fanshop für die Kreativarbeiter von morgen“, so Steinle.

Bevor die Tagungsteilnehmer zum Mittagessen und zum anschließenden Networking mit ihren Geschäftspartnern gingen, sprach der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer über ein brandaktuelles Thema Die Vereinigten Staaten von Europa – Zukunft oder Illusion?. Sein gleichnamiges Buch sollte in diesen Tagen im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheinen wurde wegen der Entwicklungen in der Ukraine aber auf Herbst verschoben. Er werde das entsprechende Kapitel nun aktualisieren, so Fischer.

ml

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