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Ulrich Hopp: Synergieeffekte treten bei der Regionalbuch AG tatsächlich ein

Vor gut zwei Jahren haben drei Regionalverlage beschlossen, sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch zu treffen. Daraus ist die Regionalbuch AG entstanden, eine Arbeitsgemeinschaft, der mittlerweile acht Verlage angehören: be.bra Verlag (Berlin), Boyens Buchverlag (Husum), CoCon-Verlag (Hanau), Hinstorff Verlag (Rostock), Klartext Verlag (Essen), Mitteldeutscher Verlag (Halle), Silberburg-Verlag (Tübingen) und Volk Verlag (München).
Heute im Sonntagsgespräch dazu be.bra-Verleger Ulrich Hopp.

Herr Hopp, Sie waren mit Ihrem be.bra Verlag einer der Initiatoren des Projekts. Wie ist die Idee zur Regionalbuch AG entstanden?

Ulrich Hopp

Ulrich Hopp: 2011 traf ich mich mit Ludger Claßen vom Klartext Verlag und Titus Häussermann vom Silberburg Verlag am be.bra-Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Wir plauderten darüber, welche landestypischen Spezialthemen jeder von uns verlegt und welche Erfahrungen wir jeweils mit einzelnen Ausrichtungen unserer Programme haben. Schnell war uns klar, dass wir diesen Erfahrungsaustausch vertiefen und verstetigen sollten.

Oft verlaufen solche Messegespräche später im Sande.

Ulrich Hopp: Wir haben sofort ein erstes Treffen Anfang 2012 in Berlin vereinbart. Damals waren wir noch zu dritt. Dieses erste „offizielle“ Treffen war für uns sehr spannend; wir konnten uns über interessante Details unserer Arbeit austauschen und spätestens nach dem zweiten Berliner Treffen, im Juni 2012 – da war dann schon die Kollegin Eva-Maria Buchholz vom Hinstorff Verlag dabei – waren so etwas wie freundschaftliche Bande geknüpft. Bei unserer nächsten Veranstaltung, im September 2012 bei KNV in Stuttgart, beschlossen wir u. a., unseren Kreis zu erweitern. Einige Treffen später sind wir nun bereits acht Verlage, die mit ihrer regionalen Ausrichtung Deutschland zu fast 80 Prozent abdecken.

Wie oft kommen Sie zum Erfahrungsaustausch zusammen?

Ulrich Hopp: Wir treffen uns reihum zweimal im Jahr und auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig.

Welche gemeinsamen Projekte haben Sie bereits realisiert?

Ulrich Hopp: Ehe wir ein Gemeinschaftsprojekt auf die Schiene gehoben haben, haben einige von uns bereits programmatisch zusammengearbeitet. So wurde das Malbuch von Claas Janssen Berlin für Kinder (be.bra, 2012) vom Klartext Verlag für Essen und den Ruhrpott umgesetzt und vom Hinstorff Verlag für Ostsee und Rügen. In diesem Falle haben die Kollegen das Berliner Konzept zusammen mit dem Illustrator im gleichen Format und gleicher Ausstattung in ihren Bereich übertragen. Weitere Orte sind hier geplant.

Auf der Leipziger Buchmesse haben Sie jetzt „Kleeorg und Kleeopatra – eine Geschichte vom Glück“ präsentiert, ein Projekt, an dem alle acht Verlage beteiligt sind.

Ulrich Hopp: Damit haben wir ein Gemeinschafts-Buchprojekt gestemmt, das es in sich hat. Werner Holzwarth, der Autor des Bestsellers Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat, hatte dem Silberburg Verlag ein Geschenkbuch auf Schwäbisch mit Illustrationen von Henning Löhlein angeboten: Kleeorg und Kleeopatra – eine Geschichte vom Glück. Titus Häussermann hat uns allen dann auf der Frankfurter Buchmesse 2013 das Angebot unterbreitet, dieses Geschenkbuch in den jeweiligen Landessprachen gemeinschaftlich erscheinen zu lassen. Alle Verlage der Regionalbuch AG haben sich entsprechende „Übersetzer“ gesucht und so konnten wir bereits im Frühjahr 2014 eine Weltpremiere verkünden: ein Buch in zwölf Mundartausgaben (Alemannisch, Badisch, Bayrisch, Berlinisch, Fränkisch, Hessisch, Plattdeutsch, Rheinisch/Kölsch, Ruhrpott-Deutsch, Sächsisch, Schwäbisch und Westfälisch). Wir haben diese zwölf Ausgaben zusammen in einer Druckerei herstellen lassen (Klartext Verlag hat die Herstellung für alle koordiniert) und konnten so den Kostenvorteil einer hohen Gesamtauflage nutzen.

Wie bewerben Sie das Projekt?

Ulrich Hopp: Gemeinschaftliche Anzeigen (vom Volk Verlag erstellt) und Pressearbeit werden derzeit umgesetzt, und die Kollegen von CoCon haben als Gimmick Kleesamen-Tütchen mit Werbeaufdruck zur Verfügung gestellt; der Mitteldeutsche Verlag war Gastgeber in Leipzig zur Pressevorstellung und der Hinstorff Verlag hat auf Facebook ein aufwendiges Memo zum Buch erstellt.

Es ist nicht gerade alltäglich, dass Konkurrenten so eng kooperieren. Gibt es keine „Berührungsängste“?

Ulrich Hopp: Nein, die gibt es nicht. Der Vorteil unserer speziellen Situation ist es, dass wir ja alle unterschiedliche Zielgruppen in den unterschiedlichen Regionen haben. Das heißt für uns, dass wir nur ab und an punktuell miteinander konkurrieren. Doch für den überwiegenden Teil unserer Programme trifft zu, dass sie innerhalb der Regionalbuch AG konkurrenzlos sind. Das eröffnet für uns im gemeinsamen Gespräch die Möglichkeit, uns schonungslos unsere „Tops und Flops“ zu präsentieren. Das schützt uns davor, gemachte Fehler einer Region in eine andere zu übertragen, vor allem aber bietet es uns die Möglichkeit, Erfolge zu transferieren.

Was versprechen Sie sich darüber hinaus von der Regionalbuch AG?

Ulrich Hopp: Zum einen wollen wir gemeinschaftliche Vorteile nutzen. Ob es Informationen im organisatorischen oder herstellerischen Bereich sind, der Austausch über Vertreterarbeit, Erfahrungen über Marketing im stationären Buchhandel, die strategische Aufstellung in der jeweiligen Region – wir können da viel voneinander lernen und partizipieren. Natürlich ist die Kalkulation auch ein ständiges Thema.

Zum Beispiel?

Ulrich Hopp: Jeder von uns alleine wird als regionaler Verlag für seinen Standort wahrgenommen. Gemeinschaftlich jedoch können wir überregional agieren. Dadurch, dass wir etwa 80 Prozent Deutschlands mit unseren Themen abdecken, kann die Regionalbuch AG für sich in Anspruch nehmen, die höchste Dichte an Landeskenntnis von Flensburg bis Garmisch Partenkirchen und von Aachen bis Frankfurt/Oder zu versammeln. So können wir z. B. den „Buy Local“-Gedanken mit regionaler, ja lokaler Literatur beflügeln und das bundesweit. Denn wo, wenn nicht in Buchhandlungen, die sich diesem Label verpflichtet fühlen, sollte Regionalliteratur zu suchen und zu finden sein?

Eine Erkenntnis, die wir gewonnen haben, ist, dass sich Regionalliteratur überdurchschnittlich gut über den Buchhandel verkaufen lässt. Menschen, die sich für ihre Region interessieren, sind meist Vielleser – sprich, engagierte Buchkäufer. Ein Potential das sich der Handel nicht entgehen lassen sollte.

Welche Aktionen planen Sie für den Handel?

Ulrich Hopp: Wir haben schon ein erstes gemeinsames „Aktionspaket“ mit Umbreit von April bis Juni 2012 realisiert. Das heißt, dass wir Reisetitel aus der jeweiligen Region in einer Wanne unter dem Titel Deutschland entdecken mit den Spezialisten angeboten haben – mit einem entsprechenden Plakat und einem wertigen Kompass. Mit KNV und LIBRI sind wir ebenfalls im Gespräch zu gemeinsamen Themenaktionen.

Wie kann der Buchhandel von der Regionalbuch AG profitieren?

Ulrich Hopp: Zunächst einmal dadurch, dass wir durch den Titeltransfer flächendeckend mehr gut verkäufliche Bücher anbieten. Dann durch gemeinsame Buchwerbung, die die einzelnen Verlage allein nicht stemmen könnten. Ebenso durch gemeinschaftliche Vertriebsaktivitäten mit Aktionspaketen, mehr Social-Media-Öffentlichkeit, günstigere Ladenpreise durch gemeinsame Produktion und natürlich durch unsere hohe Gesamtkompetenz für fast alle Regionen. Weitere Vorteile für den Buchhandel werden sich künftig noch herauskristallisieren. Ich finde, dass wir für die kurze Zeit gemeinschaftlichen Agierens bereits sehr viel angeschoben haben. Bislang sind wir noch in unterschiedlichen Auslieferungen, wenn wir erst einmal soweit sind zusammen auszuliefern, dann können wir noch viel weiter denken.

Was sind die nächsten Schritte?

Ulrich Hopp: Zunächst einmal werden wir die bisherigen Projekte kritisch betrachten. Was hat gut funktioniert, wo gab es warum Probleme, wie können wir noch besser werden? Konkret haben wir schon für den Herbst 2014 ein weiteres gemeinschaftliches Projekt, das auf der einen Seite die Regionalkompetenz jedes einzelnen „Regionalbuchers“ unterstreicht, aber in Summe werden diese Einzelprojekte wieder ein Gesamtbild für Deutschland sein. Dieses und noch viel mehr haben wir im Februar in Halle vereinbart, wo Roman Pliske vom Mitteldeutschen Verlag uns ein toller Gastgeber war.

Welche Bilanz ziehen Sie nach den ersten Jahren?

Ulrich Hopp: In Summe kann ich sagen, dass es für uns alle überraschend war, wie schnell wir gemeinschaftliche Projekte umsetzen konnten. Das Miteinander verspricht für die Zukunft viel, und die so oft beschworenen Synergieeffekte treten bei uns tatsächlich ein. Darüber hinaus machen unsere Treffen und der vielfältige Austausch viel Spaß, schon allein die Möglichkeit, die jeweilige Region von kompetenten Kollegen erklärt zu bekommen. Natürlich machen wir auch vielseitige kulinarische Erfahrungen vor Ort. Und so freue ich mich schon sehr auf unser nächstes Treffen beim Kollegen Michael Volk im September in München.

Ist die Regionalbuch AG offen für neue Mitglieder?

Ulrich Hopp: Prinzip unserer AG ist es, das aus jeder Region nur ein Verlag dabei sein kann, denn nur so können wir die Konkurrenzsituation außen vor lassen. Wir suchen daher selbst gezielt Verlage aus Gebieten, die wir mit der Regionalbuch AG bisher nicht abdecken.

Welche Voraussetzungen müssen sie erfüllen?

Ulrich Hopp: Entsprechende Kollegenverlage sollten in ihrem Bereich eine führende Marktposition inne haben. Es müssen aktive Verlage sein; z. B. im Bereich der Veranstaltungen und des Marketings sollen sie mit dem örtlichen Buchhandel zusammenarbeiten. Auslieferung und Vertreter sind aus unserer Sicht von Vorteil und natürlich die Bereitschaft zum fleißigen Informationsaustausch.

Was kommt auf einen Verleger zu, der mitmachen möchte? Wie viel Zeit und Geld muss er investieren?

Ulrich Hopp: Zunächst ein Kreis von acht ungemein netten und fröhlichen Kollegen. Wie bereits gesagt treffen wir uns zweimal im Jahr reihum, das nimmt meist jeweils zwei Tage in Anspruch. Auf den Messen sind wir ja sowieso – da sollte man schon mal einen Termin von zwei Stündchen füreinander ermöglichen. Ansonsten telefonieren wir oder stimmen uns per Rundmail ab.

Zu den Kosten sei gesagt, wir haben keine Beiträge zu entrichten. Die gemeinsamen Aktionen werden transparent gemacht und anteilig umgelegt. Jeder hat die Möglichkeit in der Runde den Kostenrahmen mitzuentscheiden.

Ach ja, wir suchen natürlich nur nette Kolleginnen und Kollegen!

Kontakt: www.regionalbuchag.de

Die Fragen stellte Margit Lesemann.

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