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Reden der Europäischen Schriftstellerkonferenz

Mit einer Rede über Europa und seine Grenzen eröffnete Außenminister Frank Walter Steinmeier gestern im Atrium der Alfred Herrhausen Stiftung in Berlin Mitte die Europäische Schriftstellerkonferenz „Europa – Traum und Wirklichkeit“ [mehr…].

„Wenn kulturelle und politische Grenzen immer ein und dieselben sein müssten, wie viel ärmer wäre dann die Literatur! Wie viel dümmer wäre die Politik!“, sagte er. „Wenn dem so wäre, so könnte der Tscheche Franz Kafka kein deutscher Schriftsteller gewesen sein. Der gebürtige Pole Joseph Conrad wäre wohl kaum ein Klassiker der englischen Literatur geworden. Und der in Algerien aufgewachsene Albert Camus nie zu einer der größten Stimmen französischer Literatur im 20. Jahrhundert geworden.“

Verstehen sei eine Grundbedingung der Außenpolitik. Und wer einen Konflikt lösen will, brauche Verständigung. „Und verständigen kann sich nur, wer Fremdes wahrnimmt, wer die Augen und die Ohren, die Fenster und Türen öffnet. Genau das tut die Literatur. Ganz sicher: wer schreibt, aber auch: wer liest, der entdeckt kulturelle Brücken, auch über politische Grenzen hinweg – oder spürt kulturelle Unterschiede innerhalb derselben politischen Grenzen. Wer liest, hört Zwischentöne. Und auf die kommt es an in der Außenpolitik. Denn was gesagt wird, ist allzu oft nicht das, was gemeint ist.“

Den kompletten Text der Rede finden Sie hier http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2014/140508_BM_Eroeffnung_Schriftstellerkonferenz.html

Der Berliner Tagesspiegel druckt heute eine gekürzte Fassung der Rede „Der Traum von Europa und die Wirklichkeit“ des ungarischen Schriftstellers György Dalos. Hier können Sie sie nachlesen: http://www.tagesspiegel.de/kultur/gyoergy-dalos-ueber-europa-alte-traeume-neue-mauern/9865638.html

Am gestrigen Abend wurde im Rahmen der Langen Nacht der Europäischen Literatur in Anwesenheit von Frank Walter Steinmeier im Deutschen Theater ein Manifest vorgetragen, das die 31 Schriftsteller aus 25 europäischen Ländern auf der Konferenz verfasst haben.

„Als Kind und junge Frau bedeutete für mich die europäische Literatur „Europa“. Das ideale Europa, das wahre Europa, in dem man glauben konnte trotz der realen Europa des Nazismus und Bolschewismus, ein Europa wo ich tatsachlich lebte. Dichtung war für mich die Wahrheit, trotz aller Realitäten. Das Versprechen einer besseren Welt“, sagte beispielsweise Ágnes Heller (Ungarn). Und Oksana Sabuschko aus der Ukraine meint: „Man kann nicht vom Niedergang Europas reden, solange sich Europa noch Menschen rühmen kann, die bereit sind, für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte zu sterben, wie es in diesem Winter auf dem Maidan in Kiew geschah.“ Peter Schneider fragte: „Europa stellt heute ein einzigartiges Zivilisationsmodell dar, das in großen Teilen der außereuropäischen Welt Anerkennung und Bewunderung genießt. Aber die Strahlkraft, die das europäische Modell für viele Schwellenländer hat, wird in Europa selbst kaum wahrgenommen. Sind die Europäer dabei, das Projekt Europa und die Hoffnungen, die es weckt, aus Desinteresse, Egoismus und Weltvergessenheit zu verspielen?

Heute wird die Konferenz mit einem Symposium in der Alfred Herrhausen Stiftung fortgesetzt. Informationen: www.europatraumundwirklichkeit.eu

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