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Neu auf Platz 1: Arthur Schnitzler „Später Ruhm“

30 Literaturkritiker nennen monatlich – in freier Auswahl – für den SWR vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie „möglichst viele Leser und Leserinnen“ wünschen. Hier die Liste der besten zehn Titel für Juni:
1.
ARTHUR SCHNITZLER: Später Ruhm
Novelle. Zsolnay Verlag, 158 Seiten, € 17,90

„Später Ruhm“ erzählt von einem, der mit der Schriftstellerlaufbahn längst abgeschlossen hat – bis ihn eine leicht entzündliche Wiener Kaffeehausclique als große Entdeckung feiert. „Reigen“, „Traumnovelle“, „Leutnant Gustl“ – Arthur Schnitzler schrieb einige der bekanntesten Theaterstücke und Erzählungen der klassischen Moderne. Ein Menschenleben nach seinem Tod tritt immer noch Neues zutage.

2.
THOMAS PALZER: Nachtwärts
Roman. ars vivendi verlag, 320 Seiten

Der Vater ist ein reicher Reeder und der ärgste Feind seiner Kinder. Jetzt soll er bluten, wenigstens finanziell – die Geschwister Laurens und Finn inszenieren die eigene Entführung mithilfe eines geheimnisvollen Fremden, der mit ihnen gemeinsame Sache machen will.

3.
ULRIKE DRAESNER: Sieben Sprünge vom Rand der Welt
Roman. Luchterhand Literaturverlag, 560 Seiten, € 21,99

Der Affenforscher glaubt an das Gute im Tier – bis er im Fernsehen ein Gemetzel im Langurenvolk vorgeführt bekommt: „Menschen in Fell!“ gurgelte er. „Jahrhundertelang hatte unsereins Angst vor ihnen, rottete sie fast aus wie den Neandertaler. Und wie richtig: Sie sind so brutal wie wir. Der letzte, entscheidende Unterschied – einfach weg.“

4.-5.
CHIMAMANDA NGOZI ADICHIE: Americanah
Roman. S. Fischer Verlag, 605 Seiten, € 24,99

„Americanah“ nennen Nigerianer diejenigen ihrer Landsleute, die es nach Amerika geschafft haben. Die mit Geld, westlicher Bildung und ostentativ amerikanischem Akzent in die Heimat zurückkehren. … – Adichies neuer Roman ist ein großes Epos über eine Welt, die einerseits immer enger zusammenrückt, deren Grenzen aber andererseits immer schärfer bewacht werden.“ (Ijoma Mangold)

SOPHIA & NATHANIEL HAWTHORNE: Das Paradies der kleinen Dinge
Ein gemeinsames Tagebuch
Aus dem amerikanischen Englisch von Alexander Pechmann.
Jung und Jung Verlag, 200 Seiten, € 19,90

Kurz nach der Hochzeit 1842 zogen der amerikanische Schriftsteller Nathaniel Hawthorne und seine Frau Sophia ins entlegene Concord, Massachusets und führten gemeinsam bis zum Tod Nathaniel Hawthornes ein Tagebuch ihrer Ehe. Herausgekommen ist die Chronik einer großen Liebe, die an Prüfungen wächst und sich als Vorbild niemand geringeren nimmt als Adam und Eva. „Es ist, im großen Ganzen, eine ideale Welt, welche sich vor dem Auge des Lesers entfaltet“, schreibt Peter Handke im Nachwort.

6.
WALTER KEMPOWSKI: Plankton
Ein kollektives Gedächtnis
Knaus Verlag, 832 Seiten, € 49,99

Gute Geschichten müssen nicht lang sein. Hunderte Seiten voller höchstlebendiger Erzähl-Partikel, Plankton eben. Walter Kempowski war obsessiver Sammler deutscher Alltagsäußerungen, seine „Deutsche Chronik“ machte ihn berühmt. In dieser Tradition steht auch die neue Sammlung, zusammengestellt aus dem legendären Tagebucharchiv Kempowskis – eine Art narrativer Ursuppe.

7.
GERTRUD LEUTENEGGER: Panischer Frühling
Roman. Suhrkamp Verlag, 221 Seiten, € 19,95**

„Frühjahr 2010. Auf Island bricht der Vulkan mit dem unaussprechbaren Namen Eyjafjallajökull aus. Kilometerhohe Aschewolken donnern in die Luft, … der Luftverkehr liegt über Tage hin lahm. Kein Flugzeug am Himmel, keines über London. Ebendort hält sich die Icherzählerin auf. … 3-D-Prosa mit atemberaubender Dringlichkeit und Hartnäckigkeit.“ (Ursula März)

8.-10.
VOLKER BRAUN: Werktage 2
Arbeitsbuch 1990-2008
Suhrkamp Verlag, 998 Seiten, € 39,95

Aufzeichnungen aus den Jahren des Umbruchs, vom ersten Silvester nach der Wende bis zur Finanzkrise 2008. „die roten rohen metropolen wanken. am himmel ströme von zerbrochnen flügeln und ausgerissnen drähten. ALLES WAR.“

THOMAS ESPEDAL: Wider die Natur
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel.
Matthes & Seitz Berlin, 180 Seiten, € 19,90

Er ist um die 50, sie um die 20. Ihre Liebe hat keine Chance – aber Espedal nutzt sie zu einem unbestechlichen Bericht aus dem Gefühlskosmos des Mannes. „Espedals Prosa ist voller Schwarzer Löcher, in denen sich die Energie des Ungeschriebenen aufstaut. Sein Liebesbuch ist ein Meisterwerk des literarischen Understatements. Alle, die neuerdings wieder nach einem neuen, unverbrauchten Realismus dürsten wie nach klarem Wasser in der Wüste, werden dieses Buch lieben.“ (Iris Radisch)

8.-10.
MARIE NDIAYE: Ladivine
Roman. Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer.
Suhrkamp Verlag, 444 Seiten, € 22,95

Malinka denkt gar nicht darüber nach – die hellhäutige Frau ignoriert ihre farbige Herkunft, nennt sich Clarisse, lebt als Weiße. Doch ihre Mutter muss sie jetzt verleugnen. Die Geschichte einer Frau, die Herkunft und Geschlecht nicht mehr als Grenzen ihrer Biographie akzeptiert. Marie Ndiaye bekam 2009 den Prix Goncourt für ihren Roman „Drei starke Frauen“.

Persönliche Empfehlung im Juni von Sigrid Löffler (Berlin):

PAUL AUSTER/J.M. COETZEE: Von hier nach da
Briefe 2008-2011
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke und Werner Schmitz.
S. Fischer Verlag, 286 Seiten, € 14,99

„Dass die beiden Weltautoren ihren jahrelangen privaten Gedanken-, Meinungs- und Gefühlsaustausch nun publizieren, ist ein großes Glück. Weil ihre klugen Ansichten zu Kunst, Politik, Erotik, Sport, Vaterschaft oder Bankenkrise so erfrischend locker daherkommen. Vor allem aber, weil der unnahbare Coetzee erstmals als Privatmensch nahbar wird. Eine faszinierende Lektüre.“ (Sigrid Löffler)

Literatur im Fernsehen

Donnerstag, 5. Juni um 23.15 Uhr im SWR Fernsehen
Sonntag, 22. Juni um 09.30 Uhr im SWR Fernsehen
„lesenswert“ mit Felicitas von Lovenberg
Gäste: Katja Petrowskaja und Peter Härtling

Donnerstag, 26.Juni um 23.15 Uhr im SWR Fernsehen
„lesenswert-quartett“ mit Felicitas von Lovenberg
Gäste: Thea Dorn, Ijoma Mangold, Denis Scheck

Literatur im Hörfunk
SWR2 Literatur

Dienstag, 3. Juni um 22.03 Uhr
über die Bücher der Juni-Bestenliste diskutieren
Cornelia Geißler, Hajo Steinert, Moderation: Eberhard Falcke

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